Aachen - Rettung für digitales Kultur-Flaggschiff?

Rettung für digitales Kultur-Flaggschiff?

Von: Angela Delonge
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Aachen. Netzwerke sind die Kommunikationsbörsen unserer Zeit. Neben den bekannten sozialen Netzwerken gibt es viele, viele andere – vor allem auch solche, die sich in speziellen Branchen tummeln, zum Beispiel im Kultur-Business. Der Kulturserver NRW ist eines dieser Netzwerke, ein Portal der ersten Stunde. Gemeinnützig und kostenlos.

 2001 vom Aachener Wolfgang Knauff gegründet, punktet das Internetportal mit Standorten in Aachen und Berlin mit einem einzigartigen Angebot: Es bietet eine Art Infrastruktur für alle, die in Kultur machen. „Bei uns können beliebig viele virtuelle Inseln aus dem kulturellen Ozean Nordrhein-Westfalens andocken“, sagt Geschäftsführer Knauff. Gemeint sind Künstler, Theater, Städte, Vereine, Projektgruppen, Musikschulen und so weiter, und so weiter.

Seit 2001 mit 100 000 Euro pro Jahr vom Land NRW gefördert, konnte die gemeinnützige GmbH sieben Jahre lang wachsen und sich weiterentwickeln. Seit 2008 hat aber das Land die Förderung komplett eingestellt – zugunsten einer neuen Internetseite. „Obwohl man uns das Geld weggenommen hat, haben wir überlebt,“ sagt Wolfgang Knauff nicht ohne Stolz. Über fünf Jahre konnte das Internet-Angebot weiter aufrechterhalten werden.

Auf der Seite finden sich Zwei, die einander dringend brauchen: die Kulturschaffenden und ihr Publikum. Die Kreativen finden beim Kulturserver nicht nur Heimat und Darstellungsmöglichkeit sondern auch das für sie besonders wichtige Instrument der Informationsweitergabe. Mithilfe eines tagesaktuellen Kalenders findet hier jeder kinderleicht jede erdenkliche kulturelle Veranstaltung in NRW, und zwar punkt- und tagesgenau inklusive Ticketbestellung.

Grundlage für diesen Datenfluss ist die von Wolfgang Knauff Ende der 90er Jahre entwickelte Datenbank „Culturebase“. Ein Software-Schätzchen, das ziemlich in die Jahre gekommen ist, aber laut Knauff immer noch „besser als alles, was es gibt.“ Der Erfolg des Kulturportals über mehr als zehn Jahre hat dieser Einschätzung Recht gegeben.

Doch jetzt läuft das Flaggschiff im Kultur-Ozean Nordrhein-Westfalens auf Grund. Die Datenbank Culturebase muss weiterentwickelt, das System ausgebaut und technisch erneuert werden. „Auf dem jetzigen Stand können wir nur noch den Status quo beibehalten. Im Internet bedeutet das ein Sterben auf Raten“, sagt Knauff.

Man müsse sich neu aufstellen, fügt er hinzu, nicht ohne selbstkritische Fragen: „Woran liegt es, dass wir nicht aus eigener Kraft über die Wasserkante hinausgekommen sind?“ „Müssen wir tatsächlich alle unsere Angebote beibehalten?“

Bei der Bitte um Unterstützung durch die Nutzer zeigte sich schnell, dass alle das Angebot des Kulturservers für unverzichtbar halten. Einige der großen Kunden wie die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf, Theater und Philharmonie Essen und Theater Aachen sind bereit, für die Netzwerkstruktur im Rahmen eines neuen „Culturebase-Maintenance-Vertrags“ Beiträge zwischen zwölf und 85 Euro pro Monat je nach Größe der Einrichtung zu zahlen.

Und sogar der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags NRW, Karl Schultheis (SPD), macht sich für den Kulturserver stark, lud im Mai zahlreiche Vertreter nordrhein-westfälischer Kultureinrichtungen zu einem Meinungsaustausch in den Landtag ein. Dessen Ergebnis war die sogenannte Düsseldorfer Erklärung mit der eindeutigen Aussage: „ Wir wollen, dass dieses einmalige und wertvolle Netzwerk finanziell abgesichert für die Kultur im Lande arbeiten kann.“ Alle Beteiligten erklären sich zu einem „regelmäßigen eigenen finanziellen Engagement“ bereit, das die Konsolidierung und Weiterentwicklung der Culturebase gewährleisten soll.

Michael Schmitz-Aufterbeck, Generalintendant des Theaters Aachen und Vorsitzender der ständigen Konferenz der Intendanten in NRW, forderte seine Kollegen auf: „Unsere Theater, die mit einer großen Veranstaltungszahl in der Datenbank vertreten sind, sollten sich möglichst als ,große Einrichtung’ verstehen und mit einem monatlichen Beitrag von 85 Euro in den Vertag einsteigen.“

Die Politik wurde aufgefordert, das Projekt Culturebase wieder in den „Förderkorridor“ aufzunehmen“. Dafür hat das Ministerium jetzt grünes Licht gegeben, der Förderantrag ist gestellt. Sollte damit tatsächlich eine gesicherte Finanzierung auf den Weg gebracht werden können, wäre der Kulturserver NRW gerettet.

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