Pilger gaben Nothberg den Namen

Von: Martin Thull
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Der Not-Gottes-Altar in Eschweiler-Nothberg: 1398 wurde er zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Foto: Röhseler

Eschweiler. Orte finden manchmal über Umwege zu ihren Namen. Mal ist es ein Berg oder Fluss, manchmal ein dort verehrter Heiliger. Wie etwa in Arnoldsweiler, wo der heilige Arnold zum Namenspatron wurde. Oder beispielsweise Laurensberg, wo der Pfarrpatron Laurentius zum Namensgeber wurde.

Beim Eschweiler Ortsteil Nothberg ist es der Not-Gottes-Altar, der erstmals 1398 urkundlich erwähnt wird. Er und das Gnadenbild der „Schmerzhaften Muttergottes“ sind bis heute das Ziel der Wallfahrer.

Das Gnadenbild ist eine 1,20 Meter hohe Pietà aus Lindenholz, einer Darstellung der Gottesmutter Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Zunächst hieß der Ort „Walramsberg“. Aber seit 1398 war die Kraft der Pilger stärker – der Ort bekam den bis heute gebräuchlichen Namen Nothberg.

Die Wallfahrt findet einmal im Jahr statt, am 3. Sonntag im September in der Wallfahrtsoktav. Die Oktav zur „Schmerzhaften Muttergottes” lädt Gläubige dazu ein, sich etwas Zeit zum Durchatmen zu nehmen. Menschen sind eingeladen, ihren Lebensweg vor Gott und mit Gott zu gehen.

Bei der Oktav 2013 war das Thema: „Heilige Kirche – zwischen Erstarrung und Erneuerung“. Es bezog sich auf ein Wort von Papst Franziskus: „Wer nicht aus sich herausgeht, wird, statt Mittler zu sein, allmählich ein Zwischenhändler, ein Verwalter.“ Es gelte, gemeinsam aufzubrechen, sich zu verändern, sich zu erneuern. Die Zukunft entstehe nicht einfach aus der Weiterführung des Bestehenden, so die Verantwortlichen. Dies zeigt, dass es in Nothberg wie an den anderen Wallfahrtsorten im Bistum Aachen, nicht darum geht, die Vergangenheit zu konservieren, sondern dass nach Wegen gesucht wird, das Bewährte in die Zukunft zu übertragen und neue Formen des religiösen Vollzugs zu finden.

Die Chroniken berichten, dass 1454 eine Prozession aus Mönchengladbach eine Bahre Reliquien des heiligen Vitus mit sich führte. Und für 1471 ist eine Herberge für Pilger bezeugt. Was auch nicht überall geschieht: Im Jahr 1784 bestätigte Papst Pius VI. in einem Schreiben die Verehrung der „Schmerzhaften Mutter“ von Nothberg. Und dies wurde von Papst Leo XIII. im Jahre 1893 erneut bestätigt.

Im 18. Jahrhundert, so beschreibt es Dieter Wynands in seinem Standardwerk „Geschichte der Wallfahrten im Bistum Aachen“, kamen an bestimmten Tagen bis zu 100 Prozessionen nach Nothberg. Es war also richtig was los im Eschweiler Ortsteil.

Wundersames geschah

Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der Wallfahrer dann spürbar ab, bis 1866 etwas Wundersames geschah: Die Bevölkerung wurde von der grassierenden Choleraseuche verschont, die im Umland viele Opfer forderte. Und als dann fünf Jahre später im deutsch-französischen Krieg keine Gefallenen in dieser Gemeinde zu beklagen waren, sondern alle Soldaten zumindest lebend wieder zurückkehrten, da nahm die Verehrung des Gnadenbildes wieder zu. Denn man schrieb diese glücklichen Fügungen der Fürsprache der Gottesmutter zu. Wynands: „Zum Andenken daran zog jährlich am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt eine Prozession mit dem Gnadenbild durch die Gemeinde.“

Heute wird bei den Prozessionen das Gnadenbild nicht mehr mitgeführt. Der Verehrung der Mutter Gottes tut das aber kei nen Abbruch. Immer noch gibt es rund 1000 Wallfahrer im Jahr, darunter immer wieder auch Einzelpilger. In den letzten Jahren wird diese gemeinsame Wallfahrt von den Mitgliedern der jetzt fusionierten Pfarre St. Peter und Paul begangen.

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