Pit Siebigs zeigt zehn seiner Bilder auf dem Gelände der Prym-Werke

Von: Ulrich Simons
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Überraschende Perspektiven: Fotograf Pit Siebigs vor zweien seiner Bilder auf dem Prym-Werksgelände. Foto: Ulrich Simons

Stolberg. Die meisten Aachener denken bei seinem Namen wohl zuerst an prächtige Fotos des Domes. Doch seit einigen Jahren steht Pit Siebigs (56) auch als Syn­onym für großformatige Industriefotografie in der Region. Seit Montag zeigt er auf dem Gelände der Prym-Werke in Stolberg zehn seiner Bilder in einer ganz besonderen Freiluft-Ausstellung.

Das ist auch schon das einzige Manko dieser Präsentation: Dass sie (derzeit) nur den Prymanern auf dem Weg zur Dalli-Kantine auf der anderen Straßenseite zugänglich ist und erst später in öffentlichen Räumen zu sehen sein wird.

„Ich wollte nicht dokumentieren“, sagt der studierte Grafik-Designer Pit Siebigs über seine Bilder. „Mir kommt es mehr auf die grafische Wirkung und die Formensprache eines Ortes an.“ Eine Herangehensweise, deren Ergebnisse selbst gestandene Prym-Mitarbeiter überrascht. Mehr als einmal habe sie von Mitarbeitern den Satz gehört: „Jetzt bin ich schon 20 Jahre hier – so habe ich das noch nie gesehen.“, sagt Geschäftsführerin Hedi Ehlen.

Seit einer Ausstellung 2008 im Industriepark Oberbruch kennt man sich, danach war der Mann mit der Kamera häufiger im Werk an der Zweifaller Straße zu Gast. Lohn der Mühen: Im November vergangenen Jahres erhielt Siebigs im Rahmen des städteregionalen Projektes „EMA – Economy Meets Art“ den Förderpreis in Höhe von 5000 Euro. Zweckgebunden, zur Fortführung begonnener Projekte. Hat er gemacht.

Siebigs Anfänge als Fotograf liegen in einer Zeit, als jeder Druck auf den Auslöser noch Geld kostete, weil in der Kamera kein Chip steckte, sondern ein teurer Film, der nach 36 Aufnahmen voll war. Es war sicher nicht die schlechteste Schule. Den Verlockungen der Digitalfotografie, einfach den Finger auf den Auslöser zu halten, sei er bisher nicht erlegen, erzählt er mit einem gewissen Stolz: „Ich mache nicht zehn Bilder, um ein gutes zu bekommen.“

Stattdessen tastet er mit geschultem Auge die Aufnahmeorte ab, bis er sein Motiv gefunden hat. „Die Bilder springen mich an. Ich muss sie dann nur noch machen.“ Einzige Arbeitsmittel: Vollformat-Digitalkamera und ein Stativ für lange Belichtungszeiten. Ein Blitz ist ebenso tabu wie andere zusätzliche Lichtquellen. Langzeitbelichtungen bis zu einer Minute machen stattdessen sichtbar, was das Auge oft nicht sieht.

Die Ergebnisse sprechen für sich. Hinreißend in Bildaufbau und Farben das Foto von der Entstehung der Glaskopf-Stecknadeln. Ein von oben ins Bild ragender blauer Glasstrang wird mithilfe von Gasbrennern bis fast zur Weißglut aufgeschmolzen, dann erkaltet die kleine Glaskugel an der Spitze des Stahlstiftes über gelb, orange, rot und violett wieder zur ursprünglichen blauen Farbe.

Können Bilder „laut“ sein? Auch das geht, wie Siebigs bewegungsunscharfes Foto einer gewaltigen Presse hinter einer gestochen scharfen Werkbank beweist. Man spürt die Kräfte, die dort wirken.

Weil Pit Siebigs soviel Überlegungen in die Vorbereitung seiner Bilder investiert, ist die Nachbearbeitung schnell erledigt. An den RAW-Dateien aus seiner Kamera, im Prinzip „digitale Negative“, bearbeitet er am PC nur noch Helligkeit, Kontrast und Schärfe. Manchmal geht es auch ohne Photo­shop.

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