Maastricht - Projekt „Shelter City“: Maastricht bietet Unterschlupf

Projekt „Shelter City“: Maastricht bietet Unterschlupf

Von: Lee Beck
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Für kurze Zeit in Sicherheit: Der 35-jährige Menschenrechtsaktivist Nimubona aus Burundi ist derzeit in Maastricht. Foto: Beck

Maastricht. Richard Nimubona könnte ein Student sein. So richtig fällt er nicht auf in dem College-Sweatshirt, als er in der Uni am Computer sitzt und auf Facebook surft. Immer wieder grüßen ihn vorbeilaufende Studenten. Nimubona lacht und grüßt zurück.

„Ich bin froh“, sagt er, denn er kann eine Pause machen. Eine Pause von Gewalt, Verfolgung, Unterdrückung. Als Menschenrechtsaktivist hat der 35-Jährige in Bujumbura, der Hauptstadt Burundis, kein einfaches Leben. Er steht unter ständigem Druck, dass eben dieses Leben ihm genommen werden kann. Das „Shelter City“-Projekt in Maas­tricht gibt ihm die Möglichkeit, sich für drei Monate an einem sicheren Ort zu erholen.

Das Projekt „Shelter City“ (Unterschlupf) gibt es seit 2012 in den Niederlanden. Die Organisation „Justice and Peace“ (Gerechtigkeit und Frieden), will damit Menschenrechtsaktivisten schützen, die in ihren Heimatländern bedroht sind. Den Haag ist eine „Shelter City“ genauso wie Middelburg, Utrecht, Nijmegen und nun auch Maastricht. Nimubona ist der erste Aktivist in Maastricht, der Zehnte in den Niederlanden.

„Die Stadt suchte nach einer Möglichkeit, die Gesellschaft in Maas­tricht über Menschenrechte aufzuklären und sie zu informieren“, sagt Guuf van Zwoll, Projektverantwortlicher bei „Justice and Peace“. Drei Monaten ist Nimubona in den Niederlanden, trifft Menschenrechtsaktivisten, Politiker, lernt Nicht-Regierungsorganisationen kennen. Dann kehrt er nach Burundi zurück, um weiterzuarbeiten – ausgestattet mit neuem Wissen und Netzwerken.

In Maastricht ist er schon bekannt – zumindest unter den Studierenden. Er erzählt seine Geschichte in vielen Seminaren, wer er ist, was er als Menschenrechtsaktivist macht. Burundi liegt südlich von Ruanda. Die Welle der Gewalt des grausamen Völkermordes an den Tutsi 1994 schwappte auch auf Burundi über und kostete rund 250.000 Menschen das Leben.

Erst 2006 wurde die Friedensoperation der Vereinten Nationen beendet. Nimubona hilft Menschen, die verhaftet wurden. Er besorgt ihnen einen Anwalt, spricht mit Botschaften und Behörden, versucht sie zu schützen. „Wir versuchen ihnen wieder ein Leben zu geben“, sagt Nimubona. Auch um Kinder, deren Eltern verhaftet wurden, kümmert er sich. Außerdem versuchen Nimubona und seine Kollegen, Menschenrechte mit Workshops in den Köpfen der burundischen Gesellschaft zu verankern.

Richard Nimubona hat Schutz gesucht, weil in Burundi im Mai und Juni Wahlen anstehen. Oppositionelle werden als „Staatsfeinde“ unterdrückt. Es gibt Gerüchte über eine geheime Todesliste. Die Organisation Human Rights Watch berichtet von Verschleppungen, Folter, willkürlichen Inhaftierung und außergerichtlichen Hinrichtungen. Nimubona wollte den unterdrückten Menschen helfen und erhielt selbst Gewaltandrohungen. „Ich wurde auch schon verhaftet und befragt“, sagt er.

Der 35-Jährige will die Geschichte seines Landes in die Welt hinaustragen. Jetzt ist er in temporärer Sicherheit, kann durchatmen. Doch seine Frau und seine zehn Monate alte Tochter konnte er nicht mit in die Niederlande nehmen. Trotz der großen Gefahr ist Nimubona aber überzeugt, dass seine Arbeit richtig ist. „Ich muss zurück, um weiterzukämpfen.“

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