Pilot verließ Flugzeug schon Kilometer vor Absturz

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Zertrümmert: Das Cockpit der abgestürzten Piper PA28 aus Merzbrück. Foto: Stefan Everling

Aachen/Mechernich. Die Suche nach dem verschwunden Piloten, dessen Kleinflugzeug am Mittwoch in Mechernich-Bergheim abgestürzt war, wird am Freitagnachmittag wieder aufgenommen. Nach Informationen unserer Zeitung hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung die ungefähre Flugroute mit Daten der Luftüberwachung abgeglichen - und ermittelt, wann der Pilot die Maschine verlassen hat.

Nach den Untersuchungen glaubt die Bundesstelle, den Ort, an dem der 43 Jahre alte Aachener sein Flugzeug verließ, nun genauer einkreisen zu können, wie die Aachener Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Der Ort, an dem der Pilot sein Flugzeug durch die Kabinentür verlassen hat, soll zwischen acht und zehn Kilometer von der Absturzstelle in Mechernich-Bergheim entfernt liegen.

Das Kleinflugzeug war nach dem Start in Aachen-Merzbrück am späten Mittwochnachmittag auf einer Wiese in Mechernich-Bergheim abgestürzt. Zeugen hatten übereinstimmend erklärt, dass nach dem Absturz niemand das Cockpit verlassen habe, die Maschine sei unbemannt abgestürzt. Daraufhin hatte die Polizei mit zeitweise 150 Kräften die weitere Umgebung abgesucht, den Piloten aber nicht gefunden.

Am Donnerstag hatte ein Zeuge der Euskirchener Polizei mitgeteilt, am Mittwochnachmittag beobachtet zu haben, wie ein Gegenstand bei Mechernich-Strempt aus großer Höhe vom Himmel gefallen sei. Strempt liegt nur wenige Kilometer von Mechernich-Bergheim entfernt. Doch auch die intensive Suche in und bei Strempt war ergebnislos geblieben.

Am Donnerstagnachmittag hatte die Polizei die Suche eingestellt und erklärt, das Suchgebiet sei viel zu groß und unübersichtlich. Am Freitagnachmittag nun sollen die Ermittler mit einem Hubschrauber die ungefähre Route nachfliegen, die der 43-Jährige am Mittwoch genommen hat. Auch die vermutete Stelle, an der der Pilot seine Maschine verließ, soll genauer untersucht werden, erklärte die Staatsanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung.

Derweil wurde gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr eingeleitet. Doch was die Vernehmungen im Umfeld des 43-Jährigen bislang ergeben haben, ob er Verwandte hat, die befragt werden können, ob er vielleicht einen Fallschirm besaß oder eine Fallschirmspringerlizenz, was er beruflich machte, ob er sich in einer Krisensituation befand, zu all dem wollte die Staatsanwaltschaft am Freitag keine Auskünfte erteilen.

Der Mann aus Aachen war am Mittwochnachmittag vom Flugplatz Aachen-Merzbrück aus in der zuvor bei der Westflug GmbH gecharterten Piper PA28 gestartet. Schon kurz nach dem Start soll er einen Notruf abgesetzt haben, was gewissermaßen ein Rätsel ist. Fest steht, dass der Notruf sich in der Maschine kaum automatisch abgesetzt haben kann. Der Pilot muss einen vierstelligen Code eingegeben und abgesetzt haben.

Dieser Notruf spricht bislang gegen die Theorie eines geplanten Suizids. Der Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, Jost Schützeberg, sagte am Freitag nur: „Für den Tod des Mannes spricht genau so viel wie dafür, dass er noch lebt.“

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