Prozess um Bruder-Drama in Baesweiler: Geständnis abgelegt

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Baesweiler. Das Geständnis von Maurice D. (23) kam zögernd, aber es kam. Im Saal des Aachener Schwurgerichts mit dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl war am Dienstag leises Schluchzen aus den Reihen der Familie des Angeklagten zu hören.

Als der zurückhaltende und eher depressiv wirkende Maurice die Tat am späten Abend des 29. Juli im Baesweiler Elternhaus der Familie D. schilderte, herrschte völlige Stille.

Ganz normale Familie

Einfach erschütternd wirkte der Ablauf des Bruder-Dramas in einer ganz normalen Familie. „Ich habe ihn gehasst, jedenfalls in dem Moment”, hauchte Maurice D. auf die Frage nach dem Motiv des Mordversuchs. Staatsanwalt Ralf Bücker hatte Heimtücke festgestellt, also juristisch Mordversuch und nicht versuchter Totschlag. Das Motiv des jüngeren Bruders war, so gestand er, blanker Hass - resultierend aus einer langjährigen Unterdrückung durch den Älteren, der als aufbrausend, ungerecht und anmaßend geschildert wurde.

Die Brüder lebten in dem Elternhaus räumlich getrennt, der 23-Jährige im Souterrain, der 27-Jährige unter dem Dach. Maurice D. kocht gerne. Er habe sich kurz vor 23 Uhr ein Rührei in der Küche gemacht. Wie zuletzt beinahe täglich hatte er auf seiner Konsole gespielt. „Spiele aus den 80ern mit Pflanzen und mit Münzen”, erläuterte er. Am frühen Abend hatte er sich im Supermarkt sieben Flaschen Bier besorgt. Er trank viel in letzter Zeit, zu viel, wie seine Freundin berichtete.

Ein abschätziges „Juffi”

Wie der Zufall es wollte, trafen sich die beiden im Haus. Ein abschätziges „Juffi” habe der Ältere ihm zugerufen und sei nach oben gegangen, das war genau „wie er immer so ist”, sprach der angeklagte leise. Dann wird die Erinnerung flacher. Er habe in die Küchenschublade gegriffen und „so ein Fleischermesser” herausgeholt, Klingenlänge etwa 20 Zentimeter. „Haben Sie auch Gabel und Messer für das Rührei herausgenommen?”, wollte Nohl wissen. „Muss ich wohl”, meinte er, war sich aber nicht sicher.

Dann ging er in sein Kellerzimmer. Das habe ihn alles so wütend gemacht, dass der Bruder „immer so fies zu ihm” gewesen sei. So machte er spontan die Türe auf und schrie „Schwuchtel” nach oben. „Ich wollte ihn einfach mal beleidigen, so wie er mich”. Ja, er habe damit gerechnet, dass der Bruder wutentbrannt herunterkomme. Der tat das, stieß mit großer Kraft die klemmende Eisentüre zum Zimmer des jüngeren Bruders auf und sah sich sofort einer wütende Messerattacke ausgesetzt. „Der stach sofort zu”, berichtete der inzwischen äußerlich wiederhergestellte Sascha D. dem Gericht. 14 Stiche erlitt er, sieben davon in lebensgefährliche Bereiche wie Bauch und Arterien. Die Mutter war inzwischen alarmiert, ging dazwischen, Sascha D. konnte sich die Treppe hinauf retten.

„Der Notarzt kam sehr schnell, dem habe ich mein Leben zu verdanken”, sagte Sascha D. Er habe ein „ganz normales Verhältnis” zu seinem Bruder gehabt, von Unterjochung oder von Ärgern des Kleineren sei keine Rede gewesen.

Die Eltern schweigen

Ob er mit dem Luftgewehr auf seinen Bruder geschossen habe, wollte das Gericht wissen. Das soll eine der vielen „Mobbereien” des unruhigen und aufbrausenden älteren gegen den ruhigeren jüngeren Bruder gewesen sein. Nein, habe er nicht, erklärte Sascha D.

Die Freundin des Angeklagten, die 20-jährige Janine C., bestätigte allerdings, dass Sascha D. ihren Freund bis zur Weißglut geärgert habe. „Dabei ist er so ein lieber und geduldiger Mensch”, sagt sie unter Tränen. Die Zeugin ließ sich durch die Hintertüre in den Saal führen, weil sie Sascha D. nicht begegnen wollte.

Mutter und Vater der Brüder hatten bereits am ersten Tag von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, das nahen Anverwandten zusteht. Der Prozess geht am Donnerstag im Aachener Landgericht weiter.
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