Aachen - Reise per Videotext gebucht: 2164 Euro weg

Reise per Videotext gebucht: 2164 Euro weg

Von: Stephan Mohne
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Wütend, enttäuscht, betrogen
Wütend, enttäuscht, betrogen: Roswitha und Wolfgang Nisius wurden Opfer einer Abzocke mit Reisen, die im Videotext angeboten worden waren. Über 2000 Euro haben sie verloren. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es hätte alles so schön werden sollen; ein wunderbarer Urlaub, den Wolfgang und Roswitha Nisius aus Aachen antreten wollten. Und dazu wollte das Ehepaar auch noch die beiden Enkelkinder, 5 und 7 Jahre alt, mitnehmen.

Nun gibt es im multimedialen Zeitalter viele Möglichkeiten, Reisen zu buchen. Die Familie Nisius stieß auf eine Firma, die auf den Videotextseiten von RTL mit günstigen Angeboten aufwartete. RTL, großer Fernsehsender, also seriös - so oder so ähnlich muss wohl die Gedankenkette gewesen sein. Zumal man schon einmal ohne Probleme eine im Videotext angebotene Reise gebucht hatte. Und so machte man es auch diesmal - beim Anbieter „RC-Reisen”. Doch diese Buchung war ein furchtbarer Fehler.

Es ist Freitag, der 22. Juli. Mit Sack und Pack ist die Familie am Düsseldorfer Flughafen angekommen. Die Vorfreude ist riesig, lange hat man für diese Reise gespart. Nach Bulgarien soll es gehen, 14 Tage lang, ein „Family Special”-Paket ist gebucht. Kostenpunkt: 2164 Euro, die bereits bezahlt worden waren. Auch die Reiseunterlagen samt „Sicherungsschein” sind da.

Doch nach kurzer Zeit wird Wolfgang und Roswitha Nisius klar: Sie sind Betrügern zum Opfer gefallen. Den gebuchten Flug gibt es gar nicht. Am Flughafen kennt niemand dieses Reisebüro. Abgesehen vom eigenen Schock mache man dies einmal fünf- und siebenjährigen Kindern klar, die sich seit geraumer Zeit auf den Urlaub mit Opa und Oma freuen. Roswitha Nisius erleidet einen Zusammenbruch, der Notarzt muss anrücken. Die Kinder weinen lange und bitterlich. Stunden später tritt man schweren Herzens und um 2164 Euro ärmer die Heimfahrt an, von Meer und Sonne kann die Familie nur noch träumen. Und sie ist bei weitem nicht das einzige Opfer von „RC-Reisen”.

Bundesweit sind Reisewillige übers Ohr gehauen worden. Bei der in diesem Fall federführenden Staatsanwaltschaft Berlin wird derzeit ermittelt, ein Ergebnis gibt es noch nicht. Der Aachener Rechtsanwalt Harald Bex, der die Familie Nisius vertritt, kritisiert den Fernsehsender: „Hat bei RTL eigentlich mal jemand die Gewerbeanmeldung dieses Reisebüros geprüft?”, fragt er sich. Schließlich sei dies nicht der erste Betrugsfall, der in Zusammenhang mit den Videotextseiten des Senders stehe. Bereits 2010 neppte eine Firma namens „Paradies-Reisen” auf ähnliche Weise Reisewillige.

Ein Sprecher der für den Videotextinhalt zuständigen RTL-Tochter „RTL interactive” sagt: „Es hat unter anderem eine Gewerbeanmeldung vorgelegen, es gab eine Webseite und ein Impressum, eine Kontoverbindung hat bestanden. Es war nicht ersichtlich, dass es sich hier um einen Betrug handeln könnte.” Man sei insbesondere seit dem Fall 2010 dazu übergegangen, die Anbieter noch intensiver zu prüfen.

Bisweilen würden auch Stichproben vor Ort gemacht, schaue man sich das Reisebüro persönlich an. Möglicherweise könne man noch intensiver prüfen, „aber eine hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben”, so Bodemer. „RTL interactive” habe ebenfalls Strafanzeige gegen „RC-Reisen” erstattet. Eine Haftung für die Schäden schließt der Sender indes aus, da es sich um kein eigenes Angebot sondern das eines Werbekunden gehandelt habe. Man sei selber getäuscht worden.

Wolfgang und Roswitha Nisius werden ihr sauer erspartes Geld vermutlich nie wiedersehen. Als kleinen Trost für die Kinder verbrachte man ein paar Tage bei einem Schwager in der Eifel. Ein Ersatz für Sommer, Sonne, Badespaß wars nicht. In seiner Not wandte sich Wolfgang Nisius übrigens auch an die Redaktion „Wir retten Ihren Urlaub”. Helfen konnte oder wollte man dort laut Nisius in diesem Fall nicht. Es mag daran liegen, dass es sich um eine RTL-Sendung handelt.

Fast identischer Fall ging 2005 von Aachen aus

Im Jahr 2005 ging ein fast identischer Betrug von Aachen aus. Damals hatte eine Firma „Anker Travel-agent” auf den Videotextseiten von Sat.1 und ProSieben geworben. Es gab etliche Opfer bundesweit, der Schaden lag im sechsstelligen Bereich. Auch damals wurden Reisen gebucht und bezahlt, die es gar nicht gab. Als Opfer und Ermittler die Verantwortlichen in einem Büro in Aachen zur Rede stellen wollten, waren die Räume bereits verlassen und die Täter mit der Beute über alle Berge.

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