Aachen - Riesenaufgabe Dom-Dokumentation: Was war wann in Arbeit?

Riesenaufgabe Dom-Dokumentation: Was war wann in Arbeit?

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Sanierung 2006-2012: Die prächtigen Mosaike im Innenraum des Aachener Doms stammen aus dem späten 19. Jahrhundert. In Millimeterarbeit wurden sie gereinigt und strahlen jetzt wieder in voller Schönheit.
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Sanierung: 1994-2000: Mit der Renovierung des Dachstuhls begannen die Arbeiten an der Chorhalle. Der Innenraum musste komplett eingerüstet werden, die 1000 Quadratmeter der Nachkriegsverglasung wurden demontiert.
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Immer wieder auf Leitern und Gerüsten unterwegs: Dombaumeister Helmut Maintz ist stets dort, wo seine Mitarbeiter der Dombauhütte arbeiten. Er hat einen guten Blick für „seinen“ Dom. Foto: Michael Jaspers
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Dompropst Hans Müllejans (rechts) hat die Aktion „Der Aachener Dom braucht Hilfe“ gegründet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In mehr als 1200 Jahren hat der Aachener Dom eine Menge durchgemacht, hat Krieg, Franzosenzeit, Aufruhr, Krönungen und Erdbeben erlebt. Regen, Sturm und Schnee, Sonne und Frost haben Spuren hinterlassen, Insekten entwickelten großen Appetit auf die mittelalterlichen Gehölze. Feuchtigkeit und Durchlüftungsprobleme, wie sie auch das 2015 in Angriff genommene Dach des Sechzehnecks zeigt, hatten zermürbende Fäulnis zur Folge.

Die Dachstühle wurden morsch, Dächer senkten sich ab. Der geschwächte Dachstuhl des Oktogons war durch die Schubkräfte des Baus gefährlich „verdreht“, der Ringanker völlig desolat.

Im Inneren des Baus fielen bunte Steinchen aus den prachtvollen Mosaiken zu Boden, und die edle Marmorverkleidung reagierte auf die Kohlensäure in der Luft mit Zermürbung. Nach 30 Jahren gilt die Sanierung des Aachener Doms als nahezu abgeschlossen, was allerdings nicht heißt, dass die Arbeit ruht, im Gegenteil. Der gefeierte Abschluss ist ein Neubeginn. Das Werk der Rettung muss bewahrt und vertieft werden. „Jetzt können wir ein paar andere Projekte in Angriff nehmen“, sagt Dombaumeister Helmut Maintz.

Alles wurde von ihm und seinem Vorgänger Hans-Karl Siebigs dokumentiert, Schritt für Schritt. Die Farbflächen der Dom-Grafiken zeigen an, was wann in Arbeit war. Dabei ging man von den Gewölben der Bischofsgruft bis in die höchsten Höhen von Chorhalle, Oktogon und Westturm. Die Laterne des Oktogons war 1987 ein erster spektakulärer Höhepunkt. Dabei war es gar nicht so selten, dass das Bauwerk selbst den Einsatzort bestimmte – wenn etwa unerwartet ein Stein aus der bis dahin noch recht unbedenklich erschienen Nordfassade der Chorhalle polterte, Schäden bei näherer Untersuchung beunruhigender waren, als zunächst gedacht.

Überraschungen waren an der Tagesordnung. So wurde bei Sturm eine Fiale am Treppentürmchen der Chorhalle umgeweht. Der Bereich wurde sofort eingerüstet. Häufig mussten sich die Mitarbeiter der Dombauhütte etwas einfallen lassen, um ihre Arbeit zu schaffen – etwa beim Dachstuhl der Chorhalle. Wie sollte man die mächtigen Balken über schmale Aufgänge in diesen Raum schaffen? Man nutzte die kleinen Fensterchen, zog die Balken an der Außenmauer hoch und schob sie vorsichtig in den Raum, in dem sie verbaut werden sollten.

Inzwischen kann sich die Dombauhütte auch kleinen, bisher unspektakulären Fehlstellen im Fugennetz, an Steinen, Bleirinnen und im Bereich der Schiefereindeckung widmen, die man zwar erkannt, aber noch nicht in Angriff genommen hat. „Ein Schritt vor dem Schaden“ lautet nun das Motto.

Maintz steht zu seinen Entscheidungen – etwa zum Verzicht darauf, ersetzte Steine aus Herzogenrather Sandstein in der Fassade farblich anzupassen. „Für uns sind die Kennwerte entscheidend, etwa die Druckfestigkeit oder die Qualität der Wasseraufnahme, alle Steine müssen annähernd gleiche Eigenschaften haben, sonst geht das Mauerwerk kaputt. Nachdunkeln werden sie von selbst.“

Wie geht es weiter? Ein großes Projekt wird im Inneren des Doms in Angriff genommen – die Beleuchtung. Dem muss ein intensives Nachdenken vorausgehen: Was ist möglich, ohne die Stimmung im mittelalterlichen Bau zu verändern? Wie sollte die Beleuchtung bei der Liturgie sein – bei den täglichen Gottesdiensten, an den Sonntagen und bei den Hochfesten? Und welches Licht brauchen die Reinigungskräfte, um in alle Ecken des Doms zu schauen? „Wir müssen sehr behutsam vorgehen“, betont Maintz. Auch die Taufkapelle und die Kreuzgänge, bei denen die Dacheindeckungen von den Experten unter die Lupe genommen werden, sind nun an der Reihe. Es geht weiter.

Mehr infos auf www.aachenerdom.de.

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