Monschau - Reichenstein in der Eifel: Ein „traditionalistischer Kloster-Standort“

Reichenstein in der Eifel: Ein „traditionalistischer Kloster-Standort“

Von: Peter Stollenwerk
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Die Mönche sind da: Fünf Benediktinermönche vollziehen die Neubesiedelung des Klosters Reichenstein, das nach fast zehnjähriger Vorbereitungs- und Umbauzeit am Samstag ab 9.45 Uhr für alle Gläubigen eingeweiht wird. Foto: Peter Stollenwerk
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„Wir sind zwar tolerant ... aber nicht liberal“, sagt Pater Peter Lang von der Priesterbruderschaft St. Pius X, der die Klostergründung von Anfang an begleitet hat. Foto: Peter Stollenwerk

Monschau. Die Szene erinnert an ein Bild aus dem Mittelalter: Fünf Männer in langen schwarzen Talaren, die Köpfe eingehüllt in Kapuzen, schreiten über holpriges Kopfsteinpflaster auf eine alte Kapelle zu. Die Tür öffnet sich, die Männer nehmen vorsichtig ihre Kapuzen ab und sind dann hinter den historischen Mauern verschwunden.

Die filmreife Szene ist nicht nachgestellt, sondern ein Teil der neuen Realität im Kloster Reichenstein. Die historische Kloster- und spätere Gutsanlage, im Tal der Rur zwischen den Eifeldörfern Mützenich und Kalterherberg gelegen, wurde von Privathand im Mai 2008 an den Verein St. Benedikt verkauft, der hier ein traditionelles Benediktinerkloster errichten wollte. Langsam und manchmal mühsam schritten die dafür notwendigen Bauarbeiten voran.

Am kommenden Samstag, nach fast zehn Jahren also, vollzieht der Verein St. Benedikt den entscheidenden Schritt, wenn er zur feierlichen „Einweihung und Besiedelng“ von Kloster Reichenstein einlädt. Ganz profan sind die Vorbereitung für das ganztägige Fest. Vor dem Kloster ist ein großes Zelt aufgebaut, denn bis zu 300 Gäste werden erwartet.

In Zukunft 30 Mönche

Im Mittelpunkt aber stehen die fünf Benediktinermönche, die im Haupthaus der quadratisch angelegten Klosteranlage bereits ihre spartanischen Zimmer bezogen haben. Prior der Mönche ist Pater Bernhard. Zwischen 30 und 55 Jahre alt sind die Neubesiedler. Die Feier, zu der „alle Gläubigen“ eingeladen werden, beginnt um 9.45 Uhr.

„Reichenstein soll ein richtiges strenges Kloster sein“, sagt Pater Peter Lang, der von Beginn an als Projektverantwortlicher die Klostergründung begleitet. Pater Lang gehört der Priesterbruderschaft St. Pius X. an, einer Vereinigung katholischer Traditionalisten, die 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet wurde, und an den alten Riten der katholischen Kirche, wie beispielsweise der tridentinischen Messfeier, festhält. Die Bruderschaft lehnt die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils ab und ist von der katholischen Kirche abgespaltet. Unter Papst Franziskus gab es aber zuletzt aber wieder Ansätze für eine Aussöhnung.

Benediktiner und Priesterbruderschaft stehen sich in ihrer Auffassung von der Ausübung des Glaubens und der Liturgie sehr nahe. Daher habe man dem Verein St. Benedikt auch bei Suche nach einem „traditionalistischen Kloster-Standort auf deutschem Boden“ geholfen, sagt Pater Lang, der aber die Eigenständigkeit des Vereins herausstellt.

Der Wunsch nach einer Klostergründung kam aus Frankreich. Im September 2008 übernahm die Benediktiner-Abtei Notre-Dame de Bellaigue nach längeren Verhandlungen das ehemalige Kloster Reichenstein in der Eifel als Tochtergründung. In Bellaigue leben 32 Benediktinermönche, in Reichenstein sollen es einmal 30 werden. „Das kann aber noch 20 Jahre dauern“, sagt Pater Lang. Denn für weitere Mönchszellen müsse ein Neubau errichtet werden.

Drei Deutsche, ein Niederländer und ein Brasilianer sind die ersten Mönche in Reichenstein, die hier demnächst, abgeschirmt von weltlichen Einflüssen, ihr Leben dem streng strukturierten klösterlichen Tagesablauf unterordnen wollen.

Die Errichtung der Klausur bildet am Samstag dann auch den Abschluss und Höhepunkt der Klosterweihe. Dazu wird das mächtige Haupttor der Klosteranlage geschlossen. Die Mönche erwartet dann ein vom Gebet bestimmter Tagesablauf. Über sechs Stunden verbringen sie in der Kapelle. Um 4.30 Uhr (in der Winterzeit um 3.30 Uhr) stehen sie auf. Es folgen Laudes, stille Messe, Frühstück, Prim, Terz, Sext, Mittagessen, Non, Vesper, Abendessen und abschließend um 20.15 Uhr die Komplet. Dann folgt das „große Schweigen“ bis zum nächsten Morgen um neun Uhr. Einmal in der Woche gibt es einen gemeinsamen Spaziergang, einmal im Monat einen Ausflug. Dann gibt es auch Fleisch und Wurst.

Seit fast zehn Jahren sind die Benediktiner nun ein Teil der Region. „Je länger wir da sind, um so besser werden wir angenommen“, sagt Pater Lang. Die Leute registrierten, „dass wir ganz normale Menschen sind, wenn auch mit eigenen Ansichten“, sagt Pater Peter Lang. „Wir können auch schon mal einen Witz machen“, schmunzelt er, aber für den traditionsorientierten Priester hört irgendwann der Spaß auf: „Wir sind zwar tolerant und fühlen uns als Teil der demokratischen Gesellschaft, aber sind nicht liberal.“

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