Polizei ringt mit Hanfzüchtern

Von: Helmut Hetzel
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Limburg hat sich zum Eldorado der illegalen Hanfzüchter gemausert: „Die meisten meiner Polizisten sind nur noch damit beschäftigt, illegale Hanfplantagen auszuheben", sagt der Bürgermeister von Heerlen, Paul Depla. Foto: dpa

Heerlen. Paul Depla, Bürgermeister von Heerlen, stöhnt. „Die meisten meiner Polizisten sind nur noch damit beschäftigt, illegale Hanfplantagen auszuheben. Das kostet uns jährlich rund 500.000 Euro. Zeit für andere polizeiliche Tätigkeiten haben meine Beamten kaum mehr.“ In Roermond ist es nicht viel anders.

Limburg, die südlichste Provinz der Niederlande und die einzige, die nicht so flach wie ein Pfannkuchen ist, hat sich zum Eldorado der illegalen Hanfzüchter gemausert. In Städten wie Heerlen, Maas­tricht oder Roermond sind die jeweiligen Polizeieinheiten fast nur noch damit beschäftigt, die organisierte Drogenkriminalität zu bekämpfen. Denn die illegalen Hanfzüchter sind die Lieferanten der immer noch rund 700 Coffieshops in den Niederlanden, wo der Stoff für den Joint frei erhältlich ist.

Das Geschäft mit dem Stoff für den Joint floriert wieder, vor allem deshalb, weil die Einkaufsbeschränkung für Ausländer so gut wie von keinem Coffieshop mehr eingehalten wird. Kiffer aus Deutschland, Belgien oder Frankreich können sich in den holländischen Coffieshops also wieder mit den Zutaten für ihren Joint eindecken. „70 Prozent der Fälle aus der organisierten Kriminalität betreffen Ermittlungen im Bereich der weichen Drogen“, stellt der Bürgermeister von Roermond, Peter Cammaert, fest. „Die Mehrheit meiner Polizisten ist nur noch mit Drogendelikten beschäftigt.“

Erhöhte Brandgefahr

Eine große Menge des illegal in Limburg gezüchteten Hanfs werde exportiert. Hauptabnehmerländer: Deutschland, Belgien und Frankreich. „Immer mehr dieser kriminellen Dealer züchten den Hanf auch einfach in Wohnhäusern in Kellern oder auf Dachböden. Das ist sehr gefährlich. Denn durch die starken Lampen und das viele künstliche Licht, das die Hanfpflanzen zum Wachsen brauchen, gibt es eine erhöhte Brandgefahr“, stellt der Bürgermeister von Roermond fest.

Er und sein Amtskollege aus Heerlen plädieren daher dafür, den Hanfanbau zu legalisieren und zu regulieren. Nur so könne die organisierte Kriminalität wirksam bekämpft werden. Allein in Heerlen seien im vergangenen Jahr 130 illegale Hanfplantagen ausgehoben worden. „Wir haben wahrscheinlich die größte Hanfdichte in den Niederlanden“, meint Depla. Die illegalen Hanfzüchter suchen sich die unglaublichsten Plätze für ihre Hanfzucht aus, sogar Kindergärten sind dabei.

Dass die organisierte Kriminalität überhaupt entstanden ist, geht auf die Kappe des Staates selbst. Denn als vor rund 30 Jahren die Coffieshops eingeführt und der Verkauf von weichen Drogen vom Staat toleriert wurde, hat der Gesetzgeber nicht bestimmt, wie die Coffieshops denn ihren Stoff für den Joint beziehen sollen. So entstand in den Niederlanden eine Drogenmafia, die nun den Hanf illegal anbaut.

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