Aachen/Eschweiler - Rachemord-Prozess: Aussagen, Tränen, Widersprüche

Rachemord-Prozess: Aussagen, Tränen, Widersprüche

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Rachemord in Eschweiler: Drei junge Zeuginnen belasten die Angeklagten. Foto: Roeger

Aachen/Eschweiler. Mit der Beweisaufnahme im Prozess um den Eschweiler Rachemord an Christian L. hat der Vorsitzende Richter Arno Bormann seine liebe Not. Die Zeugen mauern, verweigern die Aussage, kommen nicht oder sind plötzlich ausgewandert.

Und dann noch das sehr spezielle Zeitverständnis eines Angeklagten: Auch am vierten Verhandlungstag erschien Michael H. wieder zu spät vor Gericht. Es scheint fast, als seien sich einige der Verfahrensbeteiligten weder der Ernsthaftigkeit einer Gerichtsverhandlung noch überhaupt der Schwere der Tat bewusst.

Es geht um den Mord an Christian L., der im August 2015 am Ufer der Inde in einen Hinterhalt gelockt und brutal erstochen worden war, weil er angeblich eine Zwölfjährige über Facebook sexuell belästigt hatte. Hauptangeklagte in diesem Fall sind die Eltern des Mädchens, Nadine (31) und Karl-Heinz H. (39) sowie Sven L. (26), sein Arbeitskollege. Michael H. (42) ist wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung angeklagt.

Drei junge Frauen sagten am Donnerstag aus – alle drei der Familie H. verbunden und alle drei wichtige Zeuginnen, die die Hauptangeklagten belasten. Die eine, 16 Jahre alt, hat am fraglichen Abend alle drei vor der Tat in der Nähe des Tatorts gesehen, als sie mit ihrem 18-jährigen Freund an der Inde spazieren ging. Der wiederum – ebenfalls als Zeuge geladen – verweigerte die Aussage, weil er mit zwei der Angeklagten verwandt ist: Er ist Sohn von Michael H. und Neffe von Karl-Heinz H. Die Verhandlung verfolgte der Junge am Donnerstag trotzdem – als Zuschauer.

Der zweiten Zeugin, 23 Jahre, hatte Nadine H. am Abend der Tat versehentlich folgende Whatsapp-Nachricht geschickt: „Hier sind zu viele Leute, ich lotse den woanders hin...“. Ansonsten wenig Erhellendes, viele Widersprüche und Tränen, als sie Nadine H., die für sie wie eine große Schwester ist, als „einen der nettesten Menschen, die ich kenne“ bezeichnete. Drogen- und Alkoholkonsum der Angeklagten? Keine Ahnung. Das sei ja alles schon etwas länger her.

Die dritte Zeugin, 17 Jahre alt, berichtete demgegenüber sehr detailliert aus dem Leben der Familie H. – sie ist die Nichte von Karl-Heinz H. und Michael H. Freimütig erzählte sie vom täglichen Drogenkonsum der Eheleute, von „Onkel Heinis“ Hang zu Hochprozentigem und zu Gewalt, von der immer wieder Spuren bei Nadine zu sehen gewesen seien. Auch die Morddrohungen, die ihr Onkel auf Facebook gegen das Opfer gepostet hatte, kennt sie.

Der nächste Verhandlungstermin ist am 15. März.

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