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Pinkpop 2017: Justin Bieber singt in Landgraaf

Von: Christian Rein
Letzte Aktualisierung:
Justin Bieber
Justin Bieber kommt im Juni als Headliner zum Pinkpop Festival 2017 nach Landgraaf. Foto: dpa
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Jedes Jahr kommen Tausende Fans: Das Pinkpop-Festival im südlimburgischen Landgraaf findet seit 1970 ohne Unterbrechung jährlich statt. Foto: Bart Heemskerk/Pinkpop

Landgraaf. Justin Bieber ist ein wenig in die Jahre gekommen. In ein paar Tagen, am 1. März, wird der kanadische Sänger immerhin schon 23 Jahre alt. Für einen Teenie-Star, der Bieber einmal war, ist das ein nahezu biblisches Alter.

Und für die Teenie-Mädchen, die wohl nach wie vor Biebers erste Zielgruppe sind, vermutlich auch. Trotzdem ist zu erwarten, dass Scharen von eben jenen Mädchen und jungen Frauen am Samstag, 3. Juni, zum Festivalauftakt nach Landgraaf pilgern werden, um Bieber beim Pinkpop live zu erleben.

Noch vor wenigen Jahren hätte man das nicht für möglich gehalten: ein Teenie-Star bei einem so traditionsreichen und qualitätsbewussten Festival. Denn Bieber ist ja das Paradebeispiel für all die von der Plattenindustrie aus der Retorte geborenen, überbezahlten jungen Menschen, die zumeist mehr mit Nachrichten in den Klatschspalten oder einer neuen Frisur für Aufregung sorgen als mit musikalischen Glanztaten.

Bei Festivals Pinkpop´scher Prägung hingegen geht es jenseits des Partymachens vor allem darum, ein authentisches Konzerterlebnis zu haben, sich also von Musikern und ihrem Können in den Bann ziehen zu lassen und die Energie von Songs zu spüren.

Wie kann es sein, dass Justin ­Bieber einer der Headliner beim diesjährigen Pinkpop ist?

„Es ist relativ einfach“, sagt Jan Smeets, der das Pinkpop bereits seit 1970 ohne Unterbrechung veranstaltet, auf Anfrage unserer Zeitung. „Justin Bieber hat im vergangenen Jahr sehr erfolgreiche Shows in den Niederlanden gespielt. Dann wurde bekannt, dass er im Sommer für Festivals nach Europa kommt. Und als wir gefragt wurden, ob ein Auftritt beim Pinkpop für uns interessant wäre, haben wir sofort zugesagt.“ Die Bands, das muss man wissen, bucht Smeets schon seit 1986 nicht mehr selbst. Das hat seitdem die Agentur Mojo unter der Leitung von Leon Ramakers übernommen, inzwischen eine Tochter des US-Unternehmens Live Nation.

Smeets verweist überdies darauf, dass das Pinkpop-Festival schon länger keine reine Rock-Angelegenheit mehr ist. „Wir müssen auch mal mit jüngeren Künstlern anfangen“, sagt er. Im vergangenen Jahr habe man etwa Major ­Lazer oder DJ Tiësto im Programm gehabt, zwei führende Vertreter der elektronischen Tanzmusik. Aus diesem Segment ist für dieses Jahr ein Auftritt des niederländischen DJs Martijn Garritsen alias Martin Garrix bestätigt.

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Schon diese Verpflichtung legte übrigens nahe, dass auch Bieber kommen würde: Garrix und Bieber sind schon länger befreundet und haben mit Scooter Braun auch den gleichen Manager. Bereits im vergangenen Sommer wurde kolportiert, dass die beiden auch an einem gemeinsamen Song arbeiten. Und vor einigen Tagen posteten sie schließlich Fotos aus einem Aufnahmestudio.

Man mag Biebers musikalische Errungenschaften fragwürdig finden, aber er ist erfolgreich. Sein aktuelles Album „Purpose“ dominierte die Charts in vielen Ländern, hatte mit „Sorry“, „Love Yourself“ und „What Do You Mean?“ drei Nummer-1-Singles und kam auch bei den Kritikern einigermaßen gut weg. Zudem arbeitete Bieber mit angesehenen Musikern wie Ed Sheeran oder Produzent Skrillex zusammen.

So einfach, wie Smeets sagt, ist es dann wohl doch nicht. Denn in den vergangenen Jahren ist es für Festivalmacher nicht leichter geworden, ein Programm auf die Beine zu stellen, das nicht nur gut funktioniert, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich ist. Im Mai des vergangenen Jahres erklärte Smeets gegenüber unserer Zeitung: „Wir dürfen uns kein Risiko mehr leisten, wenn wir überleben wollen. Schwache Jahre lassen sich schwer kompensieren. Das bedeutet: Seit dem schwierigen Jahr 2005 mit 20.000 Besuchern setzen wir auf große Namen als Headliner, die den Vorverkauf ankurbeln und so für mehr Planungssicherheit sorgen.“

Mit anderen Worten: Smeets bucht möglichst zugkräftige Künstler in der Hoffnung, möglichst viele Tickets für sein Festival möglichst früh zu verkaufen. Ausverkauft, wie etwa im vergangenen Jahr, bedeutet übrigens, dass an den drei Tagen insgesamt mehr als 150.000 Zuschauer kommen.

Justin Bieber ist ein zugkräftiger Name, ohne Frage. Aber wird damit nicht eine Art Grenze überschritten? Schon im vergangenen Jahr flogen Bierbecher beim Auftritt von Lionel Richie, mit dem offenbar nicht alle Festivalbesucher einverstanden waren. „Wir hatten immer schon ein sehr gemischtes Programm“, sagt Smeets. Er verweist auf die Kings Of Leon und Green Day, die ebenfalls als Top-Acts für das diesjährige Festival feststehen. Es sei klar, dass nicht jede Band jeden im Publikum gleichermaßen anspreche.

„Es ist falsch, in die Verpflichtung von Justin Bie­ber einen Paradigmen- wechsel bei Pinkpop hin- einzuinterpretieren“, sagt Veranstalter Smeets. „Im nächsten Jahr machen wir ein neues ­Lineup. Dann sind wieder ganz andere Namen dabei.“

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