Polizei räumt Akten-Panne ein

Von: an
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Aachener Polizei hat eine Panne bei der Weitergabe einer Ermittlungsakte eingeräumt. Ein heute 43-jähriger Mann, der vor rund zwei Wochen eine Atttacke auf die Mitarbeiterin einer Aachener Anwaltskanzlei verübt und sie mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt hatte, war nämlich schon zuvor auffällig geworden.

So hatte er 2005 seine Mutter und eine Tante mit einem Messer angegriffen. „Die in Rede stehende Ermittlungsakte ist nach jetzigem Kenntnisstand offenbar nicht in Papierform bei der Staatsanwaltschaft eingegangen”, teilte die Polizei mit. Angehörige des Mannes hatten den Vorwurf erhoben, dass die Bluttat in der Anwaltskanzlei hätte vermieden werden können.

Jährlich werden 51.000 strafrechtliche Ermittlungsvorgänge zwischen der Aachener Polizei und den Staatsanwaltschaften hin- und hergeschickt. Die Akte der Tat 2005 hatte zwar elektronisch das Aachener Polizeipräsidium verlassen, war aber nicht in Papierform bei der Anklagebehörde angekommen: „Das ist bedauerlich und darf sich nicht wiederholen”, sagte Polizeipräsident Klaus Oelze, der zugleich weitere interne Ermittlungen ankündigte.

Gleichzeitig sieht er die Notwendigkeit einer Überprüfung und Verbesserung der Kommunikationswege zwischen den Sicherheitsbehörden: „Das muss ein einmaliger Vorgang bleiben.”

Die Staatsanwaltschaft hatte schon am Donnerstag erklärt, dass sie wegen der fehlenden Unterlagen weder ermitteln noch Anklage erheben konnte. Keinesfalls sei es so, dass in seiner Behörde etwas verschwunden sei, erklärte Oberstaatsanwalt Robert Deller auf Anfrage: „Für uns ist die Vorlage des schriftlichen Vorgangs mit der polizeilichen Registriernummer ganz entscheidend. Erst dann können wir den Datensatz einsehen.”

Die polizeilichen Akten erhalten nämlich eine interne, sogenannte IGVP-Nummer, die aber nur auf der schriftlichen Ausfertigung steht. Erst anhand dieses Schlüssels kann die Staatsanwaltschaft auf sämtliche Ermittlungen inklusive Personendaten, Tatortfotos oder Einsatzberichte zugreifen.

Nach der Tat vor vier Jahren war der Mann, der von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei überwältigt worden war, in die Psychiatrie gekommen, nach kurzer Zeit aber wieder entlassen worden.

Auch später war er einige Male in der Psychiatrie untergebracht. Derzeit wird wegen versuchten Mordes gegen ihn ermittelt und er sitzt in der Forensik in Essen.

Oberstaatsanwalt Deller geht davon aus, dass die Polizei versuchen wird, die Tat von 2005 zu rekonstruieren und an die Anklagebehörde weiterzuleiten. „Wir haben zu entscheiden, was damit passiert, nicht die Polizei.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert