Rentenerhöhung? Das gilt nicht für alle Ruheständler!

Von: Joachim Zinsen
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Wie bundesweit rund eine Million Ruheständler geht Edmund Ostlender bei Rentenerhöhungen leer aus. Foto: Andreas Herrmann

Aachen/Berlin. Was ihm in die linke Tasche hineingesteckt wird, wird ihm aus der rechten Tasche postwendend wieder herausgenommen. Edmund Ostlender kennt dieses Prinzip bei der Auszahlung seiner Altersbezüge seit Jahren. Während sich andere Rentner über jede noch so kleine Erhöhungen ihres Ruhegeldes freuen können, geht der 84-Jährige regelmäßig leer aus.

Der Aachener ist schon seit Jahrzehnten erwerbsunfähig. „Drei Bandscheibenvorfälle und eine schwere Krebserkrankung haben mich gezwungen, meinen Beruf früh aufzugeben“, sagt der Friseurmeister, der lange einen eigenen Salon betrieben hat.

Entsprechend gering ist die Summe, die er monatlich aus der gesetzlichen Rentenkasse ausgezahlt bekommt. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung sind es gerade einmal etwas mehr als 700 Euro. Deshalb erhält Ostlender Grundsicherung. Dadurch steigen seine monatlichen Gesamtbezüge auf knapp über 1000 Euro.

Sozialverband fordert Freibetrag

Dass er mit dem Geld keine großen Sprünge machen kann, damit hat sich Ostlender abgefunden. Was ihn ärgert, ist etwas anderes. „Ich muss seit Jahren mit der gleichen Summe auskommen“, klagt der Alleinstehende. „Jede Rentenerhöhung geht an mir vorbei. Denn der gleiche Betrag, den ich zusätzlich von der Rentenanstalt überwiesen bekomme, wird mir von meiner Grundsicherung direkt wieder abgezogen.“ Allein seit der letzten Rentenerhöhung schlage das für ihn monatlich mit 17 Euro negativ zu Buche.

Ostlender weiß, dass die Verrechnung jeder Rentenerhöhung mit seiner Grundsicherung nach geltendem Recht geschieht. Trotzdem sieht er sich und andere Kleinrentner unfair behandelt. „Die Preise steigen, deshalb sind gerade wir auf jeden Cent angewiesen“, sagt Ostlender und schimpft auf „die in Berlin“, die keine Ahnung hätten, wie schwierig es sei, mit einer geringen Rente halbwegs anständig zu leben.

Ostlender ist kein Einzelfall. Nach Angaben des Sozialverbandes VdK Deutschland bezogen im März 2017 bundesweit etwas mehr als eine Millionen Personen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Zwar hat die Große Koalition eben erst beschlossen, dass künftig die private oder betriebliche Altersvorsorge in Teilen nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet wird. Das gilt allerdings weiterhin nicht für die gesetzliche Rente.

„Unhaltbarer Zustand“

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes, sieht darin einen unhaltbaren Zustand. „Es muss für Grundsicherungsbezieher endlich auch einen Freibetrag von 200 Euro für Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung geben“, betont sie gegenüber unserer Zeitung. Denn es müsse der Grundsatz gelten: Wer in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll von seinen Beiträgen auch profitieren.

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