Privatissimo: Geht's nicht auch eine Nummer kleiner?

Von: Sabine Rother
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Meldet sich bei der Veranstaltungsreihe „RWTH extern“ zu Wort: Satiriker Wendelin Haverkamp lädt zu „Privatissimo“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Er ist dem Wahnwitz auf der Spur, schaut bei Superhirnen ganz genau hin und schüttelt dort den Kopf, wo andere schnell euphorisch applaudieren: Der Aachener Satiriker Wendelin Haverkamp wagt sich erneut aufs glatte Parkett der Forschung: Raumschiff Hochschule trifft Aborigines.

Das „Raumschiff“ ist die RWTH Aachen. Der Ureinwohner? Er selbst – beim achten „Privatissimo“ im Rahmen der Reihe „RWTH extern“ am Mittwoch, 29. Juni, in Aachen. Unter dem Motto „MetaPhysik kann man alles erklären“ denkt Haverkamp laut nach und präsentiert interessante Gesprächspartner. Musikalisch abrunden werden den Abend Uwe Rössler und sein Tiffany-Ensemble sowie das Puppenkabarett „Pech & Schwefel“ aus dem Öcher Schängchen, die nicht vor einem Sketch zum Schadstoff-Analyse-Gerät „SAG“ zurückschrecken.

„Die wissenschaftliche Selbstkritik steht immer in Konkurrenz zum Fortschrittsdrang“, sagt Haverkamp. „Ich fordere dazu auf, wissenschaftliche Errungenschaften kritisch zu hinterfragen.“ Wo Fachblindheit droht, möchte er gemeinsam mit seinen Gästen humorvoll Augen öffnen, weiterdenken. Er fragt: Ist es wirklich sinnvoll, dass Schulabsolventen immer jünger werden? Schneller studieren? In einem Alter Karriere machen, in dem andere früher noch das Studentenleben erkundeten?

„Diesen Irrsinn werde ich mit Laura Witzenhausen diskutieren“, erzählt Haverkamp. Die Studentin im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen ist Gruppensprecherin der Studenten im Senat und Projektleiterin für Hochschulkommunikation im Lehrerreferat des Asta. „Sie ist sehr engagiert und hat eine Meinung, zum Beispiel zu den sogenannten Abiturscherzen, wie sie unter anderem in Köln aus dem Ruder gelaufen sind“, meint Haverkamp. Wie kommt es zu Gewalt und aggressivem Verhalten? Brauchen Jugendliche Psychologen, weil sie mit dem frühen G-8-Reifezeugnis nicht klarkommen? Und wie steht es um die 50-prozentige Abbrecherquote bei den Studienanfängern und die große Zahl der psychisch und physisch labilen Studenten?

Ein weiteres heißes Eisen: das Auto, die Mobilität, genauer gesagt die E-Mobilität. Hier kennt sich Gesprächspartner Lutz Eckstein aus, seit 2010 Direktor des Instituts für Kraftfahrzeuge (IKA) der RWTH Aachen, Mitglied der Nationalen Plattform Elektromobilität und Vorsitzender des Beirats der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen.

„Was haben wir uns in Zukunft unter dem automatisierten Fahren vorzustellen?“ fragt Haverkamp. „Vielleicht setzen wir uns irgendwann in ein Auto, das dann selbst bestimmt, wohin es rollt . . .“ Den „automatisierten Mobilschachteln“ steht er kritisch gegenüber und grübelt: „Wer profitiert vom gesteigerten Humbug?“ Dem Satiriker fällt nur eine Antwort ein: die Wirtschaft, die Firmen mit digitalem Angebot. Und wer hat die Verantwortung? Lutz Eckstein wird der Herausforderung begegnen, da ist Haverkamp sicher.

Den Sprecher der Stadt Aachen, Bernd Büttgens, wird er fragen, was sich hinter der heftig beworbenen „Plattform FutureLab Aachen“ verbirgt. „Eine Sache, die mir doch sehr aufgeblasen erscheint, ich bin noch nicht dahintergekommen, was das soll“, gesteht Haverkamp, der dem „Jargon von Werbeleuten“, kritisch gegenübersteht. Deshalb fragt er beim achten Privatissimo: „Gehte_SSRqs nicht auch eine Nummer kleiner, ohne disruptive Innovation?“ Was der Kabarettist am 29. Juni schaffen möchte: die Verbindung von Amüsement und Intellekt. Kurz: ein Programm zum Schmunzeln und Nachdenken.

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