Prozess gegen Rocker unter schwierigen Vorzeichen

Von: Wolfgang Schumacher
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Das Ende der in Aachen verbotenen Bandidos: Aus der Zeit vor dem Verbot von 2012, als Polizisten das Logo der Rockerbande am Vereinsheim abmontierten, müssen sich vier Rocker wegen schweren Raubes vor dem Aachener Landgericht verantworten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bereits im März 2010 deuteten sich harte Auseinandersetzungen im Rockermilieu in der Region an. Doch erst jetzt stehen vier Angeklagte wegen schweren Raubes und Körperverletzung vor dem Aachener Landgericht.

Die Männer werden den Bandidos zugeordnet, einer Rockerbande. Sie sollen laut der am Dienstag vor der 7. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Matthias Quarch) verlesenen Anklage am Abend des 12. März 2010 einen Mann in Aachen schwer drangsaliert und dann beraubt haben.

Dem Opfer hätten die vier Angeklagten im Alter zwischen 46 und 51 Jahren unterstellt, er wolle sich der in Aachen nicht geduldeten Konkurrenz-Gruppierung Hells Angels anschließen und dafür Mitglieder werben. Weil er das getan habe, sollen die vier Angeklagten das Opfer in eine Wohnung bestellt und wechselweise auf den Mann eingeschlagen haben. Mit Tritten in die Kniekehlen brachten sie ihn zu Boden und traktierten ihn dann mit Fäusten. Sie nahmen ihm sein Handy ab und bauten aus seinem Auto das Navigationssystem aus, wahrscheinlich um Routen und Adressen zu vernichten. Das ist jedenfalls der Anklagevorwurf, der durch die Aussage des Opfers am kommenden Prozesstag, dem 2. Oktober (Beginn um 8 Uhr), erhärtet werden soll.

Der erste Prozesstag gestaltete sich am Dienstag schwierig, die Sicherheitsvorkehrungen von Justiz und Polizei waren hoch. Da die Tat bereits mehr als vier Jahre zurückliegt, soll der Prozess schnell beendet werden. Denn zwei der Angeklagten befinden sich im letzten Drittel einer zu verbüßenden Haftstrafe in anderer Sache, sie sind bereits Freigänger.

Der vorliegende Fall ist womöglich der Ausgangspunkt einer Reihe von Übergriffen und Vorfällen, die vor nicht allzu langer Zeit zu erheblichen Polizeieinsätzen in Aachen und Jülich geführt hatten. So musste erst im Juni 2014 eine Shisha-Bar vor einer Bande von Motorrad-Rockern geschützt werden, jüngst gab es einen Überfall auf einen Kiosk in Aachen. Kurz danach war es im Aachener Ostviertel zu einer Schießerei mit drei Verletzten gekommen. Die Polizei nimmt eine Auseinandersetzung rivalisierender Straßen- oder Rockerbanden um das Erbe der Bandidos an, denn 2012 war das Aachener Chapter der Bandidos vom nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger (SPD) verboten worden. Seitdem drängen aber offenbar nicht zuvorderst die Hells Angels in die Aachen-Dürener Region, sondern mehrere Straßenbanden.

Die Disco in Geilenkirchen

Bereits 2011 eskalierten die Auseinandersetzungen von Bandidos und Hells Angels, als etwa 20 Mitglieder der Bandidos und ihrer Untergruppen Chicanos und Diabolos vor einer Diskothek in Geilenkirchen vorfuhren und dort das sogenannte Türstehergeschäft von den Hells Angels übernehmen wollten. Die Betreiber informierten die Polizei, sieben Rocker wurden damals verurteilt.

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