Rheinauhafen: Ein komplett neues Stadtviertel

Von: Daniela Lukaßen
Letzte Aktualisierung:
6460618.jpg
Kölns neue Flaniermeile: Das neue Viertel am Rheinauhafen wird geprägt von den drei sogenannten „Kranhäusern“. Ein bisschen mehr Leben wünschen sich die Anwohner aber schon noch. Foto: Lukaßen

Köln. Rund eine halbe Stunde braucht man vom einen Ende des Rheinauhafens bis zum anderen. Eine halbe Stunde, in der man genug Zeit hat, gemütlich am Schokoladenmuseum vorbeizuschlendern, den Kindern zuzuschauen, die oben auf dem Dach-Sportplatz des Sport- und Olympiamuseums Fußball spielen, einen Blick auf die Kunstwerke in den Galerien zu erhaschen und schließlich auf einer Bank in der Nähe der Südbrücke Platz zu nehmen.

Vor mehr als zehn Jahren begannen einige Kilometer südlich des Doms die Bauarbeiten zu einem neuen Viertel. Voraussichtlich im Dezember dieses Jahres werden sie abgeschlossen sein. „Wenn wir fertig sind, gibt es 700 Wohneinheiten, und 2000 Menschen werden dann im Rheinauhafen arbeiten“, erklärt Franz-Xaver Corneth, Geschäftsführer der Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft RVG.

Kunst, Kultur, Gastronomie, Gewerbe, Wohnen – schon jetzt ist der Rheinauhafen ein kleines Viertel oder „Veedel“, wie die Kölner sagen. Ein Veedel, das mit Veranstaltungen wie dem Sommerkino, dem Antik- und Design-Markt und dem „50er-bis-70er-Jahre-Festival“ auch Besucher aus anderen Stadtteilen anlockt.

Aber der Rheinauhafen ist auch ein Viertel, das an einigen Stellen noch zusammenwachsen muss. „Es ist schon ein toller Standort“, sagt eine Mitarbeiterin der Galerie Holtmann, die als eine der Ersten damals ihre Räume direkt am Rhein bezog. „Aber die Infrastruktur muss noch mehr wachsen. Dazu gehört auch das Veedelsgefühl“, sagt sie und fügt hinzu: „Doch die Atmosphäre durch die Nähe zum Fluss ist wirklich schön und einzigartig.“

Ein Punkt, den auch Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von Youngblood Europe betont. Das Unternehmen hat gerade mit einer Galerie die neuen Räume direkt am Rhein bezogen. „Youngblood Africa Europe, die eine Plattform für bisher unbekannte Künstler bietet, hat nach dem Dreh- und Angelpunkt der europäischen Kunstszene gesucht und diesen in Köln gefunden“, sagt Fischer. „Die Entscheidung zugunsten des Rheinauhafens war schnell getroffen, da die Lage am Rhein, die perfekte Infrastruktur und die Kombination aus historischer und moderner Architektur den idealen Standort für eine Galerie mit Youngbloods internationaler und vielfältiger Kunst bietet.“

Diese besondere Atmosphäre ist es auch, die Annuska Swagemakers, Mitarbeiterin der Firma Gooran, besonders schätzt. Sie arbeitet in der Lagerhalle 11 des alten Zollhauses. „Das Ambiente ist einzigartig“, findet sie und deutet auf die historischen Gewölbe. Draußen vor der Tür erinnert ein Kran aus dem Jahr 1936 an die Zeit, als die Halle noch als Lagerplatz genutzt wurde.

Von dieser Mischung aus Modernem und Historischem ist auch das holländische Pärchen begeistert, das zu Besuch in Köln ist und das schöne Wetter für einen Spaziergang nutzt. „Es ist toll, wie die alten Gebäude genutzt werden“, finden die beiden. Besonders begeistert sind sie auch von dem denkmalgeschützten Getreidespeicher Silo 23, in dem heute Büros und ein Restaurant zu finden sind. „Und hier ist es schön ruhig“, findet das Pärchen.

Bis auf ein paar Jogger und eine Schulklasse, die sich auf dem Weg zum Schokoladenmuseum befindet, ist es fast menschenleer an diesem Vormittag. Hin und wieder treten Mitarbeiter aus den Büros ins Freie, um eine Zigarette zu rauchen. In einem Café sitzt eine Touristin mit Stadtplan und Kamera ausgerüstet und trinkt einen Kaffee auf der Terrasse.

„Das Ambiente ist hervorragend“, findet der Mitarbeiter eines Geschäftes aus dem Einrichtungsbereich. „Aber es muss noch ein bisschen etwas passieren. Mehr Grün wäre schön“, sagt er. „Außerdem sind die Menschen in Köln einfach ein anderes Veedelsgefühl gewöhnt. Man muss sie an den Rheinauhafen langsam ranführen. Das Veedel hier muss halt noch ein bisschen wachsen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert