Plan B kommt „dem Papst sei Dank“ nicht zum Tragen

Von: Bernd Mathieu
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Aachen. Gab es eigentlich einen Plan B? Was wäre passiert, wenn Papst Franziskus dem Karlspreis-Direktorium hätte mitteilen lassen, dass er den Preis gar nicht annehme? „Einen Plan B gibt es immer“, sagt der Vorsitzende des Gremiums, Jürgen Linden. Aber den hat man auch in diesem Jahr nicht gebraucht. Dem Papst sei Dank.

Allerdings: Als die Entscheidung gefallen war, stellte sich die Frage, wie man nun an den Papst herankomme, um ihm die frohe Botschaft aus Aachen mitzuteilen. Linden: „Der offizielle Weg über die Nuntiatur und die Kurie schien uns wenig erfolgversprechend, also haben wir es über Kardinal Walter Kasper versucht.“ Die Aachener wussten, dass Missio-Präsident Prälat Klaus Krämer Referent von Kasper in der Diözese Rottenburg-Stuttgart war – und schon war der erste wichtige Kontakt hergestellt: Jürgen Linden und Dompropst Manfred von Holtum, ebenfalls Mitglied des Direktoriums, weihten Klaus Krämer ein, und die Sache nahm ihren Lauf Richtung Vatikan.

Der Politik ins Gewissen reden

Es gab anschließend einige Telefonate mit Kardinal Kasper, der seinerseits mehrere Gespräche mit Papst Franziskus führte und ihn schließlich vom wichtigen Anliegen aus Aachen überzeugte. „Das hätten wir ohne den Kardinal nicht geschafft“, sagt Jürgen Linden dankbar.

Auch die Option, den Karlspreis in Aachen zu verleihen, spielte anfangs noch eine Rolle. „Das war einige Tage offen, aber dann wiesen Mitarbeiter im Vatikan darauf hin, dass der offizielle Staatsbesuch des Papstes in Deutschland noch bevorstehe.“ Da hatte Aachen als Verleihungsort keine Chance.

Auch diesmal habe sich das Direktorium bei seinen Beratungen an aktuellen europäischen Themen orientiert, sagt der Vorsitzende des Gremiums im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass diesmal kein Politiker den Preis bekommen würde, sei dabei von vornherein ziemlich klar gewesen. Die EU-Krise sei ein Ausdruck von Sprachlosigkeit, und diese Form der politischen Zusammenarbeit sei im Direktorium stark kritisiert worden.

Bei Papst Franziskus handele es sich um eine Autorität, die der Politik ins Gewissen rede, um „eine moralische Instanz, die Europa sagen kann, wie es aus der Krise herauskommt“, beschreibt Linden Motive des Direktoriums für die Preisverleihung.

Die aktuelle Politik entspreche zurzeit kaum den Botschaften, die der Karlspreis vermitteln wolle: Zusammenhalt, Solidarität, Werteorientierung, Übereinstimmung der realen Politik mit den Idealen der Europäischen Union. Europa sei dagegen von nationalstaatlichen Egoismen zerrüttet und werde von massivem Gegeneinander gekennzeichnet. Es gebe zudem tiefe Gräben zwischen West- und Osteruropa.

Fünf Punkte seien für das Karlspreis-Direktorium bei seiner Entscheidung ausschlaggebend gewesen: die Enzyklika „Laudato si“, in der sich der Papst ökologischen Fragen widmet, also Natur und Geschöpf, Umwelt, Klima und einem anderen Verständnis von Wirtschaft und Fortschritt; die engagierte und sehr kritische Rede des Papstes im Europäischen Parlament in Straßburg; sein Besuch auf der Insel Lampedusa und seine damit verbundene klare Haltung in der Flüchtlingsfrage; sein Engagement im interreligiösen und damit interkulturellen Dialog; sein Blick auf Armut und Elend der Welt, gerade auch aus nichteuropäischer Perspektive.

Die politische Resonanz auf die Karlspreis-Verleihung 2016 sei, so Linden weiter, eine „der größten in der Karlspreisgeschichte, das gilt ebenfalls für das Medieninteresse“. Dazu gehört auch, dass mit den Karlspreisträgern Donald Tusk (Ratspräsident), Jean-Claude Juncker (Kommissionspräsident) und Martin Schulz (Parlamentspräsident) die drei höchsten Repräsentanten der EU in Rom sprechen werden. Linden: „Aus unserer Sicht sollten sie allerdings auch zuhören, weil der Papst nicht abstrakt, sondern sehr bodenständig redet.“ Das Direktorium hoffe nun, dass die Rede von Franziskus Ermutigung sei, um neue Kräfte für Europa freizusetzen.

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