Köln - Risse gefährden Fenster am Kölner Dom

Risse gefährden Fenster am Kölner Dom

Von: Petra Albers, dpa
Letzte Aktualisierung:
dom
Ein Teil eines Fensters aus dem 19. Jahrhundert, der Craqueleschäden in den bernsteinfarbenen Details zeigt: Einige Fenster des Kölner Doms drohen wegen haarfeiner Risse zu zerbrechen. In einem dreijährigen Modellprojekt suchen nun Fachleute des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung nach Methoden, um die wertvollen Fenster zu erhalten. Foto: dpa

Köln. . Wie ein hauchfeines Spinnennetz ziehen sich die Risse durch das bunte Glas. Gleich mehrere aus dem 19. Jahrhundert stammende Fenster des Kölner Doms drohen zu zerbrechen. Ruß, Abgase und andere Luftschadstoffe haben das Glas angegriffen.

In einem dreijährigen Modellprojekt suchen nun Fachleute des Würzburger Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung (ISC) nach Methoden, um die wertvollen Kirchenfenster zu erhalten.

Die Ursachen für sogenannte Craqueléschäden an historischen Gläsern seien bislang wenig erforscht, erläuterte Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner am Dienstag. Als sicher gelte aber, dass Umweltschadstoffe eine Rolle spielen. Der Qualm der Dampfloks, die jahrzehntelang direkt hinter dem Dom über die Gleise schnauften, der Rauch von Kohleöfen und Industrieabgase schwärzten nicht nur die Steine, sondern griffen auch die Fenster des Gotteshauses an. Betroffen sind die noch erhaltenen Scheiben aus dem Welter-Zyklus - ein ursprünglich 28 Fenster umfassender Bilderzyklus des Kölner Malers Michael Welter (1808-1892).

Die Fenster waren vor dem Zweiten Weltkrieg aus Angst vor Bombenangriffen ausgebaut und später durch einfache Ornament-Scheiben ersetzt worden. Als man sich vor einigen Jahren an die Originale erinnerte und sie aus den Lagerkisten kramte, entdeckten die Mitarbeiter der Dombauhütte die Schäden. Das Glas ist - seltsamerweise fast ausnahmslos an bernsteinfarbenen Stellen - von unzähligen feinen Rissen durchzogen, die es instabil machen.

„Die Ursachen liegen wahrscheinlich in der spezifischen Zusammensetzung des Glases begründet, näheres weiß man nicht”, sagte Kathrin Wittstadt, Spezialistin für Glascraquelé am ISC. Das Phänomen wurde auch schon an anderen Kirchenfenstern in Deutschland beobachtet, etwa an der Nürnberger Marthakirche, der Leipziger Peterskirche und am Konstanzer Münster. Deshalb erwarten die Fachleute, dass das Forschungsprojekt auch diesen Bauten zu Gute kommt.

Ziel des ISC-Projekts ist es, ein Material zu finden, das sich zur Restaurierung der Fenster eignet. „Dieses Material muss in die feinen Risse hineinpassen, es muss haften und es muss lange halten; es darf sich nicht aufgrund von Witterungseinflüssen ausdehnen oder zusammenziehen”, erklärte Wittstadt. Vorversuche mit anorganischen Materialien wie Wasserglas - einer Art gelöstem Glas - hätten vielversprechende Ergebnisse gebracht. Eine andere Möglichkeit könne sein, die Fenster mit Glasfaserfliesen großflächig zu stabilisieren. Die Methoden werden zunächst an Modellgläsern getestet, ehe sie bei den Originalen zum Einsatz kommen.

Die Hälfte der Projektkosten von 240.000 Euro trägt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die andere Hälfte übernehmen der Dombauverein und das ISC. „Wir haben einen langen Weg vor uns, aber wir sind guter Hoffnung, dass wir am Ende eine wirkungsvolle Konservierungsmethode entwickeln”, sagte Wittstadt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert