Mechernich - Quelle-Fertighaus von 1965 steht jetzt im Freilichtmuseum

Quelle-Fertighaus von 1965 steht jetzt im Freilichtmuseum

Von: Gudrun Klinkhammer
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Der Transport war eine Hürde: Nun aber steht das Quelle-Fertighaus im Freilichtmuseum in Kommern. Es ist Teil der Reihe „Marktplatz Rheinland“ und eine ganz neue Herausforderung für die Museumsmitarbeiter und -schreiner. Foto: Gudrun Klinkhammer

Mechernich. Wer wollte, der konnte sich im Quelle-Katalog einfach ein Haus bestellen. Was 1965 neu war, in Pulheim-Stommelerbusch zu stehen kam und ohne Keller und Kamin 48.500 Mark kostete, wird derzeit im LVR-Freilichtmuseum in Kommern aufgebaut.

In der dortigen Baugruppe „Marktplatz Rheinland“ hat das eigenwillige Gebäude, das ohne Zweifel Bau- und Zeitgeschichte schrieb, nun einen neuen dauerhaften Platz. In der Baugruppe werden derzeit Gebäude der neueren Zeit aufgebaut wie beispielsweise ein Flüchtlingscontainer der 90er Jahre aus Titz.

Josef Mangold, Leiter des Freilichtmuseums, hat sichtlich Spaß an diesen Zeitzeugnissen. Vorsichtig streicht er über Möbel, die im Quelle-Haus Einzug halten, derzeit aber noch in der Schreinerei des Museums aufgearbeitet werden. Mangold sagt: „Wir müssen lernen, mit diesen neueren Materialien umzugehen.“ Museumsarchitekt Volker Kirsch pflichtet ihm bei. Er dirigierte den Abbau und betreut den Aufbau des Hauses. „Wir erleben mit derartigen Projekten ganz neue Bauaufgaben, vom Fachwerk sind wir ja diesmal weit entfernt“, sagt er.

Ist das überhaupt ein Haus?

Es handelt sich beim Grundmaterial eben nicht um Vollholz, wie es bei den Möbeln in vielen alten Fachwerkhäusern im Kommerner Museum der Fall ist, sondern beispielsweise um aufgeklebte Resopalplatten. Der Restaurator der Einrichtung analysiert den Kleber, um ein adäquates Klebematerial zu finden. „Nichts darf verwendet werden, was dem Material womöglich Schaden zufügen könnte“, sagt Mangold.

Nicht nur das Haus mit seinen teilweise einfach und teilweise doppelt verglasten Aluminiumfenstern begeistert die Mitarbeiter im Museum, sondern auch die Geschichte der Menschen, die darin lebten. Das Gebäude aus dem Katalog orderte 1965 ein Ehepaar. Mit dem Bauamt musste eine Diskussion geführt werden, ob es sich bei einem derartigen Objekt überhaupt um ein richtiges Haus handelt und wenn ja, um was für ein Haus. Nach der Auslieferung des Gebäudes mit seinen fünf Zimmern, mit Küche, Diele, Bad und Keller starb der Mann 1969. Die Kinderzimmer blieben leer, die Bauherrin lebte bis vor einigen Jahren in dem Gebäude, allein. Sie veränderte baulich daran nichts, selbst die Lichtschalter sind noch original. Als auch sie starb, landete der größte Teil der Inneneinrichtung auf dem Sperrmüll, zum Bedauern von Mangold. „Einzig ein Sessel konnte erhalten werden, weil eine Nachbarin der Frau dieses Möbelstück vom Sperrmüllberg wegnahm und uns später zur Verfügung stellte.“

Also suchten die Mitarbeiter des Museums nach original Ersatzmöbeln und fanden sie in Köln. Möbel aus der Zeit um 1965 in Bonbon-artigen Pastelltönen, die den ursprünglichen Quelle-Möbeln entsprechen. Original sind im Haus die Tapeten, die Fliesen, die Kleiderhaken und der große Einbauschrank, der als Raumteiler dient.

Andrea Kruth, Schreinermeisterin im Museum, arbeitet diesen eingebauten Wandschrank mit sehr viel Fachwissen auf. Kleine Schadstellen füllt sie mit Wachskitt, große Schadstellen werden mit teilweise neuen Furnierstücken ausgebessert. „An diesem Gebäude erkennt man den Versuch, die damals modernste Technik so kostengünstig wie möglich unter das Volk zu bringen“, sagt Mangold. Die Innenwände bestehen aus Spanplatten mit Dämmkern, eine derzeit durchaus noch haltbare Technik. „Was allerdings die Alufenster angeht: Da kriegt heutzutage jeder Energiesparer einen Herzinfarkt“, sagt Mangold.

Winfried Küpper ist der Ausstellungstechniker. Ihm obliegt letztendlich die Lichttechnik und die multimediale Ausstattung. Was für ihn wichtig war: „Leitungen für die multimedialen Elemente wie für die Bildschirme, die im Quelle-Fertighaus für die Besucher Informationen bereithalten, mussten verlegt werden, ohne die Substanz des Hauses zu zerstören.“ Als spannend erwies sich auch der Transport des Gebäudes. Mit einer Breite von 7,39 Metern ist das Konstrukt breiter als jede Kreisstraße. Mangold sagt: „Und erst der Lövenicher Tunnel mit seiner warnenden Technik bildete eine ganz spezielle Hürde.“ Doch sämtliche Hürden wurden genommen.

Eine weitere Besonderheit, auf die der Museumsdirektor besonders stolz ist: In der Garage des Quelle-Hauses wird ein Ford Taunus P 5 stehen, den der ehemalige Hausbesitzer tatsächlich einmal fuhr.

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