Pogrom oder Vorbeugung: So gehen andere Länder mit Sextätern um

Von: dpa
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Heinsberg/Düsseldorf. „Sexbestie” stand auf Plakaten von Demonstranten vor dem Haus in Heinsberg, in dem ein aus der Haft entlassener Sexualstraftäter wohnt. Nicht nur aufgebrachte Eltern und Bürger protestierten, auch Rechtsextreme mischten sich unter die Demonstranten.

Die Wut kocht hoch, von „Pogrom-Stimmung” war in Medien-Berichten die Rede. Auch andere Länder haben Erfahrungen mit vergleichbaren Situationen.

In Großbritannien gibt es amtliche Register, in denen persönliche Daten und Adressen von Sexualstraftätern erfasst werden. Darauf zugreifen kann nur die Polizei. Möchte ein Registrierter umziehen oder ins Ausland verreisen, muss er sich bei den Beamten melden. Außerdem können die Täter von bestimmten Orten - etwa aus der Nähe von Spielplätzen - „verbannt” werden.

Sobald ein Täter für mehr als zweieinhalb Jahre verurteilt worden ist, bleibt er sein Leben lang registriert. Momentan läuft ein Pilotprojekt, das auch Eltern und Kinderbetreuern die Möglichkeit gibt, auf die Daten zuzugreifen. Kritische Stimmen warnen allerdings vor Selbstjustiz.

Noch härter sind die Gesetze in den USA: In vielen amerikanischen Bundesstaaten sind solche Register für alle im Internet sichtbar. Jeder kann persönliche Daten und Photos von Sexualstraftätern abrufen.

Um öffentliche Hetze gegen die gelisteten Straftäter zu vermeiden, wird auf den Internetseiten unter Strafandrohung vor Missbrauch dieser Informationen gewarnt. Dennoch können hier Täter auch zu Opfern werden: Im Jahr 2007 hatte ein Nachbar den Vergewaltiger Michael Dodele ermordet, nachdem er ihn auf einer Liste im Internet entdeckt hatte.

In Belgien existieren seit kurzem mehrere Internetseiten, auf denen Straßen genannt werden, in denen Sexualstraftäter leben. Belgiens Justizminister Stefaan De Clerck, Datenschützer und die Kinderschutzorganisation Child Focus reagierten allerdings kritisch. Die flämische Anwaltskammer hält das Angebot sogar für gesetzeswidrig.

In Spanien wird der Aufenthaltsort aus der Haft entlassener Sexualstraftäter grundsätzlich nicht publik gemacht. Ähnlich wie in Heinsberg hatte im vorigen Jahr in Barcelona die Haftentlassung eines Serienvergewaltigers für große Aufregung gesorgt.

Um eine Freilassung von Sexualstraftätern zu verhindern, starteten die Eltern von zwei in Südspanien ermordeten Mädchen kürzlich eine Initiative, für Sexualverbrecher lebenslange Haftstrafen einzuführen, die tatsächlich bis zum Tod verbüßt werden müssen.´

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