„Rhein Ruhr Olympic City“: Eine Bewerbung ohne Bürgerbefragung?

Von: Olaf Kupfer
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Träumen von Olympia in NRW: Ministerpräsident Armin Laschet (l.) und Vermarkter Michael Mronz. Foto: dpa

Düsseldorf. Die letzte Enttäuschung sitzt nachhaltig in den Knochen. Michael Vesper, Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), gesteht das bei jeder Gelegenheit freimütig. Hamburgs potenzielle Olympia-Bewerbung für 2024 – das war das Kind des DOSB, von Vesper, von Präsident Alfons Hörmann, auch von Bernhard Schwank, dem damaligen Vorsitzenden der Bewerbungsgesellschaft, der danach frustriert ins NRW-Familienministerium abwanderte.

Aber die Bürger waren gegen das Sportfest innerhalb von zehn Kilometern ums Olympische Dorf. 47 Prozent Zustimmung beim Entscheid, zu wenig. „Das schmerzt immer noch“, sagte Vesper.

„Mit diesen Befragungen“, befand am Freitag DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch, der in NRW Präsident des Landessportbundes ist, „hat uns Thomas Bach keinen Gefallen getan.“ Bach, der heutige Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hatte als DOSB-Präsident einst für die direkte Bürgerbefragung geworben. Seither ist in Deutschland kaum noch ein Großsportereignis durchzusetzen. Schneeloch hat eine andere Haltung: Die Bürgermeister, die am Freitag in der Düsseldorfer Staatskanzlei allesamt Begeisterung für die Idee „Rhein Ruhr Olympic City“ demonstrierten, seien ja „demokratisch gewählt“. Da brauche es keine Umfragen mehr in der Bevölkerung.

Fleißarbeit von Michael Mronz

Wird NRW, die Region Rhein-Ruhr also, bald im Schnellverfahren zum deutschen Kandidaten für 2032? Mitnichten. Beim Ministerpräsidenten Armin Laschet ist die Begeisterung aber schon jetzt groß. „Ich war sogleich Feuer und Flamme. Es wäre für unser Land ein riesen Schub“, sagte Laschet am Freitag. Klar ist aber auch: Der Vorstoß von Sportmanager Michael Mronz ist bislang noch ein Vorstoß aus eigenen Kräften, „aus der Mitte der Gesellschaft“, wie er es formuliert, abgesichert durch Sponsoren. Mronz versichert: „Steuergelder spielen bislang keine Rolle.“ Am Ende werden weder Mronz noch die Landesregierung eine Bewerbung abgeben. Nominieren kann nur das Nationale Olympische Komitee zusammen mit einer deutschen Stadt. Ein solche Stadt als „Kopf“ der Region-Bewerbung aus NRW ist bislang noch nicht gefunden.

Wer die Stimmung im DOSB kennt, der weiß, dass die Fleißarbeit zwar durchaus beeindruckend ist, aber auch kritisch beäugt wird. Nach dem Hamburger Olympia-Aus hatte Präsident Hörmann im Dezember 2015 frustriert erklärt, Deutschland werde sich im nächsten Jahrzehnt nicht mehr um Olympische Spiele bewerben. Mit der Rhein-Ruhr-Bewerbung passt das nicht überein: Man würde sehr viel früher ins Rennen gehen, schon 2025 müsste das IOC die Vergabe für 2032 entscheiden. Bis 2021 müsste man mit dem DOSB auf eine fixe Vereinbarung kommen. „Grundsätzlich freuen wir uns natürlich, wenn die olympische Idee hochgehalten wird. Aber für konkrete Pläne ist es sehr früh“, sagte Vesper am Freitag unserer Zeitung.

Das Konzept entspreche zwar genau den Vorgaben des IOC, fast nur noch auf bestehende Sportstätten zu setzen. „Aber dadurch ist es eben auch nicht sehr kompakt, anders als in Hamburg“, sagte Vesper. Festlegen will sich der DOSB noch lange nicht. Man plant nicht mehr, man lässt bestenfalls planen. Klar sei, so Vizepräsident Schneeloch, dass sich Deutschland „keine vierte Niederlage in Folge“ im Bewerbungsverfahren erlauben könne. Zuletzt wurden sogar sechs Bewerbungen in den Sand gesetzt: Berchtesgarden (Winter 1992), Berlin (Sommer 2000), Leipzig (Sommer 2012), München (Winter 2018 und 2022) und Hamburg (Sommer 2024).

All das ist Mronz bewusst. Trotzdem sieht er sich mit seinem Zwischenstand weit vorn: Mehr als 80 Prozent der Sportstätten seien vorhanden, 16 Stadien mit einer Kapazität von mehr als 30.000 Zuschauerplätzen, 24 Großsporthallen, 704.000 Quadratmeter Messefläche und 147.000 Hotelbetten seien ein Pfund, mit dem die Region wuchern soll.

Berlin als möglicher Konkurrent

Berlin könnte ein möglicher Konkurrent sein für die Rhein-Ruhr-Region: „Auch die Hauptstadt wird immer ein Thema bleiben, vor allem wenn man über die Spiele 2036 spricht, 100 Jahre nach Olympia in Berlin 1936“, sagte Vesper, der im Dezember von der Kölner Sportwissenschaftlerin Veronika Rücker (47) beerbt wird. 2036 – vielleicht wird das notwendig, wenn 2028 Paris als europäische Stadt zum Zuge käme. Zweimal nacheinander in Europa – das ist eher unwahrscheinlich.

Es wird noch viel Lobby-Arbeit brauchen für die Rhein-Ruhr-Region, auch in Deutschland. Auch von ersten positiven Umfragewerten in NRW lässt sich Vesper nicht blenden. Er wolle nichts schlecht reden, aber: „In Hamburg hatten in den Umfragen teilweise 70 Prozent für Olympia gestimmt, beim Referendum waren es nur 48.“

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