Polizist gesteht auch zweiten Banküberfall

Von: Heike Ahlen
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Der 37-Jährige versteckte sich zum Prozessauftakt beim Betreten des Gerichtssaals unter einer Jacke. Foto: Ahlen
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Seit 2009 ist der Polizist - hier mit seinem Verteidiger Gerd Meister zu sehen - krankgeschrieben. Foto: Ahlen
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Der Polizeibeamte hat gestanden, zwei Sparkassenfilialen überfallen zu haben.

Erkelenz/Mönchengladbach. Ein 37-jähriger Polizist hat vor Gericht zwei Banküberfälle in Erkelenz und Wegberg gestanden. „Was in der Anklage steht, ist leider alles richtig“, sagte sein Verteidiger Gerd Meister am Freitag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Mönchengladbach.

Demnach hat sein Mandant Marco B. zwei Sparkassen überfallen – am 9. Januar in Erkelenz-Schwanenberg und am 15. April in Wegberg-Beeck. Als Motiv gab er Geldnot an.

Marco B. war mit Leib und Seele Polizist. 1997 begann er seine Ausbildung, arbeitete auf der Wache in Mönchengladbach-Rheydt, später bei einer Einsatzhundertschaft. 2007 kehrte er nach Mönchengladbach zurück. Alles lief gut, im Dezember 2006 heiratete er seine langjährige Freundin, sie bekamen zwei Kinder. Im Dezember 2009 änderte sich seine Welt schlagartig. Er wollte einen Festgenommenen eine Treppe hinunterführen und rutschte in nassen Stiefeln aus. Bei dem Sturz erlitt er eine schwere Knieverletzung, die ihn dienstunfähig machte. Es folgten drei Operationen, die nichts brachten. Danach begannen zermürbende Untersuchungen, die sich über eineinhalb Jahre hinzogen, um zu klären, ob die Verletzung tatsächlich Folge des Unfalls war. Dabei wollte der Angeklagte nur eins: zurück in den Dienst.

Dass das jetzt nie mehr geschehen wird, weiß er. „Er will einen Neuanfang machen“, sagte sein Verteidiger im Gerichtssaal. „Auch wenn er sich nicht vorstellen kann, jemals etwas anderes zu sein, als ein guter Polizist.“ Deshalb habe sich sein Mandant entschlossen, „reinen Tisch“ zu machen – und beide Taten, die ihm vorgeworfen werden, zu gestehen. In den vorherigen Vernehmungen hatte er lediglich die zweite Tat zugegeben, bei der er festgenommen worden war. Ihm droht eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren. Schon bei einer Verurteilung zu einem Jahr Haft würde er entlassen und verlöre seinen Pensionsanspruch.

Bei der ersten Tat erbeutete er knapp 10.000 Euro. Auslöser für diese Tat, gab sein Verteidiger an, war der Besuch eines Gerichtsvollziehers, der 911,36 Euro haben wollte. Was geschah mit den übrigen gut 9000 Euro? Das blieb Freitag unklar. Klar aber wurde, dass B. auch in Spielhallen gegangen ist. Das räumte er am Freitag ein.

Vor seiner Frau hatte er die wachsenden Geldprobleme verheimlicht, die er auch mit neuen Krediten versuchte zu lösen. Er hatte allein die Hoheit über die Finanzen. Sie erhielt 800 Euro Haushaltsgeld. „Ich habe irgendwann einfach aufgehört, Rechnungen bei der Krankenkasse einzureichen“, sagte der Angeklagte leise. Auch andere Rechnungen bezahlte er nicht mehr, sondern versteckte sie im Gartenhäuschen. Seine Frau fand sie dort erst nach seiner Festnahme. Insgesamt türmte sich ein Schuldenberg von über 520.000 Euro auf. „Und fast täglich kommen neue Rechnungen dazu“, sagte der Verteidiger.

In Wegberg erbeutete B. etwa 12.000 Euro, wurde aber bei seiner Flucht von einem Zeugen überwältigt. Das Geld fanden später Kindergartenkinder auf einer Wanderung im Bach.

Als er sich in den Jahren nach dem Dienstunfall immer mehr von seiner Frau entfremdete, keimte in dieser der Verdacht auf, ihr Mann könne spielsüchtig sein. Denn sie wusste, dass er dieses Problem in seiner Jugend schon einmal gehabt hatte. Doch sie steht zu ihm: „Das ist mein Mann, und das bleibt mein Mann“, sagte sie vor Gericht.

Die beiden Sparkassenangestellten (beide 47), die in Erkelenz seine ersten Opfer waren, sagten als Zeugen aus. Beide können nicht mehr in der Filiale arbeiten, eine von ihnen war ein halbes Jahr krank geschrieben. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Bis dahin wollen die Richter beraten, ob ein psychologischer Gutachter eingesetzt werden muss, um den Gesundheitszustand des Angeklagten zu überprüfen.

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