Razzien im Rotlichtmilieu: Druck durch den Voodoo-Zauber

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
Rotlicht razzia Aachen
Einen Monat nach den letzten Großkontrollen haben Fahnder der Polizei Aachen das Rotlichtmilieu erneut ins Visier genommen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Junge Frauen werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, etwa einer gut bezahlten Haushaltsstelle, nach Europa gelockt und dann zur Arbeit in Bordellen gezwungen. Zuhälter, Geldwäscher, Passverleiher und Dokumentenfälscher sowie Schlepper aus Westafrika benutzen dabei den Voodoo-Zauber als Druckmittel.

Fingernägel oder Haare werden in Beutel gewickelt, die Frauen müssen schwören, ihren „Betreuern” aufs Wort zu gehorchen, damit nicht ihnen oder ihren Familien Krankheit oder Tod droht. In Europa werden sie dann von einem international sich betätigenden Netz von einem Land zum anderen geschickt. Um diese kriminellen Strukturen zu durchbrechen und Schlüsselpersonen zu identifizieren, muss man viele Informationen über die Menschenhändler und ihre Opfer sammeln, etwa über Reiseunterlagen oder Tagebücher.

Insofern war es nicht verwunderlich, dass in der Nacht zum Freitag erneut die Antoniusstraße abgesperrt wurde. Acht Stunden lang durchsuchten mehr als 200 Polizisten die 32 Häuser und wurden fündig. Insgesamt wurden 139 Frauen und 103 Männer überprüft. Eine Frau versuchte, sich in einem Müllcontainer zu verstecken, auch sie entging dem Auge des Gesetzes nicht. Einer anderen Frau, die sich auf ein Dach geflüchtet hatte, wurde es nach einer Stunde dort oben zu kalt.

Insgesamt stellten die Ordnungshüter 38 Straftaten und zahlreiche Ordnungswidrigkeiten fest. Polizeisprecher Werner Schneider: „Wie schon bei der letzten Großkontrolle am 21. September bestätigte sich erneut in großem Umfang der Verdacht der illegalen Prostitution.”

Bei zwei Männern konnte durch den Einsatz eines Drogenhundes aber auch Rauschgift gefunden werden. Darüber hinaus wurden ein verbotenes Messer sowie ein gestohlenes Handy sichergestellt. 34 Frauen wurden wegen illegalen Aufenthalts vorübergehend festgenommen. Der größte Teil davon (20) stammt aus Albanien, sieben aber auch aus Nigeria, jeweils zwei aus Kolumbien und der Dominikanischen Republik und jeweils eine aus dem Sudan, aus Serbien und Brasilien.

Sechs wurden am Freitag dem Haftrichter vorgeführt, sie werden wahrscheinlich relativ rasch abgeschoben. Die anderen erhalten eine Aufforderung des Ausländeramtes, binnen einer bestimmten Frist die Bundesrepublik zu verlassen.

Eine bundesweit angelegte ähnliche Aktion gegen den Menschenhandel aus Westafrika, der sich nach der Fußball-WM 2006 in den Rotlichtvierteln breit gemacht hatte, war bereits im Mai 2011 gestartet worden. Damals waren in der Antoniusstraße zwölf junge Frauen festgestellt worden, die ebenfalls eine Ordnungsverfügung zur Ausreise bekamen. Falls diese nicht befolgt wird, droht im Wiederholungsfall die Abschiebehaft.

Unterstützt wurde die Polizei von belgischen Verbindungsbeamten, auch die Staatsanwaltschaft sowie verschiedene Ämter von Stadt und Städteregion waren vor Ort. „Die Aktion war erfolgreich. Auch diese erneute Razzia im Rotlichtmilieu wird nicht unsere letzte Aktion gewesen sein”, warf Einsatzleiter Ralph Manzke schon einen Blick in die Zukunft.

Nach Auskunft des in Deutschland federführenden Bundeskriminalamtes wurden bei der Razzia bundesweit mehr als 160 Frauen aus Westafrika angetroffen. Die Kontrollen spielten bei der Aufhellung des Dunkelfeldes im Menschenhandel eine wichtige Rolle.
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