Aachen - Rechenfehler im Bistum: Verwaltung kommt noch teurer

Rechenfehler im Bistum: Verwaltung kommt noch teurer

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Bischof Heinrich Mussinghoff
Es kommt hart für den Bischof: Das Bistum Aachen hat sich bei seinen Sparplänen verrechnet und muss jetzt deutlich mehr Geld ausgeben als für das Budget für die kommenden Jahre geplant war.

Aachen. Deutlich nach oben hat das Bistum Aachen seine Aussagen über Verwaltungskosten für knapp 540 Pfarren korrigiert. Über Jahre hinweg wird´s nicht nur Millionen teurer als 2004 von der Unternehmensberatung Droege & Comp. kalkuliert, sondern bei den Ausgaben für die vier neuen Verwaltungszentren (VWZ) fast doppelt so kostspielig wie fürs Jahr 2007 geplant.

Da wollte man die Ausgaben eigentlich auf 2,8 Millionen Euro heruntergeschraubt haben. Doch nun kostet die gesamte Pfarrverwaltungsstruktur bis 2011 pro Jahr mindestens 5,3 Millionen Euro.

4,5 Millionen Euro fließen direkt an die Verwaltungszentren. 800.000 Euro - und diesen Betrag hat das Bistum bislang nicht erwähnt - erhalten die Pfarren, die keinem VWZ beigetreten sind.

Dieses nachgebesserte und präzisierte Berechnungsmodell veröffentlichte das Generalvikariat erst nach entsprechenden Berichten unserer Zeitung.

„2010 und 2011 steht die Diözese in einer Übergangsphase, in der mehr Geld als geplant in die Pfarrverwaltung investiert werden muss”, erklärte Bistumssprecher Franz Kretschmann.

„Dies hängt damit zusammen, dass noch nicht alle Pfarreien die Leistungen im Verwaltungszentrum abrufen.”

Die VWZ sollen tausende Personalfälle, Liegenschaftsangelegenheiten und die Budgetplanung für die Gemeinden übernehmen.

Außerdem müsse „die Arbeit in den Verwaltungszentren noch qualifiziert werden”, hieß es.

Mit anderen Worten: Nach heftiger Kritik an unzureichenden Leistungen der Verwaltungszentren seit ihrer Gründung 2007 muss nun für Abhilfe bezahlt werden.

Und Abhilfe versprechen laut der Beraterfirma HLP (Hirzel, Leder & Partner) vor allem mehr Fachpersonal und eine modifizierte Kommunikation mit der Pfarrbasis.

Das Rendantenmodell soll auslaufen. 2007 waren 2,8 Millionen Euro für 42 Vollzeitstellen in den VWZ geplant.

Und später 60 Stellen zum Vollbetrieb: „3,9 Millionen Euro waren eingeplant, wenn alle Kirchengemeinden ihre Verwaltung im Verwaltungszentrum erledigen lassen”, rechnete Kretschmann vor.

Davon ist die Diözese aber auch zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung der VWZ weit entfernt.

190 der 540 Pfarren wollen ihre Angelegenheiten noch immer nicht in VWZ-Hände legen. Ursprünglich wollte das Bistum über fünf Millionen Euro der im Jahr 2004 auf insgesamt neun Millionen geschätzten Kosten für die Verwaltung aller Pfarrgemeinden einsparen.

Mit „reklamationsarmen” Abläufen rechnet das Generalvikariat in Sachen Pfarrverwaltung jetzt erst im Laufe der Übergangsphase bis 2011.

„Dann steht den Gemeinden mit den neuen Verwaltungssystemen ein umfängliches Planungs- und Steuerungsinstrument zur Verfügung, das als Frühwarnsystem zur Erkennung wirtschaftlicher Risiken genutzt werden kann.” Und dies eröffne mittelfristig Einsparpotenziale.
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