Region: Die Reisenden bleiben aus

Von: udo/cs/disch/ag
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Aachen. Volle Städte, stark frequentierte Wanderpfade, viel befahrene Radwege und ausgebuchte Hotels: So viele Übernachtungen wie noch nie verzeichneten die nordrhein-westfälischen Hotels, Pensionen und Campingplätze im vergangenen Jahr. Fast 20 Millionen Gäste zählten die Statistiker vom Landesamt IT NRW im vergangenen Jahr, zudem 45,5 Millionen Übernachtungen. Die Besucherzahlen übertrafen das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2011 um 2,5 Prozent.

Aber so richtig kommt bei den Touristikern zumindest in der hiesigen Region keine Freude auf. Zwar gibt es auch für die Aachener und Eifeler Region Zuwachsraten im Vergleich zu 2011 zu vermelden. Doch die liegen unterm Landesschnitt und weit hinter den Spitzenreitern aus Düsseldorf und dem Bonner Raum. Absoluter Besuchermagnet bleibt Köln mit mehr als 2,9 Millionen Gästen.

Von solch einer Zahl kann Gabriele Philipp als Vize-Geschäftsführerin des Aachen Tourist Service (ATS) natürlich nur träumen. Köln und auch die andere Rheinmetropole Düsseldorf spielen in einer anderen Liga. Dennoch: Mit Blick auf andere Städte und deren Steigerungsraten muss sie konstatieren: „Wir haben von dem Geschäft nichts abbekommen.“ Aber immerhin findet sie ein Trostpflaster: „Natürlich wünschen wir uns auch Zuwächse und sind daher auch ein Stück enttäuscht. Wir können uns aber trösten, dass wir nicht so viel verloren haben. Doch natürlich müssen wir nun analysieren, wie wir dem entgegenwirken können.“ Einige Gründe liegen für Philipp klar auf der Hand: „Die Kapazitätsgrenze ist erreicht.“ Es brauche mehr Hotelbetten, aber auch mehr Kongressfläche, um mehr Messen und damit auch mehr Gäste in die Kaiserstadt zu ziehen. Zudem sei 2012 neben den „normalen“ Höhepunkten wie CHIO und Karlspreis ein Jahr ohne außergewöhnliche Veranstaltungen gewesen. Das wird sich auch 2013 nicht ändern. „Wir konzen­trieren uns bereits auf 2014“, sagt Philipp – dann stehen das „Karlsjahr“ und die Eröffnung des Centre Charlemagne an.

Dass die Statistik außerhalb der Großstädte eine große Schwachstelle hat, zeigt sich in der Eifel und im Kreis Heinsberg. Dort überwiegen kleine Beherbergungsbetriebe mit wenigen Ferienwohnungen oder Betten. Doch genau die werden nicht erfasst: Gastgeber mit weniger als zehn Betten müssen ihre Gästezahlen nicht melden. So tauchen laut Eifel-Tourismus von 2800 Betrieben in Nord- und Südeifel nur 800 in der Datensammlung auf. Ein Bruchteil. Die Rursee-Touristik will deswegen die „touristische Wertschöpfung“ in den einzelnen Kommunen der Nordeifel durch das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr in München erfassen lassen. „Dabei werden dann alle Betriebe einbezogen“, sagt Astrid Joraschky, Geschäftsführerin der Rursee-Touristik. In Heinsberg gibt es eine solche Studie bereits. Ergebnis: „Wir können bei den Übernachtungszahlen gut 25 Prozent noch mal drauf packen können. Vom Tagestourismus gar nicht zu reden“, sagt Patricia Mees, Geschäftsführerin vom Heinsberger Tourist-Service.

Zudem wurde im vorigen Jahr die Erfassung der Campingplatz-Übernachtungen umgestellt. Auch hier müssen seit 2012 nur noch Plätze mit mehr als zehn statt bislang zwei Stellplätzen ihre Zahlen melden. „Gerade in der Nordeifel gibt es aber noch viele kleinere Plätze, die nun aus der Statistik herausgefallen sind – und so die Vergleichszahlen verfälschen“, sagt Klaus Schäfer, Geschäftsführer von Eifel-Tourismus.

Heimbach schlägt Monschau

Schäfer entnimmt den Daten eine überraschende Tendenz: Heimbach gewinnt 2,2 Prozent bei den Übernachtungen hinzu, Monschau und Simmerath verlieren um 5,6 bzw. 6,1 Prozent. Das deutet laut Eifel-Tourismus-Geschäftsführer auf eine Verschiebung zwischen den verschiedenen Übernachtungssegmenten hin. Monschau etwa biete vor allem Hotels im mittleren Drei-Sterne-Bereich, „der in der Vermarktung schwer zu kämpfen habe“, Heimbach dagegen habe die nachgefragten Hotels im Vier-Sterne-Bereich und als „Hotel garni“, die viele Wanderer nutzten. Außerdem suchten viele Gäste über die elektronischen Reservierungssysteme nach günstigeren Wohnungen, so dass großen Ferienwohnungseinheiten Gäste verloren gingen und kleine Gastgeber profitierten.

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