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Räuber mit Malerrolle erhält sechs Jahre Haft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Düren/Aachen. Der Überfall auf die Hauptstelle der Dürener Sparkasse an der Schenkelstraße – am Morgen des 8. Juni 2015 begangen von einem vermummten Täter mit einer Malerrolle und einer täuschend echten Waffenattrappe in der Hand – hat sich nicht gelohnt. Der Haupttäter Tarek Z. (26) wurde am Freitag zu sechs Jahren Haft wegen schweren Raubes und räuberischer Erpressung verurteilt, die Beute von knapp 30.000 Euro war schon am Tag danach bis auf einen Betrag von etwa 200 Euro von der Polizei sichergestellt worden.

Die 4. Große Strafkammer am Aachener Landgericht unter Vorsitz von Richter Norbert Gatzke folgte dabei weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigerin der mitangeklagten 22-jährigen ehemaligen Lebensgefährtin von Z. hatte für ihre Mandantin einen Freispruch gefordert. Begründung: Sie habe den Angeklagten morgens gegen 9.15 Uhr noch von der Tat abhalten wollen. Die 22-Jährige, die mit dem Angeklagten ein gemeinsames Kind hat, schilderte diese Variante dem Gericht während der langen Beweisaufnahme am vorletzten Verhandlungstag allerdings vergebens.

Richter Gatzke ging in der Urteilsbegründung auf den Punkt ein. Die Kammer kam aber zu der genau entgegengesetzten Einschätzung und verurteilte die junge Mutter zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung. „Sie hat ihren Lebensgefährten noch vor der Bank unterstützt und bestärkt“, schilderte Gatzke das Geschehen aus der Sicht des Gerichts.

Die Kammer ging allerdings nicht so weit, der jungen Frau eine bestimmende Mittäterschaft zu unterstellen. Auch dies wäre möglich gewesen, weil im Laufe des Prozesses ein Rosenkrieg der beiden Ex-Partner ausgebrochen war, der in gegenseitigen Beschuldigungen gipfelte.

Die 22-Jährige lebe jetzt in einer neuen Beziehung, kümmere sich um die inzwischen dreijährige Tochter und sei erneut schwanger, sagte sie. Unter anderem hatte sie damals nach der Verhaftung der Polizei das Geldversteck (unter der Toilettenschüssel) gezeigt und außerdem gebeichtet, dass Tarek Z. bereits im Mai des vergangenen Jahres eine Spielothek in Düren ausgeraubt habe, Beute: 310 Euro. Damals, am 11. Mai, war der drogenabhängige und spielsüchtige Z. in die Spielhalle gegangen und hatte der dortigen Kassiererin ein Messer vorgehalten. Sie öffnete ihm schließlich die Kasse. Das Geld, so der Richter, habe Tarek Z. umgehend in der nächsten Spielhalle verzockt.

Eigentlich, so war dessen Einlassung, habe das geraubte Geld dem Familienunterhalt dienen sollen. Nach dem Sparkassenüberfall bekam die Familie aber nur 100 Euro. Z. selbst kaufte noch am gleichen Tag einen gebrauchten Mercedes CLK für rund 10.000 Euro, stellte die Kammer nüchtern fest, dazu habe er sogleich Drogen erworben.

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