Rettungshubschrauber mit neuem Zuhause

Von: Udo Kals
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Häufig in der Luft: Der Rettun
Häufig in der Luft: Der Rettungshubschrauber „Christoph Europa 1”, hier vor der neuen Rettungsstation (links) samt Hangar auf dem Flugplatz Würselen-Merzbrück, ist in diesem jahr bereits zu rund 1500 Einsätzen abgehoben. Foto: Ralf Roeger

Würselen. Auch dieser Arbeitstag vergeht für Dirk Rosenbohm wieder einmal wie im Flug. Gerade erst ist der Notarzt mit „Christoph Europa 1” von einem Einsatz in Herzogenrath eingeschwebt, da muss er seinen Schreibtisch in der neuen Rettungsstation schon wieder verlassen.

Es ist gerade zwölf Uhr mittags - und das Team des ADAC-Hubschraubers mit dem Piloten Carsten Zillgen und dem Rettungsassistenten Frederic Sapin wird bereits zum sechsten Mal an diesem Tag alarmiert.

Im Sommer, sagt Stationsleiter Horst Dorr, geht der Hubschrauber manchmal mehr als ein Dutzendmal pro Tag in die Luft. Zeit, sich an das neue Arbeitsumfeld zu gewöhnen, fehlt da noch. Und die wäre wichtig. Denn: „Wir sind gewisse Abläufe gewohnt. Die müssen wir jetzt neu erlernen. Aber das ist kein großes Problem”, sagt Notarzt Rosenbohm. Und bevor er zur Landeplattform sprintet, fügt er an: „Schließlich sind wir froh, endlich aus der alten Station raus zu sein.”

Am 1. März 1998 hatten die ADAC-Mitarbeiter das als provisorisches Domizil gedachte Gebäude am Rande des Flugplatz-Areals Würselen-Merzbrück bezogen. In der vagen Hoffnung, schon bald eine neue Bleibe zu beziehen. Aus einer Notunterkunft wurde ein Dauerzustand. Doch nach fast 13 Jahren ist es seit kurzem soweit. Rund 21 Monate nach dem ersten Spatenstich im November 2008 sind die Luftretter Anfang August von der Barracke in das nur wenige Meter entfernte neue Gebäude gezogen, das die ADAC-Luftrettungs- GmbH für rund zwei Millionen Euro hochgezogen hat und am morgigen Freitag offiziell eingeweiht wird.

„Wir haben das Gebäude über Monate hinweg wachsen sehen. Das Gefühl, in der neuen Station jetzt arbeiten zu können, ist schon toll. Das ist ein enormer Fortschritt und eine große Motivation für das ganze Team”, sagt Dorr. Die mehr als 300 Quadratmeter große Station ist mit knallgelben Platten verkleidet, der rund 360 Quadratmeter großer Hangar für den Hubschrauber schließt sich direkt an - eine eigene Tankstelle mit einem 50.000-Liter-Tank inklusive.

Natürlich gibt es noch Mängel - fein säuberlich sind die Punkte mit rotem Filzstift auf der Tafel im Wach-Einsatzraum aufgeführt. Und Stationsleiter Dorr, der blaue Abreißtücher aus Papier als Sonnenschutz an die Fenster geklebt hat, weil die Jalousien noch nicht eingetroffen sind, findet diese Liste schon lang. Die Kleinigkeiten summieren sich. Aber, sagt er: „Das ist nichts verglichen mit der Unterkunft, in der wir fast 13 Jahre lange gearbeitet haben.” Die Freude überwiege bei weitem.

„Es ist ein gewaltiger Unterschied zu dem, was wir bisher hatten”, sagt auch Dirk Buchholz, der bei der ADAC-Luftrettung für NRW zuständig ist: „Das ist das Modernste, was wir haben.” Und damit meint er nicht nur die neueste Technik im Einsatzraum, sondern auch den großzügigen Hangar. Jeden Abend wird „Christoph Europa 1” auf einem Schlitten in die beheizbare Halle gezogen, die taghell erleuchtet werden kann, um den Hubschrauber zu warten. „Alle 50 Flugstunden steht eine Inspektion an, die vor Ort über Nacht gemacht werden kann”, sagt Buchholz.

Einsatzbereit ist der Hubschrauber rappzapp, auch wenn dieser im Hangar geparkt ist. „Bei einem Alarm ist der Schlitten in einer Minute und 38 Sekunden herausgefahren und der Hubschrauber kann starten”, sagt Dorr, der noch einige andere Aspekte an der „neuen Station der kurzen Wege” schätzt. Etwa das großzügige Ambiente mit Aufenthalts-, Ruhe- und Besprechungsräumen sowie funktionale Lagermöglichkeiten für die Medizintechnik und angemessene Desinfektionsmöglichkeiten. „Das ist einfach angenehm. Wir haben nicht nur eine bessere Infrastruktur, sondern auch viel mehr Platz als zuvor. Das ist wichtig, weil wir im Sommer 15 bis 16 Stunden zusammen arbeiten. Da muss man sich auch einmal zurückziehen können.”

Doch so ganz angekommen seien sie noch nicht. Noch riecht es neu, viele Wände sind kahl. Aber das werde sich bald legen, meint Dorr: „Das braucht seine Zeit.” Die hatten Rosenbohm und Kollegen an diesem Arbeitstag indes wieder einmal nicht. Noch dreimal ging „Christoph Europa 1” in die Luft, bevor das Team nach Sonnenuntergang und insgesamt neun Einsätzen die neue Station verlässt. Ein Arbeitstag, der wieder einmal wie im Flug verging.
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