Pinkpop liegt Robbie Williams zu Füßen

Von: Alexander Barth
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Robbie Williams hat dem zweiten Tag des 46. Pinkpop-Festivals einen glamourösen Abschluss beschert. Foto: Paul Bergen/dpa
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Myles Kennedy und Slash auf dem Pinkpop: Im Publikum gab's trotz Sommersturm Jubel und Bewegung. Foto: Marcel van Hoorn/dpa

Landgraaf. Er kam, posierte – und siegte. Mit seinem Auftritt am Samstagabend hat Robbie Williams dem 46. Pinkpop-Festival einen glamourösen wie ungewöhnlichen Höhepunkt beschert. Nach einem harten Acht-Stunden-Tag unter sengender Sonne mit vielen gefeierten Auftritten internationaler Bands und Künstler war es dem britischen Pop-Beau vorbehalten, die schon bestens temperierten gut 60.000 Musik-Fans auf dem Megaland-Gelände in Landgraaf noch einmal ordentlich in Wallung zu bringen.

Ungewöhnlich war Williams' Auftritt auch deshalb, weil die Macher von Europas ältestem jährlich stattfindenden Festival mit der Einladung des britischen Ex-Boygroup-Stars einen echten Mainstream-Liebling auf das Headliner-Podium gehoben hatten.

Stimmlich etwas dünn

Wenn auch stimmlich etwas dünn (was auch am Sound gelegen haben könnte), dafür als „Showman“ voll auf der Höhe, manövrierte der 41-Jährige seine vielköpfige Band und die 60.000 durch alle Kapitel seines Schaffens – ständige Koketterie mit den weiblichen Festival-Gästen inklusive. Neben Ausflügen in sein gefeiertes Swing-Oeuvre schmückte sich die Ex-Take-That-Skandalnudel mit erdigen Rockfedern – anderer Künstler: Joan Jett und Queen mussten etwa für ein Medley herhalten, um Williams' Rock-Verbundenheit zu kommunizieren.

Eine andere Größe der Musikwelt, für ungleich weniger Pop-verklebte Auftritte bekannt, musste an diesem Wochenende passen: Dave Grohl, mit seinen Foo Fighters eigentlich als furioser Schlussakkord für den Sonntagabend vorgesehen, hatte sich am Freitag bei einem Auftritt in Göteborg das Bein gebrochen. Die „slechte Nieuws“ von Grohls Unfall hatten sich bereits am Samstag an den Bierbuden und Frikandel-Stationen herumgesprochen.

Ebenfalls am Samstag hatte die irische Formation The Script ihre Ansprüche auf den Titel „Nachfolger von U2“ als führender Stadionrock-Export ihres Landes angemeldet. Ihr Radio-Hit „Hall Of Fame“ geriet dabei fast zwangsläufig zum Stimmungshöhepunkt. In der Tiefe des Programms auf den beiden Hauptbühnen gehörte der zweite Pinkpop-Tag auch den Speerspitzen der niederländischen und belgischen Szene: Auftritte des Utrechter Indie-Rock-Quartetts Kensington, der Rockerin Anouk aus Den Haag und der flämischen Sängerin Selah Sue sorgten unter südlimburgischer Sonne für große Festival-Gefühle.

Die Entdeckungsfreudigen wurden an diesem Wochenende traditionell abseits der beiden großen Bühnen belohnt: Auftritte der britischen Indie-Band Lonely The Brave oder der US-Formation East Cameron Folkcore auf der kleineren „Stage 4“ fanden ebenso ihr dankbares Publikum wie die sparsam-intensiven Klänge der Jazz-affinen Songwriterin Judy Blank im gemütlichen „Garden of Love“. Unter lauschigen Bäumen ließ sich der Wermutstropfen der Absage der Foo Fighters womöglich mit maximaler Entspannung verarbeiten.

Die Headliner-Rolle am Sonntagabend wurde Pharrell Williams angetragen, die belgischen Rocker von Triggerfinger rückten kurzfristig ins Programm nach. Der zweite Williams auf der Hauptbühne an diesem Wochenende hatte zunächst allerdings weniger Glück im Buhlen um die Gunst der Pinkpop-Gemeinde. So schleuderte der 42-jährige „Hip-Popper“ dem Publikum doch aus voller Brust ein „Amsterdam!“ entgegen - im gut 200 Kilometer entfernten Landgraaf.

Irritiertes Gemurmel und Buh-Rufe wichen dann aber schnell verschärftem Tanzaufkommen, wenn auch die Reihen bei Williams' Auftritt deutlich lichter waren als noch beim Abräumer des Sonntags: Früher am Abend hatte die US-amerikanische Band OneRepublic für etliche Kuschelrockmomente auf ganzer Geländebreite gesorgt. Placebo, Rise Against oder die quirligen Elektropopper von De Jeugt van Tegenwoordig waren weitere „sichere Bänke“ auf der sonntäglichen Festivalagenda.

So sonnig der Samstag und der Sonntag, so unberechenbar war der Freitag. Der Auftakt zum 46. Pinkpop-Festival hätte kaum krachender sein können: Pünktlich zu den letzten Akkorden von Body Count, erster Act auf der Hauptbühne, brach am Freitagnachmittag ein heftiger Sommersturm über Südlimburg herein. So schnell das Unwetter kam, so schnell war es vorbei.

Das Ergebnis: Zehntausende komplett durchnässte Musikfans – die sich den Auftakt-Tag allerdings alles andere als vermiesen ließen. Im Gegenteil, Bands und Künstler wie Faith No More, Elbow, Slash oder George Ezra durften sich über reichlich Jubel und Bewegung im Publikum freuen.

Spätestens mit dem Headliner des Tages, der britischen Rockband Muse, wich das feuchte Gefühl in den Schuhen der meisten Pinkpop-Besucher. Den einen oder anderen ernüchternden Moment gab es dann später am Abend im Lager der zahlreichen Camper rund um das Städtchen Landgraaf. Etliche Zelte und Gartenpavillons waren durch den heftigen Regen eingeknickt.

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