Aachen - Reit-EM: Zwei Öcher Jonge kommen aufs Pferd

Reit-EM: Zwei Öcher Jonge kommen aufs Pferd

Von: Thomas Thelen
Letzte Aktualisierung:
Reit EM
Die Ruhe vor dem Ansturm: Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen (oben), und Uwe Brandt, Intendant des Aachener Grenzlandtheaters, auf der offenen NetAachen-Tribüne im Springstadion in der Soers. Foto: Michael Jaspers
Reit EM
Kennen sich seit der gemeinsamen Schulzeit auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium in Aachen: Bernd Büttgens (l.) und Uwe Brandt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als Uwe Brandt den heiligen Rasen im Springstadion betritt, gehen für einen Moment die Pferde mit ihm durch. „Jetzt einen Ball am Fuß, Kurzpass, Doppelpass...“ Lange hängt er dem reizvollen Gedanken nicht nach, denn das Thema, über das es zu sprechen gilt, ist ein ganz anderes.

Brandt, im Hauptberuf Intendant des Grenzlandtheaters Aachen, ist verantwortlich für die Inszenierung der Eröffnungsfeier, mit der am kommenden Dienstag die Reit-Europameisterschaften in der Soers beginnen. „Wir wollen von der ersten Sekunde an die Besucher mit ins Boot holen und die EM neu erlebbar machen“, sagt der 49-Jährige. Er wird die Show vom Richterturm aus verfolgen.

Ihm zur Seite sitzen wird sein Freund und langjähriger Wegbegleiter Bernd Büttgens (49), Sprecher der Stadt Aachen. Die beiden, die unter anderem die Liebe zur Alemannia und zum Theater vereint, kennen sich seit der gemeinsamen Schulzeit am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Aachen.

Als Kreativ-Duo haben sie sich längst einen Namen gemacht, unzählige Veranstaltungen haben sie vor und hinter der Bühne auf die Beine gestellt – legendär ihre Auftritte als Willi Hermanns und Heinz Grosjean, zwei gestandene Männer aus dem Öcher Leben. Büttgens wird am Dienstag ab 20 Uhr ebenfalls im Richterturm sitzen und als Stadionsprecher die Inszenierung begleiten.

Dass Ihrer beider Herzen für den Fußball und die Alemannia schlagen, ist bekannt. Aber dass Sie sich neuerdings auch stark für Pferde interessieren, überrascht doch eher.

Brandt: Ich bin schon als Junge in die Soers gekommen und habe nur die allerbesten Erinnerungen. Beispielsweise daran, dass wir beim Großen Preis von Aachen auf den Sieger gewettet haben. Gewonnen habe ich aber eher selten. Das mit dem Wetten habe ich bis heute beibehalten. Bei Ludger Beerbaum und Ratina Z lag ich übrigens richtig.

Büttgens: Der CHIO war auch in unserer Familie eine beliebte Pflichtveranstaltung. Mir kommen die Picknicke auf der Familienwiese in den Sinn. Und der Große Preis von Aachen war und ist immer so was wie das Endspiel bei einer Fußball-WM. Also annähernd.

Eröffnungsfeiern – ob bei einer Reit-EM oder bei anderen sportlichen Großereignissen – haben es durchaus in sich, sind nicht ganz leicht umzusetzen. Was haben Sie sich einfallen lassen?

Brandt: Alle Welt redet immer davon, dass Aachen das beste Reitturnier der Welt habe. Ich würde das unterschreiben! Aber was macht Aachen so besonders? Es ist das, was zwischen dem Publikum und den Akteuren, den Sportlern, Funktionären und Trainern passiert – das gibt es nur in Aachen. Dieses besondere Verhältnis wollen wir schon bei der Eröffnung unterstreichen. Ich freue mich sehr, mit dem großartigen ALRV-Team gemeinsam diese Aufgabe angehen zu dürfen.

Seit Ihren Kindheitstagen hat sich das Turnier, dieser Ort, extrem verändert. Sie betonen gerne und immer wieder Ihre Liebe zu dieser Stadt. Wie viel Aachen steckt denn heute noch in diesem professionellen Großereignis von Weltrang?

Büttgens: Sehr viel. Die Entwicklung im Marketing, der Infrastruktur und der gesamte Auftritt müssen finanziert werden. Wir haben es hier schließlich mit einer Sportveranstaltung auf allerhöchstem Niveau zu tun! Trotzdem ist es weiter das Turnier der Aachener, sie kommen her und sind stolz darauf. Das Aachener Flair ist unverkennbar.
Brandt: Mit Sicherheit gibt es auch in Aachen Leute, die sagen, „das ist nichts für mich“, aber die Welt ist bunt und ich bekomme seit knapp einem Jahr hautnah mit, wie sehr man beim ALRV die Gäste und das Publikum im Auge hat. Bei meinem Job ist ja eher die Frage: Wie bekommen wir es hin, dass das breite Publikum unterhalten werden kann? Unabhängig von Marketing und all diesen Dingen: Die Menschen, die in die Soers kommen, sind einfach jeck nach dem Event.

Das ist ein gutes Stichwort: Wie verrückt muss man eigentlich sein, sich als Theaterintendant, der alles bis ins Detail planen kann, auf Pferde einzulassen? Mit Ihren Darstellern können Sie über Ihre Ideen und Vorstellungen reden. Bei Pferden dürfte das vergleichsweise schwierig sein.

Brandt: Ich habe ja schon vieles gemacht, aber Pferde hatte ich bisher nicht im Ensemble. Die ALRV-Experten haben mir aber natürlich gesagt, wo es Grenzen gibt. Ich hoffe einfach, dass die Pferde bei der Show gut mitmachen. Alles ist akribisch vorbereitet und durchdacht. Mehr kann ich nicht tun.

Sie beide gelten als Perfektionisten. Wie hat man sich das vorzustellen, wenn Sie kreativ sind? Wie sind die Rollen verteilt?

Brandt: Wir sind beide Menschen, die fast nie sagen „es reicht uns jetzt!“ Wir sind fast schon krankhafte Perfektionisten, was wieder­um auch toll ist. Wir zweifeln beide häufig Details an und drehen auch an den kleinen Schräubchen, um ein Projekt zu verbessern.

Büttgens: Wenn wir länger nichts mehr zusammen auf die Beine gestellt haben, beschleicht uns das Gefühl, irgendetwas Tolles und Neues zusammen veranstalten zu müssen. Es macht uns einfach Spaß – und den Leuten meistens auch. Das ist die eigentliche Motivation.

Am Dienstag sitzen Sie dann nebeneinander im Richterturm und blicken auf 40.000 Menschen. Ganz zu schweigen von den Zuschauern vor dem Fernseher. Was macht der aktuelle Ruhepuls?

Büttgens: Der ist noch im grünen Bereich. Aber klar: Dass Uwe den Auftrag bekommt, eine solche Show zu inszenieren und ich auf dem Stuhl sitzen darf, auf dem schon  der legendäre Heinz Heinrich Isenbart, die Stimme des Pferdesports, gesessen hat – das stelle man sich mal vor! Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter.

Brandt: Das hat für uns beide einfach viel mit der Liebe zu dieser Stadt zu tun. Da schlägt das Herz ein bisschen schneller. Das ist unsere Heimat!

Gibt es bei der Eröffnungsfeier einen besonders heiklen Moment?

Brandt: Nein, heikel nicht. Es wird eine neue Art und Weise geben, wie wir die Nationen begrüßen. Die Reiter werden dabei fantasievoll kostümiert sein, sehr farbenprächtig. Und dann gibt es mit Sicherheit auch ein paar emotionale Momente, auf die wir uns jetzt schon freuen.

Und wenn die Show vorbei ist?

Brandt: Dann gibt es im Idealfall zwischen uns ein Ritual, mit dem wir das kurz, aber intensiv feiern.

Mit einer heftigen Umarmung unter Öcher Jonge?

Büttgens: Das verraten wir nicht. Da sind wir abergläubisch.

Und was, wenn‘s weniger gut läuft, wovon nicht auszugehen ist?

Brandt: Dann setzen wir uns ins Auto und verlassen über die A 4 so schnell wie möglich die Stadt!
Gehen wir mal davon aus, dass Sie nach der Eröffnungsfeier in Aachen bleiben dürfen: Was soll für Sie in Zukunft noch kommen?

Büttgens: Also, diese Eröffnung in der Soers in dieser Größe ist schon gigantisch und überwältigend. Der Ort, der Anlass . . . stimmt, schwer zu toppen.

Brandt: Mir fällt was ein! Ich weiß nur nicht, ob ich das jetzt hier sagen soll.

Büttgens: Das würde mich aber schon interessieren . . .

Unsere Leserinnen und Leser auch!

Brandt (grinst): Wir beide als Kommissare in einem Aachener Tatort.

Büttgens: Oh ja, das hätte was.

Abschließende Frage: Bitte verraten Sie uns noch, an welcher Stelle bei der Eröffnungsfeier ein Ball ins Spiel kommen wird?

Brandt: Das Thema Fußball wird keine Rolle spielen.

Das kann nicht sein!

Brandt: Vielleicht ja doch. Wir werden es erleben . . .

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert