Plastikstopfen können eine Kuh umbringen

Von: Peter Stollenwerk
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Wer hat sich nicht schon selbst dabei ertappt, dass er achtlos ein bisschen Müll in die Landschaft wirft, und sei es nur der Verschluss einer Plastikflasche?

Simmerath. Wer hat sich nicht schon selbst dabei ertappt, dass er achtlos ein bisschen Müll in die Landschaft wirft, und sei es nur der Verschluss einer Plastikflasche? Doch damit beginnt das Problem. Allerlei Kleinmüll sammelt sich so an den Wiesenrändern, der dann in die Verwertungskette gerät.

 Die Landwirte mit ihren heutigen schweren Erntemaschinen haben keine Chance, beim Mähen der Wiesen solche Fremdkörper zu erkennen, so dass Plastik- und Glasflaschen in die Heuballen oder die Silage geraten. Das Futter wird dann gehäckselt und damit auch die Fremdkörper. Diese landen zerfetzt und absolut nicht mehr erkennbar im Viehfutter für die Tiere im Stall.

Was dieser Kreislauf des Kleinmülls bedeutet, hat auch Landwirt Hans Roßkamp, der mit Ehefrau Doris einen 95-Hektar-Milchviehbetrieb mit rund 80 Kühen in Simmerath-Lammersdorf betreibt, in diesem Jahr schmerzvoll erfahren. Vier Milchkühe hat er verloren – sie verendeten alle an der gleichen Ursache: Sie hatten Fremdkörper im Magen, die zu inneren Blutungen führten. Zwei Tiere mussten eingeschläfert werden, eine Kuh wurde vom Schlachthof zurückgewiesen, da bei ihr eine Bauchfellentzündung festgestellt wurde. Vor zwei Wochen lag eine Kuh morgens tot im Stall.

„Das sind enorme Verluste“, sagt Hans Roßkamp und spricht von rund 8000 Euro. Der 56-Jährige weiß in seiner Funktion als Kreislandwirt für die Städteregion Aachen, dass Plastik- und Glasteile im Viehfutter nicht nur in der touristisch stark frequentierten Eifel ein Problem sind. Zahlreiche Kollegen in der Region, auch aus dem Nachbarkreis Düren, hätten ihm von ähnlichen vermehrt auftretenden Fällen berichtet.

Immer mehr Wanderer, Jogger und Radfahrer zieht es hinaus in die Natur, und damit nimmt auch Müllproblematik zu. Roßkamp hat Verständnis für sportliche Aktivitäten in der Natur. „Aber ich möchte an alle appellieren, aktiven Tierschutz zu betreiben und keinen Abfall auf die Wiesen zu werfen.“ Zwar suchten die Landwirte nach dem Winter Feld- und Wiesenränder nach Müll ab, aber mit Beginn der Vegetationsphase habe man keine Chance mehr, Glas und Plastik zu entdecken.

„Etliche Fälle“ von Bauchfellentzündung bei Nutztieren, hergerufen durch Fremdkörper im Magen, kann der Eupener Tierarzt Frederic Ahn bestätigen, egal ob in der Städteregion, in Ostbelgien oder darüber hinaus. Ahn erklärt, dass sich die Problematik in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht hat. „Früher wurde ich im Durchschnitt einmal pro Woche gerufen, um wegen dieser Diagnose Tiere zu behandeln, heute sind es vier Fälle in der Woche.“

Früher seien es zudem zu 90 Prozent Metallreste wie Stacheldraht-Stücke oder Krampen gewesen, die den Tieren Probleme bereitet hätten. Mit einer Sonde habe man die Diagnose klar bestimmen und mit Hilfe eines Magneten den Fremdkörper aus dem Magen entfernen können. Glas, Kunststoff und Getränkedosen aus Aluminium aber ließen sich nicht mehr orten. Das Tier verspüre einen stechenden Schmerz mit Entzündungen und inneren Blutungen als Folge. Die Tiere fressen dann nicht mehr, geben weniger Milch und stehen steif vor Schmerz im Stall. Eine Operation sei in der Regel viel zu aufwendig und auch unwirtschaftlich, also bleibe nur der Weg zum Schlachthof oder zur Tierkörperwertungsanstalt Linnich.

„Man möchte helfen, aber es geht nicht mehr,“ sagt Doris Roßkamp. Sie glaubt, dass vielen Menschen die Folgen ihres Verhaltens gar nicht bewusst sind. Doch wenn man sehe, „wie schlimm es ist, wenn die Tiere leiden“, dann dürfte eigentlich kein Müll mehr in den Landschaft zu finden sein.

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