Pinkpop 2013: Der ganz große Höhepunkt fehlt

Von: Jan Mönch
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Wusste die anfangs etwas träge Masse aus der Reserve zu locken: Jared Leto von 30 Seconds to Mars. Foto: Harry Heuts

Landgraaf. Ein Zebra als Dolmetscher? Beim Pinkpop-Festival geht das. Als 30 Seconds to Mars gute zehn Minuten auf der Bühne stehen, vermutet Frontmann Jared Leto offenbar Kommunikationsprobleme mit dem Publikum im niederländischen Landgraaf und lässt einen mit schwarz-weißem Zebradress kostümierten Zuschauer auf die Bühne holen.

Hüpft euch die Seele aus dem Leib, lässt Leto den niederländischen Steppenbewohner übersetzen, und fügt warnend hinzu: „Macht niemals ein Zebra wütend.“ Die eindrucksvolle Menschenmasse, die am frühen Samstagabend bis weit ins Zentrum des Pinkpop-Geländes reicht, beherzigt den gut gemeinten Rat und feiert Stücke wie „This is war“, „Do or die“ und Search and Destroy nach Kräften – weder das Zebra, noch Letos Combo aus Los Angeles hat Grund, schlechte Laune zu schieben.

Dank Auftritten wie denen von 30 Seconds to Mars werden die Fans auch vom Pinkpop 2013 viele gute Erinnerungen mitnehmen. Rein nominell allerdings stand das Programm doch hinter dem Angebot vergangener Jahre zurück. Zwar weiß Festivalchef Jan Smeets, dass seine drei diesjährigen Tagesheadliner – von Freitag bis Sonntag waren das The Killers, Kings of Leon und Green Day – zuverlässig eine große Fangemeinde zu mobilisieren wissen. Einen unbestrittenen Vertreter der musikalischen Champions League wie Bruce Springsteen (2009, 2012) wusste Smeets in diesem Jahr jedoch nicht in die niederländische Provinz zu locken.

Die Eintrittspreise fallen trotzdem selbstbewusst aus: 90 Euro kostet ein Tagesticket, alle drei Tage zusammen 175 Euro. Auch an den gefühlten 500 Fressbuden wird preislich nicht viel Federlesens gemacht.

Vielleicht hat der Festivalvater das Publikum mit spektakulären Auftritten wie denen von Rammstein 2010 oder Coldplay 2011 auch ein wenig verwöhnt. Doch auch in Sachen Vielseitigkeit hatte das Programm in den zurückliegenden Jahren mehr zu bieten. Abgesehen von einigen experimentellen Ausreißern auf der kleinen Zeltbühne (Netsky Live!, C2C) dominierte radiokompatibler Poprock das Geschehen: In diese Kategorie fallen unter anderem The Script, Phoenix oder The Gaslight Anthem.

Was für sich genommen ja nicht verkehrt sein muss. Bestes Beispiel: die Samstagsheadliner Kings of Leon, die nach 30 Seconds to Mars die Hauptbühne entern. Zwar erweist sich Sänger und Gitarrist Caleb Followill im Vergleich zu Jared Leto als ausgesprochen mundfaul. Abgesehen von wenig tiefschürfenden Feststellungen wie „Was für ein schöner Tag“ findet Kommunikation mit dem Publikum nicht statt. Dafür aber hat der Followill-Clan – das Quartett setzt sich zusammen aus drei Brüdern sowie deren Cousin – eine unschlagbare Nummer wie „Pyro“ mit seiner wunderbaren Leadgitarre im Gepäck. Und weil gegen Ende des Sets zu „Use somebody“ ein jeder mitsingt und zu „Sex on fire“ ein jeder mittanzt, werden dem Frontmann seine Qualitäten als Alleinunterhalter gerne verziehen.

Alkoholleichen sind die Ausnahme

Auf dem Festivalgelände zeigte sich derweil an allen drei Tagen das bekannte Bild: Die pinken Hüte mit dem Amnesty-International-Logo sind wie eh und je das optische Markenzeichen der Besucher, und weil Alkoholleichen – anders als bei Gelagen wie Rock am Ring – nicht die Regel, sondern die Ausnahme sind, ist das Pinkpop-Festival ein Spektakel der familienfreundlichen Sorte.

Nur in Sachen Sauberkeit sind die Pinkpopper auch nicht besser als bei vergleichbaren Veranstaltungen anderswo. Das rächt sich am Samstag, als ein steifer Westwind den Festivalferkeln den zuverlässig um die dafür vorgesehenen Behältnisse verteilten Abfall um die Ohren bläst – selbst schuld.

Viel Staub wirbeln auch Queens of the Stone Age auf, die sich am Freitag auf der mittelgroßen 3FM-Bühne ganz auf die Wucht ihrer Hits verlassen und recht schnörkellos zu Werke gehen. Anfangs jedoch mit deutlichen Soundproblemen: Bei „Space Monkey“ klumpt Michael Shumans Bass so wohldosiert wie eine Schubkarrenladung Soßenbinder im Klangbild. Nachdem die Kollegen von der Tontechnik nachjustiert haben, kommt „No one knows“, auf jeder Alternative-Party weltweit eine Pflichtnummer, richtig gut an. Der räudige Uptempo-Rocker „A song for the dead“ räumt am Ende noch mal komplett ab. Die in Richtung Bühne fliegenden Bierbecher weiß Bandboss Josh Homme völlig richtig als Form hoher Anerkennung zu interpretieren.

Glasklarer Sound

Zumindest Freunde der etwas härteren Gangart hätten sicher nichts dagegen gehabt, die Kalifornier als Freitagsheadliner auf der großen Bühne zu sehen. Die Rolle aber kommt „The Killers“ zu, die wie schon 2009 Fotografierverbot für die Presse verhängt haben. Am Aussehen des Sängers und mutmaßlichen Schwiegermutterlieblings Brandon Flowers sollte das eigentlich nicht liegen. Vielleicht hat der gute Mann in den Niederlanden ja einfach noch keinen vernünftigen Friseur gefunden. Die gelungene Lightshow, ein glasklarer Sound und nicht zuletzt Ohrwürmer wie „Somebody told me“ und „For reasons unknown“ lassen The Killers jedoch als passablen Tagesheadliner durchgehen. Der ganz große Höhepunkt aber fehlt in Landgraaf 2013.

Eine offizielle Besucherzahl wollen die Veranstalter erst am Montag veröffentlichen.

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