„Rip-Deal”: Betrügerbande geht am Aachener Klinikum in die Falle

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Vom idyllischen Kaisersesch im Schieferland zum Deutschen Eck nach Koblenz und von dort über die Betonwüsten der Pariser Vorstadt und Serbien bis in die Kaiserstadt nach Aachen.

Was sich anhört wie die Spielorte eines Fernsehkrimis, sind die Schauplätze eines tatsächlichen Polizeieinsatzes, der am vergangenen Freitag für einigermaßen großes Aufsehen im Umfeld des Aachener Uniklinikums gesorgt hatte.

Die federführende Staatsanwaltschaft Koblenz hat nun Einzelheiten zu diesem Einsatz bekanntgegeben, nachdem sich am Freitag alle beteiligten Stellen noch „aus ermittlungstaktischen Gründen” sehr bedeckt gehalten hatten (wir berichteten).

Demnach sind bei dem Großeinsatz insgesamt fünf Personen - eine 39-jährige Frau sowie vier Männer im Alter von 26 bis 34 Jahren - auf dem Gelände des Klinikums festgenommen worden. Alle stammen aus Serbien und wohnen in Vororten von Paris. Von dort hatte der 34-Jährige fingierte Kaufverhandlungen mit einem Immobilienverkäufer aus dem rheinland-pfälzischen Kaisersesch, das rund 45 Kilometer westlich von Koblenz im Schieferland liegt, geführt. Als der 34-Jährige während der Verhandlungen dem Immobilienverkäufer das Angebot unterbreitete, 450.000 Euro in 650.000 Schweizer Franken zu tauschen, wurde dieser misstrauisch und erstattete Strafanzeige.

Zum Schein ging er allerdings auf dieses - in Polizei- und Justizkreisen „Rip-Deal” genannte - Tauschgeschäft ein und einigte sich mit den vermeintlichen Kaufinteressenten auf das Gelände des Aachener Klinikums als Ort für die Geldübergabe. Als Termin vereinbarte man den 15. April.

Dort allerdings erschien nicht der Immobilienverkäufer am Klinikum sondern ein Polizeibeamter. Kurz vor der geplanten Geldübergabe schnappte die Falle schließlich zu, das Großaufgebot der zuständigen Kriminaldirektion Koblenz griff ein, überwältigte die Beschuldigten und nahm sie fest.

Tatsächlich hatten sie zu diesem Zeitpunkt nur 10.000 echte Schweizer Franken und jede Menge Spielgeld bei sich, die sie offenbar gegen die 450.000 Euro tauschen wollten. Folglich ging es für die Beschuldigten von Aachen aus nicht zurück nach Paris sondern zum Amtsgericht Koblenz, wo ein Amtsrichter die Untersuchungshaft anordnete. Wie die Staatsanwaltschaft in Koblenz mitteilt, haben drei Beschuldigte inzwischen ein Geständnis abgelegt, einer hat von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, während die Frau die Tat bestreitet.

Niemand wurde verletzt

Die beschuldigte 39-Jährige war es auch, die nach ihrer Festnahme über Kreislaufprobleme klagte. Sie sei deshalb einem Arzt vorgeführt worden, wie der Leitende Oberstaatsanwalt aus Koblenz, Dr. Horst Hund, auf Nachfrage der „Nachrichten” mitteilte. Es sei bei der Festnahme also niemand verletzt worden, stellte Dr. Hund klar, wie es noch am Freitag geheißen hatte.

Den Beschuldigten drohen nun wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs Freiheitsstrafen zwischen einem und zehn Jahren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert