Reformation: In Jülich feiern, in Rheydt Zukunft denken

Von: Claudia Schweda
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Hofft auf Tausende Besucher beim „Fest der Begegnung“ im Brückenkopfpark Jülich: Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich. Foto: Schweda

Jülich. Die evangelische Kirche in unserer Region nutzt das Refor­mationsjahr, um zu feiern und die Frage zu beantworten, was Kirche künftig sein kann und will. Um das zu debattieren, gibt es erstmals in 500 Jahren eine gemeinsame Synode der vier evangelischen Kirchenkreise Aachen, Jülich, Krefeld-Viersen und Gladbach-Neuss, die sich mit ihren fast 400.000 Mitgliedern zu einem „Kleeblatt“ zusammengeschlossen haben.

In dieser Synode, einer Art Parlament, werden Laien und Geistliche aus der Region und aus den Partnerkirchen in Namibia, Marokko, Tansania, Indonesien sowie aus Belgien und den Niederlanden gemeinsam debattieren.

„Ein Experiment“, sagt Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich. Was bedeutet Reformation heute? Was ist uns wichtig? Wie stellt sich die Kirche weltweit zu den aktuellen gesellschaftlichen Fragen – Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung oder Friedenspolitik? Entstehen soll am Ende des Tages ein Schlussdokument, das alle mittragen können.

Keine leichte Aufgabe, sagt Sannig: „Wir werden uns einer Kapitalismuskritik unserer Gäste aus aller Welt stellen müssen, die im Schlussdokument möglicherweise ausgeklammert werden muss, weil wir eine gemeinsame Haltung bei uns vor Ort erst diskutieren müssen.“ Ähnlich problematisch könnte für die Gäste wiederum die hierzulande deutlich liberalere Haltung zur Homo­sexualität sein, prognostiziert Sannig. Es solle darum gehen, sich auszutauschen, Unterschiede zu respektieren, Anregungen mit in den eigenen kirchlichen Alltag mitzunehmen und dort weiterzudenken.

Das Motto der Synode „Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu ihm zurück“ ist für Pfarrerin Friederike Lambrich, Geschäftsführerin der Synode, eine klare Aufforderung zum Handeln: „Sein Wort soll fruchtbar sein. Es ist ein Auftrag: Wir müssen mit diesem Wort etwas tun!“

„Ein ganz fröhlicher Haufen“

Begleitet wird die Reformationssynode von einem weiteren bemerkenswerten Akt: der Unterzeichnung eines Ökumenischen Briefs durch den rheinischen Präses Manfred Rekowski und den Aachener Bischof Helmut Dieser am Samstagmorgen. Der Brief ermuntert die Christen zur Vertiefung ihrer ökumenischen Arbeit und zur Vereinbarung konkreter Gemeindepartnerschaften.

Eine Woche später dann laden die vier Kirchenkreise erneut zu einer Premiere ein: dem von ihnen gemeinsam organisierten großen „Fest der Begegnung“ im Brückenkopfpark Jülich. Rund 100 Gemeinden, Organisationen und Gruppen bieten unzählige Aktionen und Programmpunkte auf drei Bühnen an mit allem, was heute Kirche ist: interreligiös und interkonfessionell. Dazu passt der besondere Gast des Tages: Kabarettist Fatih Cevikkollu, der auf allen Bühnen auftritt und zudem eine Diskussion um Reformation im Christentum und Islam moderiert. 6000 Besucher werden an diesem Tag erwartet.

„Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen, ihnen ein Angebot machen und sie zum Mitmachen einladen“, sagt Superintendent Sannig. Er hofft, dass manche, die bislang keine große Nähe zur evangelischen Kirche haben, am Ende des Tages feststellen, „dass das ja eigentlich ein ganz fröhlicher Haufen ist“.

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