Prominenter Preisträger für ein breiteres Publikum

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Karlsmedaille
Die Karlsmedaille geht in diesem Jahr an den ESC. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Aachener Karlsmedaille geht in diesem Jahr an den Eurovision Song Contest (ESC). „Warum nicht einmal die europäischste aller Veranstaltungen auszeichnen?“, fragte Michael Kayser, der Vorsitzende des Trägervereins „Médaille Charlemagne“, am Montag bei der Bekanntgabe im Aachener Rathaus.

Die Sendung verbinde die Völker in Europa wie keine zweite. Und genau das will die Karlsmedaille oder genauer die Médaille Charlemagne pour les Médias Européens: Menschen oder Institutionen auszeichnen, die sich auf dem Gebiet der Medien um den Prozess der europäischen Einigung verdient gemacht haben. „An diesem Abend verschwinden Grenzen.“

Es sei jedes Mal eine Herausforderung, einen Preisträger zu finden, sagte Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums – das gelte sowohl für den Karlspreis als auch für die Karlsmedaille. In diesem Jahr habe man ganz bewusst etwas anders machen wollen. Denn in der breiten Masse hat der ESC sicher eine andere Wirkung als beispielsweise der Name der Preisträgerin des vergangenen Jahres, Dunja Mijatovi , OSZE-Beauftrage für Medien.

Man wisse ja, sagte Linden ganz offen, dass der Karlspreis in der breiten Bevölkerung keinen großen Bekanntheitsgrad genieße. Mit der Medaille sollte das anders sein, besonders in diesem Jahr. „Wir haben die Chance, mit dieser Verleihung ein breites Publikum zu erreichen“, sagte Linden dann auch. 2014 sahen 195 Millionen Menschen den Gesangswettbewerb, der seit 1965 ausgetragen wird. Wenn man auch nur einen Bruchteil davon erreichen könne, wäre das ein großer Erfolg, sagte Linden. Ein Erfolg für die europäische Botschaft, aber auch für die Karlsmedaille, die mit einem berühmten Preisträger vielleicht bekannter wird. Man erwarte ein großes Echo in der Bevölkerung.

Mit prominenten Namen auf der Gästeliste kann das sicher gelingen. Die Laudatio auf den ESC hält passenderweise Abba-Sänger Björn Ulvaeus, der mit seinem Privatjet einfliegt. Nicole, die deutsche ESC-Gewinnerin des Jahres 1982, wird als Ehrengast kommen. Ihr Siegerlied „Ein bisschen Frieden“ würde auch heute noch passen, sagten Linden und Kayser halb scherzend, halb ernst. Conchita Wurst könne leider nicht, sagte Kayser. Sie gebe an dem Abend ein Konzert in Zürich. Entgegennehmen wird die Medaille am 28. April im Aachener Rathaus übrigens Ingrid Deltenre, Generaldirektorin der European Broadcasting Union, die den Wettbewerb veranstaltet.

Natürlich hätte man auch jemanden auszeichnen können, der sich in der aktuellen Flüchtlingsdebatte verdient gemacht habe, sagte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU). Aber „Europa darf auch Spaß machen“. Und so habe man bewusst etwas Positives, etwas Identitätsstiftendes auszeichnen wollen – gerade in der Zeit, in der Europa so vieles trennt. „Eine bessere Gelegenheit, unsere Nachbarn näher kennenzulernen als beim ESC, gibt es selten.”

Auch wenn der ESC inzwischen häufig belächelt wird, ist er eine Größe in Europa. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier beschrieb die Faszination vor einigen Jahren: Man könne sehen, wie sich Künstler aus verschiedenen Ländern präsentieren. „Und während der Punktevergabe kann man auch noch spekulieren, warum wer wem Punkte gab, und was das wiederum über Europa aussagt.“

Kayser hat noch Hoffnung für die EU: „Wenn sich ganz Europa auf Conchita Wurst als Siegerin einigen konnte, dann ist doch alles möglich, oder?“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert