Aachen - Polizeitag bald beim Staatsanwalt

Polizeitag bald beim Staatsanwalt

Von: Claudia Schweda
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Der Hubschrauber, der Baum: Di
Der Hubschrauber, der Baum: Dieses Bild entstand Sekunden vor dem Unglück beim „Tag der Polizei”. Foto: Roeger

Aachen. Die Stimmung im Aachener Polizeipräsidium ist gedrückt. Die Beamten standen am Montag noch unter dem Eindruck der unglücklichen Ereignisse beim „Tag der Polizei”.

Am Samstag hatten mehrere Zehntausend Menschen begeistert auf vielen Plätzen in der Aachener Innenstadt die spektakuläre und informative Leistungsschau der nordrhein-westfälischen Polizei verfolgt, aber es wurden eben auch drei Kinder und drei Erwachsene von umherfliegenden dicken Ästen leicht verletzt, weil Teile eines Baumes dem Luftdruck von Hubschrauberrotoren nicht standgehalten hatten. „Das ist am Ende die Bilanz, und das betrübt uns sehr”, sagt Polizeisprecher Michael Houba.

In einem kleinen Bereich von wenigen Quadratmetern spielt sich am Samstag nur wenige Sekunden lang ein Drama ab. Viermal, fünfmal kreist der olivgrüne Helikopter vom Typ Bell Eurocopter 155 über dem Elisengarten, dann braust die Maschine im Tiefflug heran.

In den geöffneten Türen stehen SEK-Beamte, bereit zum „fast roping”, dem blitzschnellen Abseilen ohne Sicherung. Während tausende Zuschauer gebannt in die Höhe schauen, bricht am Treppenabgang zu der Grünanlage das Chaos aus. Erst kommt der enorme Luftdruck, dann fliegen Blätter, Zweige, kleine Äste.

Die Schreie hört niemand

Die Luft ist erfüllt vom Dröhnen der Rotoren und herumwirbelndem Geäst. Ein armdicker Ast bricht aus der Krone des Baumes und kracht zu Boden, reißt weitere Äste mit sich. Die Schreie hört niemand.

Ein junges Mädchen fasst sich an den Kopf, ob von einem Ast getroffen oder vornüber gestürzt, bleibt unklar. Eine Mutter sucht am Fuß einer kleinen Mauer mit ihrem Kind Schutz, kauert sich auf den Boden. Minutenlang bleibt sie dort völlig verängstigt sitzen. Binnen Sekunden ist die Treppe kniehoch mit Baumteilen und Blattwerk bedeckt.

Erst langsam wird den Umstehenden klar, was passiert ist. Drei Rettungswagen rasen heran. In einem Zelt, in dem eigentlich Besuchern die polizeiliche Spurensicherung erläutert werden soll, werden die Verletzten versorgt.

Schadenersatzansprüche werde die Polizei unbürokratisch regeln, sagt der Polizeisprecher zwei Tage später. Zudem werden derzeit die genauen Umstände des Unfallhergangs dokumentiert. Um eine Interessenskollision bei den Ermittlungen zu vermeiden, werden die Dokumente der Staatsanwaltschaft Aachen zu einer abschließenden Bewertung übergeben werden. Sie wird dann eine weitere strafrechtliche Verfolgung der Vorfälle prüfen und entscheiden, ob sie Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufnimmt.

Die Polizei Aachen steht in engem Kontakt zu den sechs Leichtverletzten, die am Samstag in Krankenhäuser gebracht worden waren. Sie sind laut Houba bei „guter Gesundheit” und nicht mehr in ärztlicher Behandlung. Er betont, dass im Vorfeld alles Menschenmögliche getan worden sei, um die Sicherheit der Zuschauer zu gewährleisten. „Von dem, was passiert ist, sind wir total überrascht worden”, sagt Houba.

Das Landesinnenministerium betont auf Anfrage, dass es die Ereignisse sehr bedaure. Vorführungen mit diesem Helikopter in parkähnlichen Bereichen gebe es aber seit langem. Es sei nie zu Problemen gekommen. Entsprechend unvorhersehbar sei das Geschehen in Aachen gewesen.
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