Aachen - Präsentationen zeigen: Digitale Wandel sorgt für mehr Lebensqualität

Präsentationen zeigen: Digitale Wandel sorgt für mehr Lebensqualität

Von: Werner Breuer
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Den Arzt im Rücken: Lennart Leicht präsentiert einen Autositz, der mittels Elektroden in der Lehne ein EKG des Fahrers aufzeichnet. Foto: Andreas Herrmann
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Sebastian Klaudt gibt seinem Auto per App den Befehl, selbstständig in die Lücke zu rangieren. Foto: Andreas Herrmann
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Daniel Zielasko vor den Projektoren, die eine virtuelle Realität in der „Aixcave“ schaffen. Foto: Andreas Herrmann
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Gestatten, „Reinheart“: So heißt das Kunstherz, das Sebastian Jansen (links) und Moritz Lommel im Themenpark Gesundheit präsentierten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das ist doch alles nur Spielerei. Und so schwer kann es doch eigentlich nicht sein, auf einem Bild von einem menschlichen Schädel das rechte Auge zu finden und mit einer virtuellen Hand auf dem Bildschirm zu markieren.

Doch die junge Frau, die am Stand der „Organ Challenge“ im Uniklinikum steht und mit der Technik über eine Art Gebärdensprach kommuniziert, tut sich etwas schwer damit. Aber sie hat ihren Spaß, ebenso wie das Publikum. Und genau darum geht es.

„Anatomie ist ein ganz unbeliebtes Fach“. weiß Dr. Stephan Jonas vom Institut für medizinische Informatik. Mühsam müssen die Studenten die ganzen Einzelteile des menschlichen Körpers lernen. Spielerisch gehe das leichter, meint Jonas, „durch die ganzen Wiederholungen prägt man sich das Wissen besser ein“. Wie der digitale Wandel das Lernen lustiger und effektiver machen kann, zeigen die medizinischen Informatiker im „Themenpark Gesundheit“.

Die Spieler werden dabei von einer „Kinect-Kamera“ genau beobachtet und vom Computer gewissermaßen zerlegt: Obwohl die Kamera den Menschen von vorne aufnimmt, erscheinen auf dem Bildschirm auch Querschnittaufnahmen, die wirken, als seien sie von oben gemacht. Je nach Drehung des Kopfes ist das rechte Auge dann auch mal nicht zu finden. Aber Übung macht den Meister und soll so auch den dauerhaften Lernerfolg bescheren. Lange sollen die Medizinstudenten nicht mehr auf ihre Organ-Herausforderung warten müssen. „Wir denken, dass wir ihnen das im nächsten Jahr auf den Flur stellen können“, sagt Jonas.

Anatomie lernen müssen Moritz Lommel und Sebastian Jansen nicht mehr, sie wissen genau, wo ihr „Reinheart“ hingehört. Das Kunstherz soll Blut durch den menschlichen Körper pumpen, wenn das Original es nicht mehr richtig schafft. Derzeit gebe es dafür nur ein Modell auf dem Markt, erklärt Lommel, „aber mit einem Antrieb neben dem Körper“. Die kleine Maschine drinnen müsse daher mit der Energiequelle draußen verbunden werden. Am RWTH-Institut für angewandte Medizintechnik tüfteln sie deshalb an einer reineren Lösung fürs Heart. „Der Strom wird induktiv durch die Haut übertregen“, sagt Lommel, die kleine Batterie trägt der Patient am Gürtel. So gebe es keine offenen Wunden und auch kein Infektionsrisiko, überhaupt beschere Reinheart den Betroffenen mehr Komfort, mehr Mobilität und letzlich mehr Lebensqualität.

Das Herz hat auch Lennart Leicht im Blick, der vor dem Helmholtz-Institut unweit des Klinikums ein besonders fürsorgliches Auto präsentiert. Dessen Chauffeur muss für ein EKG gar nicht erst zum Arzt, der Fahrersitz übernimmt das. Von der Rückenlehne aus wird die Herzspannungskurve aufgezeichnet, was für Patienten nach einem Infarkt sehr segensreich sein kann. „Man kann sie intensiver überwachen“, sagt Leicht, und nehme vielen von ihnen die Angst vor einem erneuten Infarkt am Steuer. Für dieses Projekt der medizinischen Messtechnik haben die Elektrotechniker der RWTH sechs Elektroden in der Rückenlehne verbaut, sodass in jeder Sitzposition durch die Kleidung gemessen werden kann. Momentan beschränken sich die Forscher noch darauf, die vom Sitz gewonnenen Daten aufzuzeichnen. Sie aus dem Auto zu übertragen – etwa an einen Arzt – sei jedoch technisch möglich, meint Lennart Leicht. Man kann sich schon einmal Fantasien hingeben von einem Auto, das nach einem Herzanfall des Fahrers automatisch am Straßenrand hält und Hilfe ruft.

Zumal Autos auch heute schon in manchen Situationen ganz gut ohne Fahrer auskommen. Auf der Teststrecke des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH an der Steinbachstraße können vor allem Parkhausmuffel einen digitalen Wandel erleben, der ihnen dereinst vielleicht das lästige Rangieren abnimmt. Hier parkt Sebastian Klaudt einen VW Passat ein, ohne überhaupt ins Auto einzusteigen. Er wischt nur ein paar Mal über sein Smartphone, und der Wagen sucht sich selbst seine Lücke und stellt sich rein.

Die App, die das möglich macht, könnte nach Klaudts Vorstellungen direkt an der Parkhauseinfahrt zum Einsatz kommen. „Ich steige aus, gebe dem Auto den Befehl zum Einparken, und gehe meiner Wege“, skizziert er die Vision, Umgekehrt könne der Wagen seinen Besitzer auch wieder an der Ausfahrt abholen, wenn der mit seinen Einkäufen fertig ist. Der Test-Passat macht das auf der markierten Fläche schon ganz gut, dank sechs Radarsensoren, drei Kameras und einem Laserscanner vorne. Auch bremsen kann er alleine, wenn ihm etwas in die Quere kommt. Für einen echten Einsatz im Parkhaus müssten allerdings noch die Konstruktionenpläne der Garage ins System eingestellt werden, damit das Auto sich dort auskennen kann.

Eine echte Ortsbesichtigung muss schließlich nicht sein, das geht heutzutage auch anders. In der „Aixcave“ an der Kopernikus-straße kann man virtuell zum Beispiel durch Fabriken laufen und Werkbänke oder Maschinen umkramen. Das wirkt auch in einem Käfig von gerade mal 25 Quadratmetern Grundfläche überaus realistisch.

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