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Pilz tötet Feuersalamander in der Eifel

Von: Walter Schmidt
Letzte Aktualisierung:
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Gefährdete Art: Der Feuersalamander ist in der Nordeifel im Moment nicht sicher, ein für ihn lebensgefährlicher Pilz breitet sich mit großer Geschwindigkeit aus. Foto: dpa

Monschau/Hürtgenwald. Nachdem ein tödlicher Schadpilz den Feuersalamander in den Niederlanden und Belgien fast ausgerottet hat, sind nun auch auf deutschem Boden die ersten toten Schwanzlurche gefunden worden – in der Nordeifel. Wissenschaftler sind alarmiert.

Und noch ist unklar, wie das weitere Vordringen nach Deutschland und in andere Länder verhindert werden könnte.

Es lag wohl am milden Frühwinter 2015, dass die Feuersalamander im Belgenbachtal zwischen Monschau und Simmerath, direkt westlich des Nationalparks Eifel, so spät im Jahr noch einmal in größerer Zahl aktiv wurden. Hervorgelockt von überraschend hohen Lufttemperaturen, hatten sie ihre schon bezogenen Winterquartiere in Boden- und Felsspalten oder unter Baumwurzeln noch einmal verlassen.

Doch eine ganze Reihe von ihnen, ist zu befürchten, hat das nicht überlebt. Biologen auf der Suche nach dem schwarz-gelben Lurch fanden jedenfalls zu dieser Zeit allein im Belgenbachtal 16 tote Feuersalamander. Im Solchbachtal zwischen Stolberg-Zweifall und Hürtgenwald-Vossenack sowie im nicht weit davon entfernten Tal der Weißen Wehe lagen zwei am Pilz verendete Feuersalamander – außerdem wurden mehrere damit infizierte, aber noch lebende Exemplare gefunden.

Der Biogeograf Stefan Lötters von der Universität Trier und seine Fachkollegen mussten nicht lange rätseln, woran die auffällig gemusterten Amphibien gestorben waren: Selbst fünf der noch lebenden Tiere, so stellte sich später im Labor heraus, waren mit dem für die Salamander meist tödlichen Tröpfchenpilz Batrachochytrium salamandrivorans (BS) infiziert. Dessen zweiter Namensbestandteil bedeutet so viel wie Salamander-Fresser.

Dieser Pilz war der Grund, warum die seit Längerem besorgten Forscher durch drei Bachtäler in der Nordeifel und andere Amphibien-Biotope gestapft waren. Sie wollten feststellen, ob der BS-Pilz von den Niederlanden oder Belgien her den Sprung über die deutsche Grenze geschafft hatte. Und siehe da: Er hatte. Es waren die ersten deutschen BS-Funde in freier Wildbahn.

„Die kühlen Temperaturen während der Funde in der Nordeifel waren für den Pilz gut“, sagt Biogeograf Lötters. Der BS-Pilz mag es nämlich nicht gern warm. Er vermehrt sich besonders gut bei zehn bis 15 Grad Celsius, Temperaturen also, wie sie häufig in Europa vorkommen. Ab etwa 25 Grad hingegen stirbt er.

Das schien sich schlagartig im Jahr 2010 zu ändern, als in den Niederlanden die Feuersalamander in bedenklichem Tempo zu sterben begannen: Bis 2013 fielen 96 Prozent des ursprünglichen Bestandes einem Schadpilz zum Opfer. Doch wie Wissenschaftler um die Biologin An Martel von der belgischen Universität Gent herausgefunden haben, war es diesmal ein anderer Übeltäter – einer, der sein Unwesen bei niedrigeren Temperaturen treibt als sein in den Tropen wütender Verwandter.

Es handelte sich um eben jenen Schadpilz, der nun auch in der Nordeifel gefunden wurde. Im Fall des Belgenbachs sprachen die Wissenschaftler sogar von einem „Massensterben“, weil sie kaum lebende und fast keine nicht befallenen Lurche fanden.

Auch in den Niederlanden und Belgien greift der Salamander-Pilz weiter um sich. Das zeigen Feldstudien seit 2010, zu deren Ergebnissen auch die alarmierenden Funde in der deutschen Nordeifel gehören. Insgesamt wurden in den drei Ländern 55 geeignete Biotope untersucht – und an immerhin 14 von ihnen fand sich der Schadpilz auf Schwanzlurchen. Betroffen waren – außer dem Feuersalamander – Berg- und Teichmolche.

Annemarieke Spitzen-van der Sluijs, Autorin der neuen Studie, schätzt das grenzübergreifende Gebiet, in dem der Pilz bereits Amphibien befallen hat, auf bis zu zehntausend Quadratkilometer – mehr als bisher angenommen. „Das kann entweder darauf hinweisen, dass der Pilz sich ausgebreitet hat, oder dass er schon seit Längerem an Stellen auftritt, die bislang nicht als befallen galten“, sagt die niederländische Biologin. „Das Vorhandensein des Pilzes kann zunächst leicht unentdeckt bleiben, weil die Hautverletzungen erst kurz vor dem Verenden der Tiere auftreten.“

Die Forschung weiß noch wenig

Noch tappen die Forscher bei manchen Fragen im Dunkeln. Ist der Pilz wirklich so brandgefährlich und tötet schon kurz nach dem ersten Auftreten in einem Bachtal oder Tümpel die meisten oder gar alle dort lebenden Feuersalamander und andere Molche? Oder gibt es bloß einige gefährliche Varianten oder Stämme des Pilzes – und andere, die eher harmlos sind?

War der Pilz womöglich schon lange in den Gebieten, wo man ihn in den letzten Jahren durch gezielte Suche erstmals fand? Und würde man ihn sehr oft auch anderswo in Deutschland finden, wenn man nur an vielen Amphibien-Standorten emsig nachforschte? Zudem könnten die einzelnen regionalen Feuersalamander-Populationen „unterschiedlich gut gegen den Pilz gewappnet sein, weil sie vielleicht ganz andere Mikroben auf ihrer Haut haben, die den Pilz womöglich bekämpfen“, sagt Lötters. „Das alles muss erst erforscht werden.“

Die europäische Fachwelt ist jedenfalls seit der Studie von An Martels vor drei Jahren alarmiert – spätestens seit den ersten Funden verendeter Salamander in Deutschland geht es den Experten im Bundesamt für Naturschutz in Bonn nicht anders. Im Wissenschaftsjournal „Science“ warnten Martel und Lötters schon 2014 vor einem Massensterben der europäischen Salamander- und Molchvorkommen.

Biologin Spitzen-van der Sluijs erbittet nun die Hilfe der Öffentlichkeit: Erkennbar kranke oder tote Salamander oder Molche sollten bei den für Naturschutz zuständigen Stellen gemeldet werden, „damit wir die Verbreitungskarte des Pilzes in Europa weiter füllen können“.

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