Psychiaterin: Heckhoff ist ein „klassischer Psychopath”

Von: Stephan Mohne
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Ausbrecherprozess
Der Gefängnis-Ausbrecher Michael Heckhoff hat sich in seinen mittlerweile 33 Haftjahren nach Einschätzung einer Gutachterin nicht gebessert. Heckhoff habe aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur weiterhin die Veranlagung, erhebliche Straftaten zu begehen, sagte die Psychiaterin Rauch vor dem Aachener Landgericht. Foto: dpa

Aachen. Die vergangenen 33 seiner 51 Lebensjahre hat Michael Heckhoff die Welt durch Gitterstäbe gesehen. Nur elf Monate war er „zwischendurch” insgesamt auf freien Fuß. In diesen elf Monaten überfiel er drei Banken und nahm mehrere Geiseln.

Und auch in Haft war er alles andere als ein netter Mensch. An verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten versuchte er auszubrechen, plante Ausbrüche, nahm Geiseln. Am Ende stand bekanntlich der Aubruch aus der JVA Aachen vor einem Jahr mit Peter Paul Michalski - ebenfalls mit Geiselopfern während der Flucht.

Unter anderem wegen dieser Kriminalitätsvita sowie etlichen älteren Gutachten und eigenen Untersuchungen ist Dr. Annette Rauch zu dem Ergebnis gekommen: Dieser Mann ist nach wie vor gewaltbereit. Dieses Fazit einer „negativen Rückfallprognose” zog die Psychiaterin als „Hauptgutachterin” Heckhoffs am Montag im Prozess um den Ausbruch.

„Klare Verharmlosung”

Im Grund geht es dabei darum, ob Heckhoff weiter in Sicherungsverwahrung gehört. Eine Frage, die die 45-jährige Expertin deutlich mit Ja beantwortet. Die Gründe, die Heckhoff für seinen Ausbruch angeführt hat, lässt die Psychiaterin so denn auch nicht gelten. So hatte Heckhoff angegeben, aus Frust über die Behandlung im Gefängnis - unter anderem die geringe Zahl der Ausführungen - geflohen zu sein.

Derlei Begründungen habe es aber bei den früheren Taten auch immer gegeben, so Rauch. Und auch die Einlassung von Heckhoff und Michalski, sie hätten sich verabredet, keine Gewalt anzuwenden, sei eine „klare Verharmlosung”. Dass niemand habe zu Schaden kommen sollen, sei schließlich auch „gründlich misslungen”, auch wenn die Geiseln keine körperlichen Blessuren davongetragen hätten. Rauch: „Das Ausmaß der Angst wird dabei allerdings verkannt.” Und dass Heckhoff mit einer scharfen Waffe auf der Flucht gewesen sei, zeige ebenfalls die Gewaltbereitschaft. Äußerungen, die Heckhoff als Zuhörer bisweilen mit einem Kopfschütteln oder ablehnenden Kommentaren quittierte. Sein Anwalt Rainer Dietz wird am Donnerstag die Psychiaterin dazu befragen.

Anti-sozialer Charakter

Rauch hatte zu Beginn ihrer Ausführungen Heckhoff als - im fachlichen Sinne - „klassischen Psychopathen” bezeichnet. Und dies an Ergebnissen anerkannter Standarduntersuchungmethoden festgemacht. Die Tests hätten klar ergeben, dass Heckhoff in seiner Persönlichkeitsstruktur unter anderem impulsiv, oberflächlich, egozentrisch, selbstüberschätzend, launisch und manipulativ sei. Auch wenn er versuche, sich im Prozess mit seiner lockeren Art eher ein „Lausbubenimage” zu geben, so sei sein Charakter doch von anti-sozialem Verhalten geprägt. Sollte das Gericht solchen Einschätzungen folgen, wird Heckhoff wohl noch deutlich mehr als die bisherigen 33 Jahre die Welt durch Gitterstäbe sehen.
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