Referentenentwurf: Kommt die Abschaffung der Anwesenheitspflicht?

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Anwesenheitspflicht Studium Referentenentwurf
Kommt jetzt die Abschaffung der Anwesenheitspflicht? Ein aktueller Referentenentwurf hält Zwang für „grundsätzlich unzulässig“. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. „Trägst du mich in die Liste bei Statistik ein? Ich hab‘ schon zwei Mal gefehlt.“ Solche Bitten unter Kommilitonen könnten bald überflüssig werden, denn der Referentenentwurf zum Hochschulzukunftsgesetz in NRW sieht eine Abschaffung der Anwesenheitspflicht in Universitätsveranstaltungen vor.

Sie sei „grundsätzlich unzulässig“, heißt es dort. Ausnahmen seien möglich bei Exkursionen oder Sprachkursen. Ziel sei ein „studierbares Studium“, sagt eine Sprecherin des NRW-Wissenschaftsministeriums.

„Diese Formulierung hört sich sehr radikal an und ist wohl dem Anliegen geschuldet ist, den Studierenden einen vermeintlichen Vorteil zu gewähren“, schätzt Andreas Frommer, Prorektor der Universität in Wuppertal. Wie wankelmütig die Politik da sei, erkenne man an früheren Staatsexamensprüfungsordnungen, wo qualifizierte Studiennachweise („Sitzscheine“) explizit gefordert waren.

„Das ist doch absurd. Man darf nicht verlangen, dass die Studenten in die Uni kommen?“, fragt Soziologie-Professor Michael Baurmann von der Düsseldorfer Uni. Das sei ein groteskes Beispiel für das, was passiert, wenn sich das Ministerium in jede Angelegenheit einmische. Der Prorektor für Lehre der RWTH Aachen, Professor Aloys Krieg, kritisiert vor allem, dass diese Formulierung falsch rüberkomme: „Die jungen Studierenden denken, dass alles, was nicht Pflicht ist, auch nicht wichtig ist.“

Das Thema Anwesenheitspflicht ist spätestens seit der Bologna-Reform, mit der unter anderem die Bachelor- und Masterstudiengänge europaweit eingeführt wurden, Diskussionsstoff, erklärt Martin Winter vom Institut für Hochschulforschung der Uni Halle-Wittenberg. „Die Hoffnung der Befürworter der Anwesenheitspflicht ist, dass die Studierenden mehr lernen, wenn sie tatsächlich die Veranstaltungen besuchen.“

Diese Hoffnung hat auch Krieg. Man benötige Regeln, an die sich alle halten, gerade, wenn es von Seiten der Politik gewünscht sei, möglichst viele Studierende zum Abschluss zu führen. Selbstorganisation sei aber ein Problem bei Studienanfängern. „Es kann nicht sein, dass die Hochschule alles tun muss und die Studenten Null Verpflichtung haben “, sagt Krieg.

Baurmann sieht die Anwesenheit als Zeichen gegenseitigen Respekts:„Schließlich sind auch die Professoren verpflichtet, zu den Veranstaltungen zu kommen.“

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