Aldenhoven - Preisgekrönte Bäckerin rät: „Wer nicht probiert, weiß nicht, was gut ist“

Preisgekrönte Bäckerin rät: „Wer nicht probiert, weiß nicht, was gut ist“

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Häufchen für Häufchen ein schnelles Weihnachtsglück: Jacqueline Derichs verrät ein Rezept von ihrer Oma. Foto: Antonius Wolters

Aldenhoven. Jacqueline Derichs ist das, was man eine Naschkatze nennt. Zum Frühstück geht‘s schon los: Die 22-Jährige isst nicht etwa Müsli oder Vollkornbrot, nein, Jacqueline startet mit einer Kalorienbombe in den Tag. Denn für die zierliche Jacqueline aus Linnich-Ederen besteht das Leben aus Süßigkeiten.

Möglicherweise ist das der Grund, warum sie in diesem Jahr Nordrhein-Westfalens beste Nachwuchsbäckerin und -konditorin und die zweitbeste von ganz Deutschland geworden ist. Wenn so viel Leidenschaft auch noch auf Selbstbewusstsein trifft, kann daraus nur Bestes entstehen. Alles, was man zum Thema Süßigkeiten und Naschen wissen muss, hat sie unserer Redakteurin Angela Delonge verraten.

Frau Derichs, welche Rolle spielen eigentlich Teilchen in Ihrem Leben?

Derichs: Ohne Teilchen geht bei mir gar nichts. Mein Tag fängt mit einem Plunderteilchen an. Da geht die Nascherei schon los.

Was läuft denn da bei Ihnen mit dem Naschen?

Derichs: Eigentlich nasche ich den ganzen Tag – während der Arbeit, nach der Arbeit... Sobald ich etwas Süßes sehe, überkommt mich das Verlangen, es in den Mund zu nehmen. Ich muss mich wirklich immer wieder bremsen.

Weil Sie auf Ihr Gewicht achten wollen?

Derichs: Na ja, ich hatte in diesem Jahr fünf Kilo zugenommen, weil ich soviel genascht habe. Vor allem rohen Teig – das geht richtig auf die Hüften. Da ist so viel Fett und Zucker drin. Das ahnt man gar nicht. Zum Glück habe ich das wieder abgenommen. Da bin ich sehr stolz drauf. In diesem Jahr habe ich auch zum ersten Mal Süßigkeiten gefastet – mit Ausnahme von Nutella. Sonst hätte ich das nicht durchgestanden. Aber ich habe es geschafft.

Ein echtes Opfer?

Derichs: Absolut. Tatsächlich frage ich mich jetzt immer öfter, ess‘ ich das oder ess‘ ich das nicht? Aber oft ist das Verlangen einfach stärker. Manchmal aber auch nicht.

Was ist so schön am Naschen?

Derichs: Es schmeckt einfach alles so gut, schon der Teig ist die pure Verführung. Und wenn die Sachen dann warm aus dem Ofen kommen..., das ist im Mund noch mal ein ganz anderes Erlebnis. Es ist einfach genial, dass alles zu probieren. Außerdem muss ich immer mal bei den Kollegen vorbeigehen und testen, ob da auch alle Zutaten drin sind (lacht).

Welche Süßigkeit mögen Sie denn außer Teilchen noch?

Derichs: Am liebsten mag ich Herrentorte, die mache und die esse ich am liebsten.

Was ist das Besondere daran?

Derichs: Wir backen dafür fünf spezielle Böden, die werden hauchdünn mit Marzipan beschichtet, und dann mit Vanille-Weincreme bestrichen. Spezielle Gewürze machen diese Torte so besonders, zum Beispiel die Tonkabohne, die wie ein Bonbon schmeckt. Am Ende schlagen wir die Torte mit Marzipan ein und umhüllen sie mit Kuvertüre aus Bitterschokolade.

Hört sich gut an. Aber geht das auch ohne Alkohol?

Derichs: Eigentlich nicht, privat trinke ich gar keinen Alkohol. Aber in Pralinen und anderen feinen Konditorwaren ist Alkohol meistens der Clou.

Warum?

Derichs: Es ist die Kombination von Herbem und Süßem, die so gut funktioniert. Beides zusammen schmeckt einfach richtig gut und geht schnell ins Blut.

Also der perfekte Kick für einen kleinen Glücksmoment?

Derichs: Auf jeden Fall. Das nimmt den Stress weg. Man isst diese kleine Süßigkeit, obwohl man keinen Hunger hat. Nur so.

Kein Wunder, dass Naschen früher Sünde war. Kinder wurden bestraft, wenn sie genascht hatten. Können Sie sich das vorstellen?

Derichs: Dazu sage ich nur: Wer nicht probiert, der weiß nicht, was gut und was schlecht ist.

Sie haben es jedenfalls gut. Sie dürfen ja von Berufs wegen naschen.

Derichs: Ja, das ist bei uns Pflicht, aber es ist auch Freude.

Wir halten also fest: Die besten Süßigkeiten bestehen aus lauter ungesunden Sachen – Fett, Zucker und Alkohol.

Derichs: Genau.

Eine Frage aus Gesundheitsgründen: Was halten Sie von Süßigkeiten ohne all das?

Derichs: Gar nichts. Ein Gebäck oder eine Praline ohne Ei und Butter herzustellen, ist einfach eine andere Sache. Meiner Meinung nach schmeckt man sofort, ob gute Butter oder Margarine, Zucker oder Süßstoff verwendet wurden.

Gibt es Erkenntnisse, was genau zum Naschen verführt?

Derichs: Zum einen verführt das schöne Aussehen von Süßigkeiten. Aber auch die Gewürze sind so gewählt, dass man von Süßem immer wieder naschen möchte. Jede Konditorei hat ja ihre Tricks, damit es gerade hier anders schmeckt als bei der Konkurrenz. Im Supermarkt schmeckt jede Printe gleich.

Finden Sie, dass in der Weihnachtszeit zu viel genascht wird?

Derichs: Ich finde, das gehört dazu. Wenn es keine Süßigkeiten gäbe, wäre die Vorfreude auf Weihnachten nur halb so schön.

Was naschen Sie denn jetzt am liebsten?

Derichs: Baumkuchen, Printen, Kokosmakronen und die Schokomakronen, die ich heute für Sie mache. Die kenne ich von klein auf, das Rezept stammt von meiner Oma. Die gehen total fix, weil man sie nicht backen muss.

Ihre Tipps für die schnelle Weihnachtsbäckerei?

Derichs: Diese Makronen und Spritzgebäck aus Mürbeteig.

Mürbeteig ist aber gar nicht so einfach.

Derichs: Das Geheimnis beim Mürbeteig ist die Reihenfolge. Erst Zucker und Butter schaumig rühren, eventuell noch ein Ei hinzutun, das verbessert die Bindefähigkeit, am Ende kommt das Mehl dazu. Das darf man nicht zulange unterkneten, sonst wird es zäh. Am besten macht man den Teig einen Tag vorher, damit er im Kühlschrank noch durchziehen kann. Dann lösen sich die Zuckerkristalle ganz auf, was den Vorteil hat, dass beim Backen eine gleichmäßige Bräunung erreicht wird.

Haben Sie auch noch was mit Schokolade?

Derichs: Sie können fast jedes Gebäck mit einer Schokoladenglasur versehen. Richtige Kuvertüre schmeckt am besten und glänzt schön. Sie ist aber etwas schwieriger zu handhaben als Fettglasur.

Haben Sie dann bitte auch noch ein schnelles und einfaches Rezept mit Schokolade für uns?

Derichs: Mandelsplitter zum Beispiel. Die sind ruckzuck fertig: Mandelstifte unter die Kuvertüre ziehen, Häufchen formen, fertig. Wenn man die Mandeln vorher leicht anröstet, wird der Geschmack noch intensiver.

Gibt es Süßigkeiten, die Sie nach Weihnachten nicht mehr sehen können?

Derichs: Solange es draußen kalt ist, ist meine Lust auf Weihnachtsleckereien ungebrochen. Ich nenne das mein Printenfeeling.

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