Aachen - Ressorts in der Küche vereint: Die Anfangsjahre der „AVZ”

Ressorts in der Küche vereint: Die Anfangsjahre der „AVZ”

Von: Wilhelm Peters
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Die Gründungsgesellschafter Dr. Josef Hofmann (von links), Jakob Schmitz, Johannes Ernst und (rechts) Dr. Albert Maas mit Bischof Johannes Josef Van der Velde 1951 bei der Einweihung des Hauses Theaterstraße 70.

Aachen. Es war eine böse Erfahrung mit den Nationalsozialisten, die Jakob Schmitz 1945 zunächst veranlasste, die Mitwirkung am Aufbau eines Zeitungsverlages in Aachen abzulehnen. Am 31. Mai 1941 hatten Hitlers Schergen die Aachener Tageszeitung „Der Volksfreund” verboten, deren Verlagsleiter Jakob Schmitz war.

Bereits 1938 hatte er, wohl ahnend, was die Nazis beabsichtigten, das Unternehmen von der reinen Zeitungsherstellung um die Fertigung von Akzidenzdrucksachen erweitert, was dem Betrieb auch nach dem 31. Mai 1941 ein bescheidenes Auskommen ermöglichte.

Jakob Schmitz kaufte das Unternehmen am 1. Januar 1943, doch Haus und Grundstück des „Volksfreund” an der Adalbertstraße 55 lagen nach den Luftangriffen in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1943 in Schutt und Asche, zerstörten die Existenzgrundlage der Beschäftigten. Nach Rückkehr aus der zwangsweise erwirkten Evakuierung der Stadt Aachen im September 1944 fand Schmitz 1945 eine Heimat in Trümmern vor, in der sich dennoch neues Leben regte.

Die Gründung eines Verlages nahm schnell konkrete Formen an. Jakob Schmitz änderte seine Meinung und übernahm die Leitung des Unternehmens, dessen Mitbegründer neben Schmitz Dr. Albert Maas, Johannes Ernst und Dr. Josef Hofmann waren.

„Schutt, Trümmer und ausgebrannte Maschinen als Hinterlassenschaft des schrecklichsten aller Kriege waren damals alles, was wir wiederfanden”, schrieb der kürzlich 82-jährig verstorbene Sohn von Jakob Schmitz, Karlheinz Schmitz, in seinen Erinnerungen. Karlheinz Schmitz übernahm nach dem Tod seines Vaters 1960 die Verlagsleitung, wurde 1964 (bis 1994) zudem geschäftsführender Gesellschafter und prägte die Entwicklung des Hauses (Zeitungsverlag Aachen/Aachener Verlagsgesellschaft) maßgeblich und sehr erfolgreich.

Mit der von der britischen Militärregierung erteilten Lizenz-Nr. 8 erschien am 6. März 1946 die vierte AVZ als erste offizielle Ausgabe der Aachener Volkszeitung, nachdem zuvor ab dem 22. Februar (1. Jahrgang, Nr. 1) bereits drei Nummern herausgegeben worden waren. Im Geka-Haus an der Adalbertstraße (heute steht dort der Kaufhof) fanden Redaktion, kaufmännische Abteilungen und Technik gemeinsam mit der Technik der bereits lizenzierten Aachener Nachrichten (Lizenz-Nr. 1) eine mehr oder weniger ausreichende Unterkunft. Acht Zimmer dort dienten der AVZ als Firmenräume, die jedoch zunächst instand gesetzt werden mussten.

So arbeitete die Redaktion mit allen Ressorts zunächst in der Küche. „Geschrieben wurde, indem man die Manuskripte gegen die glatte Wandfläche der Küche hielt oder sich zur Fensterbank hinunterbeugte. In dieser Küche waren alle Ressorts vereint”, heißt es in einer Broschüre aus jenen Jahren. Vom zunächst zweimal wöchentlichen Erscheinen auf drei Ausgaben pro Woche ging die AVZ am 21. Juni 1948 über, ehe sie ab dem 1. September 1949 täglich erschien.

Bald kaufte das Unternehmen, das sich „Aachener Volkszeitung, Schmitz, Maas, Hofmann & Co.” nannte, die durch Bomben zerstörten Grundstücke Theaterstraße 70-74 und Horngasse 1-1a, wo zwischen 1949 und 1951 ein neues Verlagshaus entstand. 1957 folgte die Anschaffung einer neuen, über 13 Meter langen Druckmaschine, die in den inzwischen fertiggstellten Erweiterungsbauten für die Technik an der Horngasse ihren Platz fand. Die Erfolgsgeschichte des Medienunternehmens nahm ihren Lauf...

Dieser Bericht stammt aus unserer umfangreichen Sonderbeilage zum 65. Geburtstag der Aachener Zeitung. Sie liegt am Dienstag, 1. März, unserer Druckausgabe bei.
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