Rassistisches Mobbing: Zweiter Anwärter wird entlassen

Von: red/pol/mgu
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Im Fall des rassistischen Mobbings einer Polizeianwärterin wird ein zweiter Kollege der 19-Jährigen aus dem Dienst entlassen. Symbolfoto: dpa

Aachen/Bonn/Köln. Im Fall des rassistischen Mobbings einer jungen Polizeianwärterin mit ausländischen Wurzeln hat der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach am Dienstagmorgen einen weiteren Anwärter aus der Städteregion Aachen vom Dienst suspendiert und das Entlassungsverfahren eingeleitet.

Grundlage für diese Entscheidung sei der Bericht der Ermittlungskommission gewesen, teilte die Aachener Polizei am Dienstag mit. Die Ermittlungen waren nach Hinweisen aus der 32-köpfigen Studiengruppe der Anwärter an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Köln am Donnerstag ausgeweitet worden. Die 15-köpfige Ermittlungskommission hatte insgesamt etwa 100.000 Einzelspuren in Social-Media-Kanälen im Internet ausgewertet und am Montagabend ihren Bericht vorgelegt.

„Die Auswertung und weitere Zeugenaussagen haben ergeben, dass der 19-jährige Hauptbeschuldigte B. nicht allein stand“, heißt es in der Pressemeldung der Polizei. Der Schüler habe die Kollegin H. mehrfach und über Monate mit rassistischen Worten beleidigt, ein Hakenkreuz auf ihren Textmarker geritzt und innerhalb der Polizeianwärtergruppe über WhatsApp in der geschlossenen Handy-Chatgruppe des Polizeianwärter-Kurses veröffentlicht.

„Nach jetzigen Erkenntnissen hat ein weiterer 22-jähriger Polizeianwärter aus der Städteregion Aachen als Mitläufer ebenfalls eigene, fremdenfeindliche und rassistische Bilder auf WhatsApp gepostet.“ Beide seien bisher nicht in organisierten Strukturen der rechten Szene aufgetreten oder haben einschlägige Veranstaltungen besucht. Weitere Suspendierungen werde es nicht geben, sagte Werner Schneider, Sprecher des Polizeipräsidiums Aachen.

Darüber hinaus habe sich eine Reihe von Kursteilnehmern gegenüber ihren Ausbildungsbehörden nun „der Frage zu stellen, warum sie sich nicht vor das Opfer gestellt und ihre Vorgesetzten nicht informiert haben“. Einige der Polizeianwärter müssen demnach mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen.

Die drei betroffenen Polizeipräsidien und die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung werden die Entwicklung des Kurses im Laufe der Ausbildung intensiv begleiten. „Wo wir den Nachweis für offene Sympathie und Unterstützung der Täter finden konnten, kennen wir kein Pardon: Rassismus wird konsequent verfolgt und geahndet“, unterstreicht Polizeipräsident Dirk Weinspach seine Vorgehensweise. In Aachen werde die Orientierungswoche zur Einführung neuer Polizeianwärter künftig einen eigenen Themenschwerpunkt zu Rechtsextremismus in der Region haben.

Auch die Dozenten an der Fachhochschule ziehen der Meldung nach klare Konsequenzen: In einem zusätzlichen Aufarbeitungsprogramm für die Studiengruppe soll ab der kommenden Woche die Entstehung von Gruppendynamik und der Umgang mit unterschwellig rassistischen Provokationen untersucht werden.

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