Rita Süssmuth hält nichts vom Ruhestand

Von: ddp
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Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth kann sich über Mangel an Beschäftigung nach wie vor nicht klagen. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag hat die ehemalige Parlaments-Chefin und Familienministerin unermüdlich Aufgabe um Aufgabe übernommen. Für ihr Engagement wird sie am kommenden Freitag erneut geehrt. Foto: dpa

Düsseldorf. Es gibt wenig Grund, an Rita Süssmuths Bekenntnis zu zweifeln: „Mein Beruf ist mein Lieblingshobby”, sagt die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesgesundheitsministerin. Daher ist sie trotz ihres Alters noch weiter politisch engagiert. „Doch nach den deutschen Standards gehöre ich nicht mehr in die Öffentlichkeit”, sagt die 73-Jährige.

Spätestens ab 65 werde erwartet, man solle sich ins Private zurückziehen. Nach Ansicht der früheren CDU-Spitzenpolitikerin eine Aufforderung, sich nicht mehr der öffentlichen Dinge anzunehmen. Ihr „Dickkopf und etwas Sturheit” würden ihr durchaus helfen, dagegen aufzubegehren.

Dabei werden die Verdienste Süssmuths auch heutzutage noch gewürdigt. Am Freitag (18. Juni) bekommt sie für ihren „beherzten Einsatz für Migration, Integration und Ausländerrecht” und „ihr unerbittliches Engagement gegen jedwede Geschlechterdiskriminierung” in Bielefeld den Regine-Hildebrandt-Preis der dort ansässigen Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut.

Süssmuth war unter anderem Vorsitzende der Unabhängigen Kommission „Zuwanderung” und nahm mit ihrem Buch „Migration und Integration: Testfall für unsere Gesellschaft” Einfluss auf die Einwanderungsdebatte.

Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung, die auch noch an zwei soziale Vereine geht, ist für Süssmuth vor allem „Verpflichtung, sich weiterhin für den sozialen Sektor und für Benachteiligte einzusetzen”. Daher will sie das Geld auch einem sozialen Projekt zukommen lassen, das „Jugendliche nicht nach ethnischen Kriterien sortiert”.

Zu Beginn ihrer politischen Karriere kämpfte Rita Süssmuth vornehmlich für die Rechte von Frauen. Von Frauenpolitik zu Migranten ist für sie keine Verlagerung der Aktivitäten, sondern eine Erweiterung. „Ich habe bei Migranten identische Merkmale der Ausgrenzung erkannt, wie ich sie früher bei Frauen gesehen habe”, erzählt sie. Zudem bekennt sie: „Ich habe einen Blick dafür, wo eine Gefahr der Ausgrenzung droht und einen siebten Sinn, wie man diese beseitigen kann.”

Franz Schaible, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Solidarität, freut sich auf die Preisverleihung, bei der er Rita Süssmuth erstmals persönlich kennenlernen wird. Bisher habe er sie als „unglaublich pragmatischen Menschen” erlebt. Er habe mit ihr bei einem Projekt mit Hilfslieferungen nach Simbabwe zusammengearbeitet. Dankbar sei er dieser „handfesten und verlässlichen Frau” aber auch dafür, dass sie sich auf seine Bitte hin für die Einrichtung der Gedenkstätte Deutsche Einheit in Marienborn eingesetzt habe. „Sonst wäre dieser ehemalige DDR-Grenzübergang für eine Großtankstelle plattgemacht worden”, sagt Schaible.

Die in Neuss lebende Süssmuth beginnt ihren Tag auch heute noch spätestens um 6 Uhr früh. Doch weist sie die Vermutung energisch von sich, sie fühle sich nur der Pflicht verbunden. „Begegnungen des Genusses” wie Theaterbesuche oder ein gutes Glas Wein seien enorm wichtig für sie. „Ohne solche Erlebnisse könnte ich das nicht aushalten”, bekennt Süssmuth. Man könne im Beruf nur dann kreativ sein, wenn man sich von außerhalb des Berufs inspirieren lasse. Seine eigenen Grenzen austesten und ständig Neues lernen mache ungeheuren Spaß - „unabhängig vom Lebensalter”, betonte die frühere Bundestagspräsidentin. Mit ihrem Aktivsein und ihrer Neugierde will Rita Süssmuth ihren Mitmenschen Vorbild sein und sie auffordern: „Lasst euch nicht festlegen!”

Festlegen lässt sich Süssmuth sicher nicht. Die Professorin für Erziehungswissenschaften hatte nach eigener Aussage „nie vor, in die Politik zu gehen”. 1981 trat sie in die CDU ein. Schon zwei Jahre später wurde sie Vorsitzende des Bundesfachausschusses für Familienpolitik der Partei, 1985 Bundesfamilien- und -gesundheitsministerin. Zehn Jahre lang hatte sie ab 1988 als Präsidentin des Deutschen Bundestags das zweithöchste Amt im Staate inne.

In ihrer Amtszeit war sie auch zuständig für die Architektur des Hauses und gehörte zu den eifrigsten Verfechtern der Reichstagsverhüllung. Wenn sie an die Wochen im Sommer 1995 zurückdenkt, dann leuchten ihre Augen: „Christos Kunst war so friedlich und inspirierend für viele Menschen”, schwärmt Süssmuth. „Von diesen sozusagen berufsbegleitenden Hobbys wie Architektur und bildender Kunst geht viel Energie auf mich über”, sagt sie.
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