Pipi-Problem in der S-Bahn wird vor Gericht verhandelt

Von: Frank Christiansen, dpa
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Düsseldorf. Immer Ärger mit den Zug-Toiletten: Verdreckt, defekt, geschlossen. Mit der neuen Generation S-Bahnen in Nordrhein-Westfalen hat man das Problem auf besondere Weise gelöst.

Die neuen Züge sind schick, schnell, leise - und haben gar keine Toiletten. Dieser Umstand bringt der Deutschen Bahn an diesem Mittwoch einen peinlichen Prozess vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht ein.

Hintergrund ist ein Vorfall, bei dem ein Fahrgast in einem Zug der Linie 9, der zwischen Wuppertal und Haltern pendelt, mal dringend musste. Von einem 53-jährigen Bahnmitarbeiter wurde er laut Gerichtsakten auf den nächsten Halt vertröstet. Der Fahrgast erwiderte, dass er bis dahin nicht durchhalten werde. In der Not soll der Bahn-Beamte den Gast in die 1. Klasse geschickt haben, um sich zu erleichtern. Dort war er an einem Abfallbehälter aber von einem anderen Bahnmitarbeiter erwischt und zur Rede gestellt worden.

Der geplagte Fahrgast habe erwidert, er habe nur den Rat des Bahnmitarbeiters befolgt. Daraufhin war dem 53-jährigen Bahn-Beamten von seiner Arbeitgeberin ein Bußgeld von 100 Euro aufgebrummt worden. Doch der Beamte wehrte sich und zog gegen das Bußgeld vor Gericht: Für einen solchen Fall gebe es keine Dienstanweisung und damit könne er auch gegen keine verstoßen haben. Nun wird der Fall öffentlich verhandelt.

„Die Deutsche Bahn bedauert sehr, dass es zu dem Vorfall kommen konnte”, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag in Berlin auf Anfrage, hielt sich aber ansonsten bedeckt: „Wir möchten der Bewertung durch das Verwaltungsgericht nicht vorgreifen.”

„Bei einer zunehmenden Zahl älterer Menschen macht es schon Sinn, S-Bahnen mit Toiletten zu haben”, sagt Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, der dpa. Dass nun ausgerechnet die neuen S-Bahnen keine Toiletten mehr an Bord haben, sei daher „nicht ganz glücklich”. Vor die Alternative gestellt, sei es immer noch besser, kostenpflichtige Toiletten anzubieten als gar keine. Urinbeutel, wie sie in den Niederlanden verteilt würden, seien wohl kaum die Lösung. Neue Züge sollten nun auf jeden Fall mit Toiletten bestellt werden, besonders dort, wo die S-Bahnen als Regionalverkehr unterwegs seien.

Bei der Deutschen Bahn verweist man in der Frage der Toiletten auf den Besteller, in diesem Fall den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Dort scheint ein Umdenken stattzufinden: Weitere neue Züge seien mit Toiletten bestellt, sagt Sprecherin Sabine Tkatzik am Dienstag in Gelsenkirchen auf Anfrage. Linien, die auch für längere Fahrten genutzt würden, sollten deswegen bald wieder mit Toiletten an Bord verkehren. Die Linie 9, in der sich der Vorfall am Abfallbehälter abgespielt haben soll, zählt allerdings nicht dazu.
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