Razzien im Rotlichtmilieu: Kampf gegen die „Voodoo-Prostitution”

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Rotlicht razzia Aachen
Einen Monat nach den letzten Großkontrollen haben Fahnder der Polizei Aachen das Rotlichtmilieu erneut ins Visier genommen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Frauen insbesondere aus Nigeria hoffen auf ein besseres Leben im fernen Europa. Männer versprechen ihnen zum Beispiel in Deutschland seriöse Jobs. Vor ihrer Abreise nimmt sich ein Voodoo-Priester die Opfer vor. Die Religion ist in Westafrika weit verbreitet. Der Priester schwört die Frauen ein, demjenigen, der sich ihrer im fernen Land annimmt, widerspruchslos zu gehorchen.

Täten sie das nicht, würden ihnen und ihren Familien schlimme Unglücke und Krankheiten drohen. Der Religion entsprechend sind derlei Worte bei den Frauen wie eingebrannt. In Deutschland angekommen sagt man ihnen, sie müssten erstmal die Kosten für ihre Einschleusung ins „gelobte Land” abbezahlen. Und so werden sie zur Prostitution gezwungen.

In ganz Europa häuft sich dieses Vorgehen skrupelloser Menschenhändlerbanden. Offenbar auch in Aachen. Das hiesige Rotlichtmilieu gehörte am Donnerstagabend zu den Schwerpunkten einer europaweit angelegten Großrazzia gegen diese Banden. In Aachen nahmen sich mehr als 200 Beamte 32 Bordelle in der Antoniusstraße vor.

Die Koordination der Aktion lag beim Bundeskriminalamt. Es war die zweite Großrazzia im Aachener Rotlichtmilieu innerhalb von fünf Wochen. Am Ende wertete sie Einsatzleiter Ralph Mantzke als Erfolg. Es werde nicht die letzte gewesen sein. Mit dabei waren auch städtische Ämter sowie die Staatsanwaltschaft 242 Personen wurden am Donnerstag überprüft.

Eine Frau versuchte, sich in einem Müllcontainer zu verstecken, wurde dort aber gefunden. 38 Straftaten und etliche Ordnungswidrigkeiten standen unter dem Strich. 34 Personen wurden vorläufig festgenommen. Darunter tatsächlich auch sieben aus Nigeria.

Sechs Personen wurden am Freitag dem Haftrichter vorgeführt, die anderen werden ausreisen müssen. Außerdem brachte der Einsatz eines Drogenspürhundes auch Erfolge. Bei zwei Männern wurde Rauschgift sichergestellt - ebenso ein per Waffenrecht verbotenes Messer und ein gestohlenes Handy.

Die Razzia war zwar ein Schlag gegen die westafrikanische Menschenhändlerszene. Doch für die Polizei ist es letztlich schwer, an die wirklichen Hintermänner heranzukommen. Die Frauen und Mädchen schweigen bei ihren Vernehmungen der Erfahrung nach. Mit Aussagen gegenüber der Polizei würden sie ihren Voodoo-Schwur brechen.

Da sie fest an das angedrohte Unheil glauben, das ihnen dann widerfahren soll, sagen sie oft nicht aus. Die perfide Methode der Einschüchterung wirkt. Die „Betreuungspersonen” hierzulande sind auch keine Zuhälter „klassischer” Prägung. Es sind oft gut gekleidete Landsfrauen der Opfer, die sich „Madams” nennen und bei den Frauen am Ende des Tages den überwiegenden Teil des eingenommenen Geldes abkassieren.

Insgesamt sind bei den Razzien in zwölf Bundesländern und 90 Städten in Deutschland am Donnerstag 160 der Opfer aufgegriffen worden, wie das BKA mitteilt.
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