Lüttich - Prominenz bei Gedenkfeier: Elio, Joakim Gook und der König

Prominenz bei Gedenkfeier: Elio, Joakim Gook und der König

Von: Angela Delonge
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Aufruhr hinter der Absperrung: Alle wollen ein Foto von den Staatsoberhäuptern und den Royals. Doch leider bleiben die Fenster der Limousinen geschlossen – bis auf eins.
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Gesten der Erinnerung auf der Place Saint Lambert in Lüttich: Ein modernes Gemälde zeigt Krieg und Versöhnung. Foto: Michael Jaspers
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Uniformiert wie 1914: Mitglieder des Königliches Museums für Kriegsgeschichte haben in der Innenstadt ein Feldlager nachgebaut.

Lüttich. Es ist 12 Uhr mittags, als an der Gedenkstätte im Lütticher Stadtteil Cointe die Eurovisionshymne erklingt. Die offizielle Zeremonie zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg ist vorbei, die Staatschefs und gekrönten Häupter sind eine Viertelstunde in Verzug.

Es wird noch weitere 15 Minuten dauern, bis die erste Polizeieskorte mit einem gepanzerten Wagen im Schlepptau vor dem Provinzpalast vorfährt, wo die Staatsgäste gemeinsam zu Mittag essen werden.

„Ist es Elio?“ fragen die Leute, die schon über eine Stunde hinter den Absperrungen warten und als erstes Belgiens Premierminister Elio di Rupo erwarten. Nein, es ist der Gouverneur. Wann kommt denn der König? König und Königin kommen natürlich vor den anderen Gästen, sie sind schließlich die Gastgeber. So schießen die Vermutungen ins Kraut, so vertreibt man sich die Zeit, während Limousine um Limousine vorfährt. Was die Herrschaften wohl essen werden? Fromage de Herve und Frites belges natürlich, witzeln die Experten.

Dann kommt er, der schwarze BMW mit der Nummer 1 – im Fond sitzen der belgische König und die Königin. Jubel bricht aus, Fähnchen werden geschwenkt, König Philippe lächelt und winkt, Mathilde in hellblau ist kaum zu sehen, sie sitzt auf der falschen Seite.

„Tapferes kleines Belgien“ hatte der junge Monarch sein Land am Vormittag noch einmal genannt – in Erinnerung an das Motto der großartigen Unterstützung durch die Alliierten während des gesamten Kriegs. Es gab wohl niemanden unter den tausenden Menschen, die die Gedenkzeremonie auf der Place Saint Lambert in der Innenstadt auf zwei Großleinwänden verfolgten, den diese Worte kalt gelassen hätten.

Mit den Worten seines Urgroßvaters, König Albert, hatte Philippe an den Einmarsch der deutschen Truppen am 4. August 1914 erinnert: „Wenn wir uns der Invasion unserer Heimaterde widersetzen und unsere bedrohten Heime verteidigen müssen, dann stellen wir uns dieser Aufgabe – so schwer sie auch sein mag – mit Waffen und zu den größten Opfern entschlossen.”

Und wie sie Widerstand geleistet haben, die Belgier. Ja, sie sind stolz darauf, sich damals gegen die Invasoren aus dem Nachbarland erhoben zu haben. Allen voran die Lütticher, die den Vormarsch der deutschen Truppen nachhaltig bremsten, auch wenn es sie Menschenleben und unendliches Leid kostete. Dass Großväter und Großonkel von hier Anwesenden in dieser Schlacht um Lüttich gekämpft haben, gibt dem Tag eine besondere Tiefe.

Die Erinnerung an 1914, die wird an einem Tag wie Montag wieder lebendig, sei es durch das auf der Place Saint Lambert nachgebaute Feldlager mit Suppenküche und Kanonen oder durch Musikkorps, die die Stadt mit Marschmusik erfüllen. Auch ein mitten auf dem Platz ausgebreiteter 20 mal 20 Meter großer, bunter Teppich erinnert an den Krieg. Er ist das Spielfeld für ein Trivial Pursuit mit dem Titel „La grande guerre 1914-18“. 330 Fragen zum Thema, ausgedacht von der Provinz Lüttich. Es soll das größte Spielfeld der Welt sein, man will damit ins Guinness Buch der Rekorde. Zu kaufen gibt es das Spiel auch – in klein für 26 Euro. Und dann das großformatige Gemälde, das wieder und wieder fotografiert wird. Darauf blutjunge, ahnungslose Kerle, die in den Krieg ziehen, ein Paar, das sich mit innigem Kuss verabschiedet. Eine Erkennungsmarke mit den grausigen Details eines Krieges. Darunter die Flaggen der damaligen Kriegsländer, verbunden in einem einzigen bunten Banner.

Doch was ist da los vor dem Provinzpalast? Die Kolonne stockt, die Sicherheitsleute werden nervös, springen aus dem schwarzen Audi. „Pauline“, ruft eine Frau ihrer Tochter zu, „bereite dich auf Hollande vor!“ Pauline hat die Kamera im Anschlag, aber nichts ist los, außer dass Monsieur Hollande die Panzerglasscheibe seines Fahrzeugs – kein Citroën, wie bedauernd bemerkt wird – heruntergelassen hat und fröhlich „Bonjour“ in die Menge ruft. Großer Applaus, die Belgier scheinen den französischen Staatspräsidenten zu mögen. Mit Recht: Keiner der anderen VIPs traut sich soviel.

Die Kolonne bewegt sich wieder, und der Bundespräsident von „Dööötschland“ fährt vorbei – Fenster geschlossen. Pauline findet, dass ist kein Foto wert. Joakim Gook, wie er im frankophonen Raum heißt, winkt und lächelt, aber nein, er bekommt leider überhaupt keinen Applaus, obwohl er heute eine schwierige Aufgabe gut gemeistert hat. Gauck hat die deutsche Verantwortung für den Ersten Weltkrieg anerkannt, eine formale Entschuldigung aber ausgelassen.

Es folgt – Fenster geschlossen –das frischgebackene spanische Königspaar Felipe und Laetitia. Und dann kommen endlich die, auf die eigentlich alle gewartet haben: der Herzog und die Herzogin von Cambridge, besser bekannt als William und Kate. Auch sie lassen die Fenster geschlossen, Prinz William lächelt und winkt, Herzogin Kate ist kaum zu sehen, sie sitzt auf der falschen Seite. Arme Pauline!

Kate trägt ein hochgeschlossenes Mantelkleid in weiß, so wie die Rosen, die den Kranz schmückten, den König Philippe am Alliiertendenkmal niederlegte. Jeder der anwesenden Staatsgäste hatte zuvor eine einzelne weiße Rose in den Kranz gesteckt. Weiß als Zeichen des Friedens. Eine schöne Geste.

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