Populismus und Rechtsextremismus auf der Spur

Von: Jan Mönch
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Aachen. Auch wenn der Geehrte krankheitsbedingt fehlte, hatte er doch das Themenfeld abgesteckt. Nicht per Anweisung, sondern durch sein Lebenswerk.

Dieses hat Kurt Lenk, von 1972 bis 1994 Leiter des Instituts für Politische Wissenschaft (IPW) der RWTH Aachen, zu weiten Teilen den Themen Populismus und Rechtsextremismus gewidmet. Und dem wurde beim zweitägigen Kolloquium zu Ehren des emeritierten Professors entsprochen. Überwiegend kamen Schüler des 80-Jährigen nach Aachen, die es mittlerweile längst in andere Winkel der Republik verschlagen hat.

„Koryphäen der Populismusforschung” hatte der Lehrbeauftragte Dr. Manfred Sicking mit Professor Karin Priester (Münster) und Professor Hans-Jürgen Puhle (Frankfurt) gewinnen können. Sicking war gemeinsam mit Dr. Henrique Otten verantwortlich für die Organisation des Kolloquiums. Zum Thema Rechtsextremismus referierten im Haus Löwenstein Dr. Michael Kohlstruck (Berlin) und Professor Wolfgang Gessenharter (Hamburg).

Der warb für den Dialog. Denn häufig habe Rechtsextremismus seinen Ursprung in dem „Gefühl, politisch einflusslos zu sein.” Aus zahlreichen praktischen Projekten wusste Gessenharter zu schildern: „In dem Moment, in dem man Offenheit, Toleranz und Empathie zeigt, gibt es eine ganz andere Weise des Umgangs.”

fest ausgeprägtes Weltbild

Der aus dem Allgäu stammende Politikwissenschafter schränkte zwar selbst ein, dass ein „bereits fest ausgeprägtes extremistisches Weltbild” sich so in aller Regel nicht mehr korrigieren lasse. Dennoch sei es der falsche Weg, dem Konflikt durch Ablehnung auszuweichen: „Ohne Konflikte ist eine pluralistische Gesellschaft nicht möglich.”

Theoretischer fiel der Vortrag von Dr. Michael Kohlstruck, Leiter der Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus am Zentrum für Antisemitismusforschung, aus. Die rechtsextreme Szene habe sich zwar formiert, sei aber keinesfalls in der gesellschaftlichen Mitte verwurzelt. Auch diene Extremismus zwar als Legitimation für politische Gewalt, könne aber keinesfalls als alleinige Ursache herhalten. Standpunkte, die beim Kolloquium auf durchaus regen Widerspruch trafen.

Allzu sehr wurde die Diskussion allerdings nicht vertieft. Denn am Abend standen der Gang ins Rathaus, wo Professor Michael Greven (Hamburg) einen Vortrag zur „Kritischen Gesellschaftsbeobachtung” hielt, sowie ein gemeinsames Abendessen auf dem Programm. Sicking: „Es geht nicht nur um Inhaltliches, sondern auch um das Wiedersehen. Wir haben hier ein kleines Klassentreffen.”
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