Polizeigewerkschaft fordert Fahrtraining für Senioren

Von: Christoph Classen
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Nicht jeder Senior ist auf den Rollator angewiesen - die überwiegende Mehrheit älterer Autofahrer nimmt ohne Probleme und unfallfrei am Verkehr teil. Dennoch fordert jetzt die Gewerkschaft der Polizei ein verpflichtendes Fahrtraining für Fahrer über 75 Jahre. Foto: dapd

Aachen. Stephan Hegger weiß natürlich, dass es ein ziemlich sensibles Thema ist, über das er da gerade spricht und deswegen dauert es gar nicht lange, bis er meint, er müsse etwas klarstellen. „Wir wollen nicht älteren Leuten pauschal den Führerschein wegnehmen”, sagt Hegger.

Aber anders laufen soll es in Zukunft schon mit den Senioren im Straßenverkehr, zumindest fordert das die Gewerkschaft der Polizei (GdP) NRW, deren Sprecher Hegger ist. Was die Senioren angeht, fordert die GdP in ihrem verkehrspolitischen Programm neben „der Schaffung besonderer Anreizsysteme zum freiwilligen Umstieg auf den ÖPNV” vor allem eine „verpflichtende Teilnahme an einem zielgruppenorientierten Fahr- und Sicherheitstraining mit Vollendung des 75. Lebensjahres.” Und Michael Okuhn findet das gar nicht so schlecht.

Okuhn ist stellvertretender Leiter der Direktion Verkehr bei der Polizei Heinsberg und er hat das Konzept für das Seminar, mit dem seine Behörde speziell Senioren ansprechen möchte, entwickelt. Es heißt „Mobil im Alter - aber sicher!” und wird seit dem vergangenen Jahr angeboten. Die Seminare laufen meist im Sommer, jedes dauert drei Tage, Theorie und Praxis sind gleichermaßen Bestandteil, die Teilnahme ist kostenlos.

Wenn man Okuhn fragt, warum diese Seminare angeboten werden, dann beeilt er sich zu sagen, das die Zahl der verunglückten Senioren in den vergangenen Jahren nicht eklatant gestiegen sei, „da haben wir eher Probleme mit jungen Fahrern.” Leicht gestiegen ist die Zahl der verunglückten Senioren aber schon, und das obwohl insgesamt immer weniger Menschen bei Unfällen verletzt werden.

Über die Entstehung des Seminars für ältere Verkehrsteilnehmer sagt Okuhn deshalb auch: „Man hat das Problem sehr wohl erkannt.” Die GdP begründet ihre Forderung eines verpflichtenden Fahrtrainings für 75-Jährige so: „Während bei den übrigen Altersgruppen die Zahlen der Verunglückten rückläufig sind, ist bei Senioren eine gegenläufige Entwicklung festzustellen.” Eine Beobachtung, die sich auch in der Region in Zahlen ausdrückt.

Wurden im Kreis Düren 2001 noch 120 im Straßenverkehr verunglückte Senioren (ab 65 Jahre) statistisch erfasst, waren es im Jahr 2010 bereits 133. Im Kreis Heinsberg stieg die Zahl im gleichen Zeitraum von 287 auf 298. Allein in der Städteregion Aachen ist die Zahl der verunglückten Senioren kleiner geworden: 2001 waren es 365, im vergangenen Jahr 193.

In welchen Fällen Senioren auch die Verursacher waren, darüber führt die Polizei keine Statistik; weil die Schuldfrage bei vielen Unfällen erst vor Gericht endgültig geklärt wird, wäre es zu aufwendig, die Zahlen zu erheben. Schätzen kann man sie aber schon. Und wird Paul Kemen darum gebeten, dann sagt der Sprecher der Polizei Aachen, das wohl bei der Hälfte der Unfälle, bei denen Senioren verunglücken diese auch die Verursacher sind.

Kemen hält ein verpflichtendes Fahrtraining ab einem bestimmten Alter allenfalls für diskutabel, unterstützen würde die Aachener Polizei die Forderung nicht. „Ich kenne 30- und 40-Jährige, die dürften eigentlich gar kein Auto fahren und ich kenne 80-Jährige, die fahren vorbildlich”, sagt Kemen. Was nicht heißt, dass man in Sachen Senioren und Sicherheit kein Verbesserungspotenzial sähe. Auch die Polizei Aachen bietet Seminare für Ältere, neben dem richtigen Verhalten im Bus und bei Fahrradfahrten geht es auch um aktuelles Verkehrsrecht.

Die Dürener Polizei hat auch ein Fahrsicherheitstraining für Senioren im Angebot, sagt Sprecher Willi Jörres, der allerdings betonen möchte, dass die steigende Zahl der verunglückten Senioren eigentlich nichts anderes als der Spiegel einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sei. „Sie dürfen den demografischen Wandel nicht vergessen”, sagt Jörres und meint damit, dass eine steigende Zahl älterer Menschen zwangsläufig dazu führe, dass sie häufiger in Unfälle verwickelt seien.

„Wir haben viele alte Autofahrer und in Zukunft werden wir noch mehr haben”, sagt auch Michael Okuhn. Er würde sich wünschen, dass jeder selbst den Zeitpunkt erkennt, an dem es für ihn und andere das Beste wäre, das Auto stehenzulassen. Da das aber nur selten passiert, hätte Okuhn auch nichts gegen Unterstützung von Seiten des Gesetzgebers. „Eine ärztliche Untersuchung, die feststellt, ob jemand noch fahrtauglich ist oder nicht, wäre ab einem bestimmten Alter sinnvoll”, sagt er.

So würden wohl vor allem Unfälle seltener, die auf körperliche Defizite des Fahrers zurückzuführen sind. „Bei den Alten gibt es dann doch den ein oder anderen Rempler mehr, weil sie den Hals nicht mehr weit genug drehen können”, sagt Katrin Rüter, Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Daneben gebe es immer wieder Hochbetagte, die spektakuläre Unfälle mit gewaltigen Schadenssummen verursachten.

Die wertet Rüter allerdings als Einzelfälle, generell sind die Senioren bei den Versicherungen gern gesehen. „Aus der Statistik ergibt sich, dass die Alten weniger Schäden verursachen als die Jungen”, sagt die GDV-Sprecherin, die meisten Senioren würden ihre Defizite kennen, sich nicht dem Berufsverkehr aussetzen und einfach vorsichtiger fahren.
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