Aachen / Düren / Heinsberg - Problem: Paketdienste in der City

Problem: Paketdienste in der City

Von: Angela Delonge
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Die Folgen des Onlineshopping: Was dem einzelnen Verbraucher nützt, zieht für die Allgemeinheit größere Probleme nach sich. Kurierdienste parken in zweiter Reihe und verstopfen die Straßen. Foto: Michael Jaspers

Aachen / Düren / Heinsberg. Die Paketdienste jubeln. Die Kommunen nicht. Während die Zustellbranche durch den Boom beim Onlineshopping ihre Umsätze kräftig steigert, müssen die Kommunen mehr oder weniger hilflos dem Niedergang des Einzelhandels in ihren Innenstädten zusehen.

Und auch noch die zunehmenden Verkehrsprobleme ertragen, die durch in zweiter Reihe geparkte Lieferfahrzeuge entstehen. Das Dilemma ruft Politiker auf den Plan, die nach Lösungen suchen, mit denen alle Beteiligten leben können.

So fordert der stellvertretende Landesvorsitzende der SPD-Fraktion, Jochen Ott, als eine Möglichkeit, „die Kosten des Transports zu internalisieren“. Seiner Meinung nach müsste zum Beispiel der Preis für ein einzeln im Internet bestelltes Paar Schuhe höher sein als für mehrere. Die direkte Zustellung zum Endverbraucher dürfe nicht zu billig sein, sagte Ott gegenüber unserer Zeitung: „Der Einzelhandel geht kaputt, und wir haben mehr Verkehr als je zuvor.“

Zumal zukünftig auch noch der Lieferverkehr von Supermärkten zum Endverbraucher verstärkt hinzukomme. „Das alles bringt für den einzelnen Verbraucher großen Nutzen, für die Allgemeinheit aber auch große Probleme.“

Ursache Onlineshopping

Auch NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) weiß um die Probleme mit den Paketdiensten in den Innenstädten. Der Ruf nach Gesetzen laufe aber ins Leere. „Neue Gesetze können das nicht regeln“, betont Angela Gareis, Sprecherin im Verkehrsministerium, auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Probleme müssen vor Ort gelöst werden“, sagt Gareis und verweist auf das Ordnungsrecht, das die Kommunen voll ausschöpfen könnten. So hätten Städte und Gemeinden neben den ordnungsrechtlichen Sanktionen gegen Zweite-Reihe-Parker die Möglichkeit, zeitlich beschränkte Einfahrtzeiten zu verhängen.

Sollen die Paketdienste also raus aus der City? Keineswegs, aber es müssen auch in dieser Hinsicht neue Mobilitätskonzepte für die Städte her. Das können zum Beispiel sogenannte Verteilcenter vor Ort sein. Die Lieferungen werden dort vorsortiert, überflüssige Fahrten somit vermieden. Intelligente Koordination und freiwillige Kooperation – das sind die Stichworte für zukünftige Lösungen.

Manchmal heißt das Zauberwort aber auch Kommunikation. In Stolberg löst man damit zum Beispiel die wenigen Probleme mit Paketdienstfahrern in der zweiten Reihe. Darüber hinaus setzt die mit 57.000 Einwohnern drittgrößte Stadt in der Region auch auf drastisch eingeschränkte Anfahrtzeiten für Lieferfahrzeuge in ihren Fußgängerzonen: 7 bis 11 Uhr, 13 bis 14 Uhr und 18 bis 20 Uhr.

Verständnis für die Nöte der Paketdienste haben auch die Dürener: „Natürlich“, sagt Sprecher Helmut Göddertz, „ist das Parken in zweiter Reihe eine Ordnungswidrigkeit, die geahndet wird.“ Doch es gehe hier ja auch um Geben und Nehmen. Die Ansage an die Kollegen im Außendienst sei, den Einzelfall zu betrachten und notfalls auch „mal ein Auge zuzudrücken“.

Lieferfahrzeuge von Paketdiensten in zweiter Reihe und in Haltverbotszonen – in Erkelenz sind solche Vergehen festzustellen, „aber kein Problem“, sagt Hans-Heiner Gotzen, Erster Beigeordneter der 44.000-Einwohner-Stadt. „Wir müssen uns vielmehr grundsätzlich mit dem Thema Verkehr und zunehmender Motorisierung auseinandersetzen.“

Ganz anders sieht es in Aachen aus, mit 260.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt in der Region. Da kommt es vor allem nachmittags stadtauswärts und vormittags stadteinwärts auf den großen Verkehrsachsen immer wieder zu „dramatischen“ Situationen wegen Parkens in zweiter Reihe. Das sagt der Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, Detlev Fröhlke. Deshalb werden die Aachener Politessen alle zwei Monate mal zu einem Sonderkontrollgang abgestellt. „Da sind dann vier bis fünf Damen an mehreren Tagen hintereinander zur Hauptverkehrszeit unterwegs und schreiben Knöllchen.“ Im vergangenen Jahr wurden in Aachen insgesamt 658 Verwarnungen wegen Parkens in zweiter Reihe erteilt. In diesem Jahr sind es schon 160.

Erst wenn eines Tages die Pakete per Drohne nach Hause kommen, dürfen sich alle wieder freuen.

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